Achim und Anne Bühler stehen Seite an Seite auf dem Feld, das sie gleich ernten.
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Achim und Anne Bühler lieben ihren Beruf.
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Alles für den Hof: Landwirte leiden häufiger an Depressionen

Alles für den Hof: Landwirte leiden häufiger an Depressionen

In Bayern begeht im Schnitt jede Woche ein Landwirt Suizid. Das ist deutlich mehr als in der übrigen Bevölkerung. Die Ursachen für Depressionen bei Bauern sind vielschichtig, Studien dazu gibt es nicht. Warum sind so viele in der Branche betroffen?

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Achim Bühler hat sich frei genommen, um mit seiner Tochter Anne zusammenzuarbeiten. Sie ist Betriebshelferin und arbeitet gerade auf einem anderen Hof. Dass der Landwirtschaftsmeister heute dort bei der Ernte aushilft, hat er ihr zu verdanken.

"Manchmal braucht es bloß einen kleinen Anstupser und es ist gut", sagt Achim Bühler. Vor einigen Jahren erkrankte er an einer Depression, nachdem der Arbeitsdruck zu groß geworden war. Seine Stimmung sei tagesformabhängig, sagt er selbst. "Wenn ich dann mit ein paar guten Argumenten ums Eck komme, dann funktioniert das meistens schon", weiß Tochter Anne. Sie kennt ihren Vater und seine Krankheit sehr gut.

Psychische Belastungen bei Landwirten oft unbemerkt

So wie Achim geht es vielen Landwirten, erzählt Karen Hendrix. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Simbach am Inn und behandelt als einzige in Deutschland fast ausschließlich Landwirte. "96 Prozent meiner Patienten haben Depressionen", erklärt sie. Sie weiß: Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet Landwirte überdurchschnittlich oft betrifft. Die häufigsten Gründe, die Hendrix bei ihrer täglichen Arbeit mit Landwirten begegnen, sind:

  • Arbeitsüberlastung,
  • finanzieller Druck
  • hohe Verantwortung und
  • Generationenkonflikte

"Ganz viele Landwirte werden geboren und in dem Moment, wo der erste Schrei kommt, sagt der Vater: 'Der Bauer ist da!'" Die haben nicht die Wahl, sich für einen Beruf, für ein Leben zu entscheiden", sagt Hendrix. Diese Erwartung führe im Leben der Betroffenen oft dazu, dass sie sich nie bewusst machten, was ihnen persönlich wichtig sei. "Es gibt auch welche, die sagen: 'Ich denke, dass meine Familie es ohne mich besser hat.'" Aber da bin ich dann auch relativ radikal und sage: "Jetzt überlegen Sie sich mal, wo die Besserung sein soll. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihre Kinder denken, die damit fertig werden müssen, dass der Vater nicht mehr lebt?"

Bisher keine Daten für Deutschland

Eindeutige Daten darüber, wie viele Landwirte in Deutschland an psychischen Erkrankungen leiden, gibt es nicht. Die Polizeiliche Kriminalstatistik Bayern unterscheidet als einziges Bundesland Suizide auch nach Berufsgruppen und zeigt: in der Landwirtschaft gibt es ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko. Christian Hetzel von der Deutschen Sporthochschule Köln kam in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass die Suizidrate unter Landwirten mindestens doppelt so hoch ist wie in der Allgemeinbevölkerung.

"Die Kultur in der Landwirtschaft betont oft Werte wie Stoizismus, Stärke und traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit, was zur Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse führen kann", so der promovierte Mediziner in seiner Analyse. Das zeigt auch: die Scham davor, offen über psychische Belastungen zu sprechen, ist in der Branche besonders groß.

Zum Video: Psychische Belastungen bei Landwirten

Achim Bühler musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Hof aufgeben. Tochter Anna arbeitet als Betriebshelferin in der Landwirtschaft.
Bildrechte: BR/Alicia Heid/Eva Münch
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Depressionen bei Bauern

Hilfe kann Entlastung bringen

Auch Achim Bühler glaubte lange Zeit, alles allein tragen zu müssen. Dabei hatte einst alles so gut angefangen: Gemeinsam mit seinem Bruder übernahm er den Familienbetrieb und den Nachbarhof. Die Betriebe wuchsen zusammen, die Brüder investierten gemeinsam. Doch eines Tages stieg der Bruder aus der Landwirtschaft aus. "Dann bin ich auf einmal dagestanden mit 50 Kühen und einem Haufen Fläche." Achim Bühler geriet in ein Hamsterrad, aus dem er so schnell nicht mehr rauskam. Bis es nicht mehr ging und er Wahnvorstellungen bekam.

Mehr Zahlen für gezieltere Hilfe

"Also Landwirte, die kommen ja sowieso erst, wenn sie merken, ich habe so einen Druck, dass ich dahin muss", sagt auch Hendrix. Sie stellt einen Anstieg von Betroffenen fest. "Ich glaube, dass die Belastungen steigen. Bei mir werden es mehr, aber das ist auch, weil das Thema bekannter ist."

Um gezieltere Hilfe anbieten zu können, bräuchte es eindeutige Daten. Der Bayerische Bauernverband hatte zuletzt Fördergelder für die Durchführung einer bayernweiten Studie beantragt und war damit beim Bayerischen Landwirtschaftsministerium gescheitert. Die Begründung: Die Agrarministerkonferenz habe den Bund bereits letztes Jahr um die Durchführung einer bundesweiten Studie gebeten. Getan habe sich bisher nichts.

Psychische Gesundheit weiterhin ein Tabu

Achim Bühler kam in die Psychiatrie und als ihm ein Betriebshelfer einen Teil seiner Arbeit abnahm, wurde ihm klar, dass es ihm hilft, wenn er Verantwortung abgeben kann. Gemeinsam mit seiner Frau beschloss er deshalb, die Milchviehhaltung aufzugeben. Doch die Leidenschaft für den Beruf ist geblieben und inzwischen arbeitet er in seinem alten Betrieb als Angestellter.

Achim Bühler hat es geschafft, mit seiner Krankheit umzugehen und einen Weg gefunden, weiter in seinem geliebten Beruf zu arbeiten.

Psychische Probleme bei Landwirten bleiben oft unentdeckt. Hilfe gibt es kostenlos und anonym bei der Krisenhotline der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, beim Montagstelefon des Bayerischen Bauernverbands oder bei den Bäuerlichen Familienberatungen.

Weitere Infos:

Krisenhotline SVLFG Tel. 056178510101 (externer Link)

Montagstelefon BBV 0800 131 131 0

Übersicht der Hilfsangebote in Bayern

Der Bayerische Rundfunk berichtet – vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte – in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Dieser Artikel ist erstmals am 8. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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