(Archivbild) Ministerpräsident Söder mit einem Panda-Stofftier
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Landtag streitet über Millionen für Gehege: "Panda-Populismus?"

Landtag streitet über Millionen für Gehege: "Panda-Populismus?"

Im Januar kündigte Ministerpräsident Söder zwei Pandas für München an, jetzt hat der Landtag 18 Millionen Euro für das Gehege beschlossen. Grüne und SPD kritisieren eine falsche Prioritätensetzung, Tourismusministerin Kaniber kontert.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Immer wieder Pandas. Rund 20 Mal wurde das Bären-Paar aus China, das 2028 in den Münchner Tierpark kommen soll, in den dreitägigen Haushaltsberatungen des Bayerischen Landtags erwähnt – egal ob es um Justiz, Soziales oder Digitales, um Bildung oder Tourismus ging.

Denn der Doppelhaushalt 2026/2027 enthält neben vielen anderen Posten auch 18 Millionen Euro für den Bau eines Panda-Geheges. Grüne und SPD kritisierten im Laufe der Beratungen immer wieder, dass der Freistaat an vielen Stellen spare, sich die Pandas aber eine Menge kosten lasse.

Söder: "München wird Panda-City"

Am 21. Januar hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Pläne verkündet: "München wird Panda-City!" Die Tiere sollen für zehn Jahre als Leihgabe Chinas kommen. Dass die Baukosten zum Zeitpunkt der Bekanntgabe schon seit Wochen im Haushaltsentwurf vorgesehen waren, wurde erst später klar: Die Summe ist im Haushaltstitel "Maßnahmen zur Förderung des Tourismus einschließlich Saisonverlängerung" verborgen, wie die Grünen-Fraktion eher zufällig entdeckte.

"Ich habe mich gefreut, als ich einen Aufwuchs beim Tourismus-Etat im Haushalt gesehen habe", schildert der Grünen-Abgeordnete Christian Zwanziger in seiner Rede. Auf seine Nachfrage hin beim Landwirtschafts- und Tourismusministerium habe er erfahren, dass es um Geld für das Gehege im Tierpark gehe. "Uns allen würde doch mit 18 Millionen Euro Besseres einfallen: für die Campingplätze, für den Radverkehr in Bayern, für vieles vieles mehr."

"Panda-Populismus"

Zuvor hatte ein halbes Dutzend weiterer Parlamentarier die Pandas im Plenum erwähnt. Horst Arnold von der SPD forderte, stattdessen mehr Geld für Leistungsträger in der Justiz auszugeben. Kerstin Celina (Grüne) beklagte "kurzfristige Kostenersparnis" im Sozialen, für Pandas aber werde Geld bereitgestellt. Ihr Fraktionskollege Benjamin Adjei rechnete Haushaltsposten in ganze und halbe Pandas um: "Für innovative Verwaltungsprojekte geben wir umgerechnet einen halben Panda aus. Für KI bleibt weniger als ein Panda." Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) wertete das als ein "bisschen Panda-Populismus".

Grünen-Tourismus-Experte Zwanziger präzisiert, er kritisiere nicht, "dass man den Tierpark gut findet". Es geht ihm um die Verhältnismäßigkeit: Alle 48 Jugendherbergen in Bayern bekämen 5,5 Millionen Euro. Setze man das in Relation, sei das Geld für Pandas keine optimale Investition in die Tourismus-Zukunft. Außerdem komme noch eine jährliche Miete dazu: "Die Staatsregierung sagt, man zahle eine übliche Artenschutzgebühr, was auch immer das ist. Sechsstellig, habe ich gehört, pro Bär." All das mache für ihn die Pandas "zum Symbol".

Ministerin Kaniber verweist auf Chancen

Landwirtschafts- und Tourismusministerin Michaela Kaniber (CSU) kontert auf BR-Anfrage: "Ich finde es ein bisschen befremdlich. Wir reden über einen Haushalt der bayerischen Agrarwirtschaft von tatsächlich 3,8 Milliarden Euro. Und dann hängt man sich jetzt auf an zwei Panda-Bären." Kaniber verantwortet mit ihrem Etat unter anderem die Förderung von Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft, Investitionen ins Tierwohl, in den Waldumbau und die Dorferneuerung.

In der Debatte über die Pandas warnt sie vor Schwarz-Weiß-Denken und verweist auf Chancen: Ob in Berlin, Edinburgh oder Kopenhagen – in europäischen Zoos hätten Pandas schon im ersten Jahr zu deutlich höheren Besucherzahlen geführt: zu einem Plus von 350.000 bis 400.000. Das sorge für Wertschöpfung: "Die Gäste kommen ja nicht nur in den Tierpark", sagt Kaniber, auch die Gastronomie profitiere. "Sie lassen wirklich Geld da." Darüber hinaus will die Ministerin die Pandas auch als "Akt der Diplomatie" verstanden wissen.

Panda-Diplomatie?

Ähnlich hatte im Januar Söder argumentiert: Bayern fördere mit den Pandas den Artenschutz und stärke die Partnerschaft zwischen China und Bayern. "Kooperation und Partnerschaft sind erfolgreicher als Konfrontation. Wir setzen auf offenen Dialog. Der heutige Tag ist nun der Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie."

Grünen-Politiker Zwanziger dagegen beklagt, es gebe noch sehr viel Unklarheit über die Abmachung mit China. "Ich würde es dann als Akt der Diplomatie anerkennen können, wenn ich mal den Vertrag sehen würde," sagt er. "Weil so weiß ich ja nicht, ob es ein Knebelvertrag ist oder ob es Diplomatie ist."

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