Symbolbild: Bedienung trägt Teller mit Schweinebraten
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Symbolbild: Bedienung trägt Teller mit Schweinebraten
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Catherina Hess
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Krisen, Kosten, Knappheit: Was braucht Bayerns Wirtschaft?

Krisen, Kosten, Knappheit: Was braucht Bayerns Wirtschaft?

Steigende Energiepreise, knappe Rohstoffe und die unsichere Weltlage setzen Bayerns Unternehmen unter Druck. Wie gehen Betriebe damit um und was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

Vor Kurzem haben Veronika Kamm und ihre Schwester das Familienunternehmen Huber Technik übernommen. Seit 100 Jahren ist es im oberbayerischen Erding zu Hause. Dort produziert das Unternehmen mit 110 Mitarbeitern Gummimatten für Kuhställe, die weltweit exportiert werden. Doch steigende Energiepreise und der Mangel an Rohstoffen setzen Geschäftsführerin Veronika Kamm unter Druck: "Es ist ein fast tägliches Auf und Ab. Das hat sich extrem verändert zu sonstigen ganz normalen Konjunkturschwankungen, die man immer schon hatte."

Besonders groß ist die Unsicherheit in energieintensiven Industrien, wie etwa bei Huber Technik. Laut einer Studie des ifo Instituts liegt sie in der Chemiebranche bei rund 95 Prozent, bei Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren bei 93,9 Prozent. Firmen fällt es also zunehmend schwerer zu sagen, wie sich ihre Geschäftslage in Zukunft entwickeln wird.

"Die Planungssicherheit ist eine totale Katastrophe"

Spätestens mit der Krise im Iran häufen sich die Anrufe der Lieferanten von Huber Technik, die vor drohenden Rohstoffengpässen warnen. Gleichzeitig belasten steigende Spritpreise das Unternehmen zusätzlich. Die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel ist auf zwei Monate begrenzt.

Für Veronika Kamm greift das deutlich zu kurz: "Die Planungssicherheit ist eine totale Katastrophe." Diese Kritik steht für ein grundlegendes Problem: Viele politische Maßnahmen wirken kurzfristig und wenig verlässlich. "Man hat nie das Gefühl, dass es eine klare Aussage gibt, womit ich zumindest das nächste halbe Jahr oder Jahr planen kann", so Kamm.

Kosten steigen, Konsumenten sparen

Auch bei Gastwirtin Juliane Dorn ist die Stimmung gedrückt. In ihrem Gasthof Wiethaler in Lauf an der Pegnitz geht immer öfter die Rechnung nicht auf: Die Kosten steigen, während die Gäste zurückhaltender werden. Zulieferer geben höhere Preise und gestiegene Anfahrtskosten weiter, während die Kundschaft spart: Vor- und Nachspeisen werden häufiger weggelassen, der Schweinebraten als günstigstes Hauptgericht ist meist zuerst ausverkauft.

Vor allem an Wochentagen ist sehr wenig los. "Wir haben das Gefühl, es wird ein bisschen mehr, aber es ist noch lange nicht vor Corona", sagt Dorn. Umsätze, die unter der Woche fehlen, müssen vor allem am Sonntag erwirtschaftet werden. Starre Arbeitsmodelle stoßen dabei an ihre Grenzen.

Arbeitsmarkt bleibt stabil – trotz Unsicherheit

Anja Rossen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg kennt die angespannte Lage: "Die Stimmung ist eher gedämpft in den Betrieben. Vor allem in Bayern mit Hinblick auf die Automobilindustrie, wo vieles ungewiss ist." Trotz globaler Krisen zeige sich der Arbeitsmarkt insgesamt bislang robust. Aktuell geht die Zahl der Beschäftigten nicht zurück. "Was wir aber sehen, ist auf jeden Fall eine Stagnation. Also kein Beschäftigungsaufbau mehr wie in den letzten zehn Jahren", so Rossen. Bayern hat im Gegensatz zu den anderen Bundesländern immer noch die geringste Arbeitslosenquote.

Veronika Kamm und Juliane Dorn sehen vor allem die Politik in der Pflicht. Ihr gemeinsames Anliegen: weniger Bürokratie, insbesondere, um dringend benötigte ausländische Arbeitskräfte leichter zu gewinnen und zu halten.

Trotz aller Herausforderungen bleibt für Kamm ein Punkt zentral: "Als Unternehmerin muss ich mit einem gewissen Optimismus an das Ganze herangehen. Wenn ich schon keine Zuversicht ausstrahle, was denken denn dann meine Mitarbeiter?"

Mehr zum Thema in der Münchner Runde. Am Mittwoch um 20.15 Uhr im BR Fernsehen diskutieren unter anderem CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek und Ronja Endres, Vorsitzende der BayernSPD.

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