Im Kino sind Piraten oft Helden. Etwa Johnny Depp in seiner höchst erfolgreichen Filmrolle des bekifft wirkenden Freibeuterkapitäns Jack Sparrow. Die Realität ist eine andere. Denn Piraterie ist nach wie vor eine ernsthafte Gefahr für den Welthandel und für das Leben von Schiffsbesatzungen.
Im vergangenen Jahr zählte das Schifffahrtsbüro der Internationalen Handelskammer ICC (externer Link) eine deutliche Zunahme von Angriffen auf Handelsschiffe. Insgesamt registrierte die ICC 137 Vorfälle, das war im Jahresvergleich ein Plus von 18 Prozent.
Piraten vor Singapur
Die Straße von Singapur und daneben die Straße von Malakka sind der globale Piraterie-Hotspot schlechthin. 80 Vorfälle und damit mehr als die Hälfte der Angriffe gab es in der Meerenge, durch die knapp 40 Prozent des internationalen Seehandels müssen. An der engsten Stelle ist sie nur wenige Kilometer breit.
Piraten mit Schnellbooten können die langsam fahrenden Frachter also binnen weniger Minuten erreichen, entern und dann wieder verschwinden. Wegen zahlreicher Inseln und Buchten ist es für die Behörden von Singapur, Indonesien und Malaysia nicht leicht, die zumeist wendigen Schnellboote der Freibeuter zu stoppen.
Als weitere Gefahrenstellen gelten Küstengewässer vor Westafrika und Somalia. Allerdings haben die Vorfälle dort in den vergangenen Jahren abgenommen, auch wegen internationaler Marineeinsätze wie der Operation "Atalanta", an der sich auch die Bundeswehr beteiligte.
Grafik: Karte der Handelsknotenpunkte der Welt
Engstellen des Seehandels: Straße von Singapur, Panamakanal etc.
Handelsrouten sind Joker im Machtpoker
Doch es sind nicht nur Piraten, die enge Seewege zu ihrem Vorteil nutzen, sondern auch Machtpolitiker. So beansprucht die Volksrepublik China immer mehr maritimes Hoheitsgebiet rund um Taiwan. Peking erkennt die Insel nicht als eigenständigen Staat an und hat in den vergangenen Jahren seine Drohgebärden intensiviert.
Im Falle eines militärischen Konfliktes besteht nach Einschätzung von westlichen Experten die Gefahr, dass die Marine und Luftwaffe der Volksrepublik Taiwan vom Welthandel abschneiden könnten. Die Folge wäre unter anderem ein Abreißen wichtiger Lieferketten für Elektronikbauteile wie Halbleiter. Taiwan ist der führende Hersteller wichtiger Mikrochips.
Kanäle als Engstellen
Die USA unter Donald Trump wiederum sehen den Panamakanal zwischen Atlantik und Pazifik als ihr Einflussgebiet an. Auf Druck Washingtons entzog die Regierung Panamas zuletzt einem Unternehmen mit Sitz in Hongkong und damit China die Verwaltung der beiden großen Häfen an den Enden des Kanals und übergab sie westlichen Konsortien unter Führung eines US-Investors.
Auch andere wichtige künstliche Wasserstraßen stehen immer wieder unter politischem Druck. Huthi-Milizen im Jemen zum Beispiel nutzen ihr Arsenal an Raketen und Drohnen, um Erpressungspotential bei der Zufahrt zum Roten Meer und damit zum Suez-Kanal zu haben.
Direkte militärische Auswirkungen hat die Sperrung des Bosporus durch die Türkei für Militärschiffe. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist ein Teil der russischen Flotte im Schwarzen Meer regelrecht eingesperrt und wird seither durch ukrainische Raketen und Drohnen nach und nach deutlich dezimiert.
Nord-Ostsee-Kanal wird saniert
Auch in Deutschland gibt es mit dem Nord-Ostsee-Kanal eine Wasserstraße von internationaler Bedeutung. Die knapp 100 Kilometer lange Verbindung von Brunsbüttel nach Kiel wurde im späten 19. Jahrhundert gebaut und galt damals als technisches Wunderwerk. Sie sollte zum einen den Weg für Handelsschiffe verkürzen und zum anderen der deutschen Kriegsmarine eine sichere Durchfahrt zwischen Nord- und Ostsee ermöglichen.
Auch heute noch nutzen viele Reeder den Kanal, um Treibstoff zu sparen. Allerdings galten Teile der Verbindung als nicht mehr zeitgemäß. Deswegen investiert der Bund seit Jahren Milliardensummen, um die zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammenden Schleusen zu modernisieren.
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