Blick ins vollbesetzte Café Schöneck in Medlingen.
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Dienstags gibt es im Café Schöneck immer Musik.
Bildrechte: BR / Judith Zacher
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Leben ins Dorf bringen: Neues Café in historischem Gebäude

Leben ins Dorf bringen: Neues Café in historischem Gebäude

Zusammensein, reden, Musik machen: Vor einem Jahr hat das Café Schöneck in Medlingen eröffnet. Ein besonderes Café: mit Selbstbedienungsautomaten und langen Öffnungszeiten. Hier trifft sich jung und alt – endlich wieder, sagen viele.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Um die 1000 Einwohner hat die kleine Gemeinde Medlingen im Landkreis Dillingen. Ein ehemaliges Kloster gibt es hier. Außerdem: Zwei Feuerwehren, eine in Unter- und Obermedlingen. Auch eine Wirtschaft, die hat aber nicht täglich geöffnet. Einkaufsmöglichkeiten? Fehlanzeige. Zumindest: Bis vor einem Jahr. Da war der gelernte Maurer Thomas Riss schon seit Monaten dabei, ein 500 Jahre altes Haus zu renovieren. Sein Traum: Ein Café sollte da rein, von morgens bis spät abends geöffnet, als Treffpunkt, samt einem kleinen Laden.

Am Anfang stand die Eistruhe – für die Kinder

Als Zimmerer, Maurer und Bauleiter hat Riss schon gearbeitet. Wie man so ein Haus renoviert, das weiß er ganz genau. Viele Materialien hat er gebraucht gekauft, um möglichst kostengünstig renovieren zu können. Was nicht ganz günstig, aber für sein Konzept nötig war, waren die Automaten. Damit das Café möglichst lange Öffnungszeiten hat, kann man sich dort selbst bedienen.

"Angefangen hat alles mit dieser Gefriertruhe", sagt Thomas Riss. Die ist bis oben hin gefüllt mit Eis. "Für die Kinder, damit die nicht mehr bis in den Nachbarort radeln müssen, um sich ein Eis zu holen." Dann aber hätten Mütter gefragt, ob es nicht auch Kaffee gäbe. Riss rüstete nach, kaufte eine Kaffeemaschine. Inzwischen gibt es mehrere Automaten mit Getränken, außerdem sogar das Nötigste, was man so braucht: Wurst oder Grillfleisch, Eier, Nudeln, und, für den Notfall, Klopapier. In einem der weißen Schränke bietet Riss außerdem glutenfreie Lebensmittel an.

Ratschen, singen, tanzen: Musik spielt große Rolle im Café

Soweit das Angebot, das gut angenommen wird, vor allem, weil neben Speisen und Getränken auch noch einiges mehr auf dem Programm steht. Dienstags spielt immer das Duo "Die Zweizylinder". Der kleine mit rustikalen Holzmöbeln und Eckbank eingerichtete Gastraum ist voll, wenn die zwei Akkordeonspieler bei ihrer "Bandprobe", wie Riss es schmunzelnd nennt, spielen, oder noch manch anderes Instrument hervorholen, wie etwa eine Teufelsgeige. Noten samt Texte liegen aus, viele singen mit.

"Es ist einfach schön, mal rauskommen, mal entspannen", sagt die junge gebürtige Italienerin Enza und ihre Schwester Vanessa nickt. Die beiden jungen Frauen kommen oft hierher, Rentnerin Moni Spreier fast jeden Tag. Sie war lange krank alleine zu Hause: "Die Einsamkeit ist furchtbar", sagt die 74-Jährige. Im Café habe sie Freunde gefunden, blühe wieder auf, wie sie sagt. Thomas Riss steht in der Tür und beobachtet seine Gäste. Er lächelt zufrieden. Das war sein Ziel. Die Menschen wieder zusammenbringen. "Hier kann man einfach herkommen und ratschen", lacht eine Besucherin, und, ganz wichtig, man müsse auch nicht unbedingt was essen.

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Das Café Schöneck: So kommt wieder Leben in die ehemalige Zoll- und Poststation in Medlingen im Landkreis Dillingen.

Von der alten Zollstation und ehemaligem Postamt zum Café

Doch Riss ist noch nicht fertig. Das etwa 500 Jahre alte Haus hat eine lange Geschichte. In einem Zimmer, das Riss noch herrichten will, hat er alles gesammelt, was er in dem Haus gefunden hat. Ein altes Postschild etwa, denn hier, erzählt er, war mal das Postamt untergebracht, außerdem die ehemalige Zollstation: Direkt hinter Medlingen verläuft die Grenze zu Baden-Württemberg.

Riss will den Charme des Hauses erhalten. So plant er, in einem Raum ein Pianozimmer mit Möbeln aus der Biedermeierzeit einzurichten. Schon fertig renoviert ist der Saal im ersten Stock. Hier fand kürzlich ein erstes Konzert statt. Gekommen sind nicht nur die Stammgäste, auch viele andere aus dem Dorf haben vorbeigeschaut. Der neue Bürgermeister von Medlingen, Michael Mayr, war begeistert: Vielerorts würden Gastronomiebetriebe geschlossen. Umso schöner sei es, dass hier jemand eine Wirtschaft eröffne, die wieder Leben ins Dorf bringe.

Am 1. Maiwochenende wird mit einem großen Fest das einjährige Bestehen gefeiert. Draußen, mit Zelt. Und der Biergarten hat bei gutem Wetter auch schon wieder offen, daneben ist ein Sandkasten für die Kinder. Medlingen hat wieder einen Treffpunkt.

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