Vor der Damentoilette staut es sich mal wieder. Die Schlange reicht bis weit vor den Eingang hinaus. Bei den Herren ein paar Meter weiter läuft alles reibungslos: Männer kommen, verschwinden hinter der Tür und treten wenig später wieder heraus. Ob auf Volksfesten, in Theatern, Konzerthallen oder Stadien: Szenen wie diese sind Alltag, kaum einer wundert sich darüber.
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"Diese Schlangen vor dem Frauenklo sind politisch gewollt", sagt die bayerische Landtagsabgeordnete Julia Post (Grüne). "Auf jeden Fall sind sie kein Naturereignis, sondern das Ergebnis von Planung und Infrastruktur", betont sie im Gespräch mit BR24.
Verordnung sieht weniger Frauen- als Männerklos vor
Konkret meint Post die Bayerische Versammlungsstättenverordnung (externer Link). Die schreibt vor, wie viele Toiletten größere Veranstaltungsorte zur Verfügung stellen müssen. Bei 1.000 Besuchern braucht es mindestens zwölf Damentoiletten, acht Männertoiletten sowie zwölf Urinale. Mit anderen Worten: Für das kleine Geschäft stehen Männern 20 WC-Einheiten zur Verfügung. Frauen nur zwölf.
Bereits im Herbst 2025 hat der Bayerische Rundfunk beim Bayerischen Bauministerium nachgefragt, ob Änderungen an dieser Verordnung geplant sind. Damals hieß es, das bundesweite Regelwerk dazu, die sogenannte Muster-Versammlungsstättenverordnung, werde gerade überarbeitet. Daran schließe sich die Umsetzung in den Bundesländern an. Eine erneute Nachfrage ergibt nun: Es gibt keinen neuen Stand.
Die Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag will nicht länger warten und hat einen Antrag (externer Link) mit dem Titel "Frauen müssen übrigens auch mal" gestellt. "Wir fordern, dass es in Zukunft gleich viele Toiletten für Frauen wie für Männer geben soll", sagt Post. Am kommenden Dienstag soll der Bauausschuss darüber abstimmen. Bei einer Mehrheit muss die Staatsregierung tätig werden. Betroffen wären allerdings nur neue Einrichtungen, keine bestehenden.
"Schließt Frauen von Teilhabe aus"
Unter einem Beitrag bei Instagram, in dem Post das Vorhaben anspricht, sammeln sich viele zustimmende Kommentare. Aber auch ein paar Zweifler: Ob das jetzt wirklich das größte Problem sei, will einer wissen. "Ich habe nie behauptet, dass das das wichtigste Problem auf der Welt wäre", sagt Post. Aber: "Es schließt Frauen von Teilhabe aus". Zum Beispiel im Kino, wo eine lange Klo-Schlange dazu führe, dass man den Anfang des Films verpasst.
"Dann kommen noch biologische Faktoren hinzu, mit Periode oder Schwangerschaft oder auch Frauen, die keinen starken Beckenboden mehr haben", sagt Post. Oft seien es zudem Frauen, die Kinder zur Toilette begleiten. "Uns stehen eben nicht die Urinale zur Verfügung, wo es so schnell geht. Und dafür können wir nichts."
Architektin: In Toiletten will man nicht viel investieren
Die Architektin Ayesha Müller-Wolfertshofer, Postdoktorandin an der Technischen Universität München, kennt das Problem aus Planer-Perspektive: "Toiletten sind ein räumlicher Aspekt, in den man nicht viel investieren will", erklärt sie im Gespräch mit BR24.
Es handle sich um Flächen, an denen ein Veranstalter keinen Profit erzielen kann. Deshalb werde an dieser Stelle oft gespart: "Wenn das die Mindestanzahl ist, die für diese gewisse Anzahl an Personen vorgeschrieben ist, dann hält man sich als Architekt daran, weil man dem Bauherrn gegenüber die Kosten nicht unbegründet erhöhen möchte."
Unisex-Toiletten als Lösungsvorschlag?
Müller-Wolfertshofer hat einen weiteren Vorschlag, um das Problem anzugehen: Unisex-Toiletten. In den USA seien diese – noch vor der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump – vielfach erprobt worden. Auch in Schweden und Finnland sind geschlechtsneutrale Toiletten weit verbreitet. "Es ist dann ein großer Raum, in dem es verschiedene Kabinen gibt", erklärt die Architektin. Dafür werde weniger Platz benötigt, was die Anlage insgesamt günstiger mache.
Mit guter Planung könnten Unisex-Toiletten auch für Frauen und Transgender-Menschen angenehm und sicher gestaltet werden. Etwa, indem Kabinen nach vorne und offene Urinale nach hinten verlagert werden, sodass nicht jeder daran vorbeigehen muss. Grünen-Politikerin Post reagiert mit Blick auf den Vorschlag pragmatisch: "Mir ist wichtig, dass wir dieses Ziel erreichen, also vor allem gleiche Wartezeiten. Wie wir dahin kommen, da bin ich total offen."
BR24 auf TikTok: Schlange vor Damen-Klo: "politisch gewollt"?
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