"Es ist immer noch kein Klima da, dass der eine dem anderen einen Punkt gönnt", betont Armin Laschet am BR-Sonntags-Stammtisch. Die Regierungsparteien vermittelten den Eindruck, "dass sie nur streiten". Deshalb seien auch die Umfragen so schlecht. Als ein Beispiel nannte der ehemalige CDU-Bundesvorsitzende den Streit zwischen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Dies führe dazu, "dass beide Parteien verlieren und die AfD gewinnt".
Laschet kritisiert auch indirekt den Kanzler
Anfang Mai hatte Bundeskanzler Friedrich Merz in der ARD-Sendung "Caren Miosga" gesagt, er erwarte von der SPD die gleiche Kompromissbereitschaft, wie die CDU sie zeige. Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, Stammgast in der BR-Sendung, kritisierte Merz dafür. "Man sollte den Koalitionspartner auch nicht ständig mit einem erhobenen Zeigefinger behandeln", so Münch. Auf ihre Frage, wie er das sehe, antwortete Laschet, er habe das in seiner Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen "nie gemacht". Er habe sich sogar gefreut, "wenn der kleine Koalitionspartner erfolgreich war, weil ich wusste, es nutzt am Ende uns allen". Dies sei in Berlin aber noch nicht angekommen.
Arbeitsplätze als Schlüssel zum Erfolg
Zugleich betonte Laschet, dass alle, auch Union-Fraktionschef Jens Spahn, "den Erfolg dieser Regierung" möchten, und stellte klar: "Keiner will eine Minderheitsregierung und erst recht will keiner ein Bündnis mit der AfD." Hoffnung setzt Laschet in die Reformen, welche die Bundesregierung zeitnah angehen möchte. Er forderte, dass die Reformen bei Gesundheit, Pflege und Steuer dazu führen müssten, dass es in Deutschland "am Ende mehr Arbeitsplätze gibt und jeder wieder mehr verdient". Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland sei am wichtigsten, ob ihr Arbeitsplatz noch sicher ist. Wenn die Koalition Reformen bewege, "dann gehen beide großen Volksparteien wieder rauf", so Laschet. Wenn die Koalition aber so weitermache wie bisher, werde die AfD stärker werden.
Aktuelle Umfragen zeigen, dass die schwarz-rote Koalition nach einem Jahr deutlich an Rückhalt verloren hat. Im aktuellen ARD-DeutschlandTrend liegt die AfD bei der Sonntagsfrage mit 27 Prozent vor der Union mit 24 Prozent.
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Der Sonntags-Stammtisch vom 10.05.2026
Laschet: Europas Auftreten gegenüber Russland "muss sich ändern"
Armin Laschet ist aktuell Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Am BR-Sonntags-Stammtisch äußerte er sich auch zur Außenpolitik. Laschet kritisierte das deutsche und europäische Vorgehen im Umgang mit Russland und dem Krieg in der Ukraine. Es sei ein Problem, dass Deutschland nur auf Waffenlieferungen setze, sagte Laschet und forderte: "Wir müssen in Diplomatie zurückkommen und reden." Laschet deutete sein Unverständnis darüber an, dass an den Verhandlungen mit Putin über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs keine europäischen Vertreter teilnahmen. "Die Amerikaner verhandeln über unseren Kontinent. Das muss sich ändern", sagte Laschet und bezeichnete dies als eine "Unfähigkeit Europas, weil alle gesagt haben: Wir reden nicht mehr mit Russland".
Russlands Präsident Putin hatte jüngst den deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder als europäischen Vermittler in Friedensgesprächen vorgeschlagen. Dass Putin sich seine Unterhändler aussuche, sei "nicht der richtige Weg", entgegnete Laschet. Stattdessen nahm er die EU-Kommission in die Pflicht. Europa müsse einen Unterhändler nennen, der für europäische Interessen gegenüber Moskau eintrete. Das Klima im Ukraine-Krieg habe sich verändert. Putin "ist innenpolitisch unter Druck, dass er die Ukraine quasi bitten muss, rund um den 9. Mai und seine Parade in Moskau einen Waffenstillstand einzuhalten", so Laschet. "Wenn Putin schwächelt, muss man die Chance nutzen, diesen Krieg zu beenden."
Schwarz-Rot: Regierungskrise oder Krise der Demokratie? (Possoch klärt)
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