"Ein Freund" sei Merz – so nennt Donald Trump den Besuch aus Deutschland und zieht einen Vergleich zu seiner Vorvorgängerin. "Ich hatte meine Meinungsverschiedenheiten mit Angela", so der US-Präsident über CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Sie habe Deutschland bei den Themen Migration und Energiepolitik geschadet. Merz dagegen sei bei diesen Punkten "ziemlich auf der anderen Seite".
Zum dritten Mal ist Friedrich Merz als Bundeskanzler nach Washington gereist. Jeder Besuch war auf seine Art heikel: Beim Antrittsbesuch war Merz sichtlich darum bemüht, das angeknackste Verhältnis zu kitten, versuchte es mit einer Charmeoffensive. Beim zweiten Besuch im August ging es um den Ukraine-Krieg.
Merz nennt drei Themen
Dieses Treffen steht vor dem Hintergrund des Iran-Krieges. Deutlich wird, dass die anwesende Presse nur wenig Interesse am deutschen Gast hat. Die Kameras fangen fast nur Trump ein – Merz ist selten zu sehen. Auch die Fragen richten sich überwiegend an den US-Präsidenten – wobei das nicht unüblich ist, wenn andere Staatsgäste neben ihm vor dem Kamin im Oval Office sitzen.
Aber dafür, dass Merz zu Beginn des Treffens drei Punkte anspricht, über die er reden will, werden diese maximal am Rand gestreift. Dem Kanzler geht es um einen Plan für die Zeit nach den Mullahs in Teheran, den Zoll-Streit und den Ukraine-Krieg. Schnell wurde klar, dass diese Themen wohl im inoffiziellen Teil des Treffens behandelt werden müssen.
Trump blickt lieber in die Vergangenheit
Denn Trump nutzt auch dieses Treffen, um in erster Linie in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft zu blicken: Er lobt den US-Einsatz gegen den Iran und auch noch mal ausführlich den in Venezuela, kritisiert unter anderem seinen demokratischen Vorgänger Barack Obama für dessen Iran-Politik aufs Schärfste und behauptet einmal mehr, dass seine Niederlage gegen Joe Biden eine gestohlene Wahl gewesen sei.
Es ist ein Ritt durch die Trump-Evergreens. An wenigen Stellen gibt er das Wort an Merz weiter, der sich betont zurückhielt – in dem Wissen, wessen Show es ist.
Trumps Zielscheibe: Spanien
Zielscheibe von Trump ist dieses Mal besonders Spanien. Dass Madrid die Ausgaben für Verteidigung nicht wie andere Nato-Staaten massiv erhöhen will, erregt Trumps Zorn. "Schrecklich" und "unfreundlich" sei die dortige Regierung. Neben Spanien ist Großbritannien Trumps Prügelknabe beim Treffen mit Merz. Zahlreiche Fehler mache London und Premierminister Keir Starmer sei eben "kein Winston Churchill".
Deutschland sei beim Thema Handel konstruktiv und wolle nach vorne schauen, versicherte der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer, der wie Außenminister Marco Rubio, Vize-Präsident J.D. Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth an dem Treffen teilnimmt. Trump fragt ihn: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich hoffe, wir treffen sie hart", sagt Trump mit einem Lachen und haut Merz dabei gegen dessen langes Bein.
Wie viel Wahrheit in diesem Scherz steckt, bleibt in diesem Moment unklar. Trump hat sich in der Vergangenheit mehrfach über Deutschlands Wirtschaftspolitik echauffiert. Beim Iran-Krieg lobt Trump, dass das US-Militär "in bestimmten Gebieten landen" dürfe. "Wir werden sie aber nicht darum bitten, Truppen zu schicken", so Trump.
USA und Deutschland: Die Konflikte bleiben
Merz weiß, welche Rolle er spielen muss, um Trumps Zorn nicht auf sich zu ziehen. Auch diesmal hält er sich zurück, fällt aber auch nicht durch eine übertriebene Unterwürfigkeit wie beispielsweise Nato-Chef Mark Rutte auf.
Doch trotz des guten Verhältnisses dürften die Konfliktlinien bleiben. Merz ging auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf Distanz zu Washington. "Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung in den USA ist nicht unserer", sagte er unter anderem und warnte die USA vor Alleingängen.
Bei Iran betont Merz die Gemeinsamkeiten
Trump wiederum hat trotz Merz bisher kein Problem damit gehabt, die EU in der Zoll-Politik massiv unter Druck zu setzen. Was Merz gelingt, ist - im Gegensatz zu den Regierungschefs in London, Paris und Madrid - keine weitere Angriffsfläche zu bieten. Und so betont er auch beim Iran-Krieg Einigkeit mit den USA und vermeidet – auch wenn das manche in Deutschland gefordert hatten – den Begriff "Völkerrecht" auf offener Bühne zu erwähnen.
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