Eine Person übt die Herzdruckmassage an einer Puppe.
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Ein besonderer Erste Hilfe-Kurs dauert nur 112 Minuten. Reicht das? (Symbolbild)
Bildrechte: BR/Julia Müller
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"Lebensretter 112": So funktioniert der Erste-Hilfe-Crashkurs

"Lebensretter 112": So funktioniert der Erste-Hilfe-Crashkurs

"Ich sollte mal wieder meine Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischen": Viele kennen diesen Gedanken. Doch ein Kurs bedeutet Aufwand und verschlingt einen ganzen Tag. Eine Alternative dauert nur 112 Minuten. Reicht das?

Über dieses Thema berichtet: Bayern3 Update am .

Christian Jung aus Bayreuth ist betrieblicher Ersthelfer und nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Bisher blieb der 43-Jährige von Situationen verschont, in denen er Menschen aus Lebensgefahr retten musste. Doch er möchte dafür gewappnet sein. Zum Auffrischen seiner Kenntnisse an einem acht Stunden langen Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen, dauert ihm zu lang: "Mir ist es lieber, wenn es kompakter ist und nicht über den ganzen Tag verteilt."

Deshalb hat sich Christian Jung beim BRK-Kurs "Lebensretter 112" einen Platz gesichert. In knapp zwei Stunden soll er hier am Abend nach der Arbeit die zentralen Themen wiederholen können. Seine größte Unsicherheit: die "Herz-Lungen-Wiederbelebung".

In zwei Stunden zum potenziellen Lebensretter

Der Kurs "Lebensretter 112" wurde vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) im Jahr 2017 eingeführt, um möglichst vielen Menschen in kurzer Zeit lebensrettende Grundfertigkeiten zu vermitteln. Er ersetze keinen Erste-Hilfe-Kurs, macht Kursleiter Markus Kratzert vom BRK Bayreuth klar. Der langjährige Rettungssanitäter möchte, dass Jung und die anderen neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer von jung bis alt mit einem guten und sicheren Gefühl nach Hause gehen.

"Nichts tun ist die schlechteste Reaktion bei Notfällen", sagt Kratzert. Da alle im Schulungsraum schon mal an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen haben, schlummern Vorkenntnisse irgendwo im Gedächtnis, die es nun zu wecken gilt.

Motto des Erste Hilfe-Kurses: "Jeder kann helfen"

Im 112 Minuten dauernden Kurs stehen die wichtigsten Maßnahmen zur Lebensrettung in akuten Notfällen auf dem Schulungsplan von Markus Kratzert: Erste Hilfe bei Herzinfarkt und Schlaganfall, Atemwege freihalten, um Atmung sicherzustellen, Erkennen und Behandeln von bewusstlosen Personen, wobei auch die stabile Seitenlage geübt wird, Blutungen stoppen mit Kompressionsverbänden, das Bedienen eines automatisierten externen Defibrillators und die Reanimation mit Herzdruckmassage und Beatmung. Klingt nach viel Stoff, wird von Kratzert aber kompakt und lebensnah erklärt, getreu dem Motto: Jeder kann helfen.

Für die Herzdruckmassage legt Kratzert vier Dummies auf den Boden und macht es vor: Druckpunkt zwischen den Brustwarzen suchen, Handballen übereinanderlegen, Arme strecken und drücken: "Fünf bis sechs Zentimeter tief und einhundert bis 120 Mal pro Minute drücken." Dann ist Christian Jung dran.

Rhythmus: "Stayin' Alive"

Dass Christian Jung schon mehrfach an der Puppe geübt hat, wird schnell sichtbar, denn der Dummie zeigt es ihm. Er ist so konstruiert, dass seine Stirn bei korrekter Druckmassage rot aufleuchtet. Bei Christian dauert das nur Sekunden. "Ganz schön anstrengend", sagt er, drückt aber weiter, während er im Kopf "Stayin' Alive" von den Bee Gees hört - den Song mit dem passenden Rhythmus.

112 Minuten später – okay, es waren etwa 130 – teilt Markus Kratzert die Teilnehmerzertifikate aus. Er hat sein Ziel erreicht und lobt die Gruppe: "Ich bin davon überzeugt, dass, wenn jemand eure Hilfe benötigt, ihr das bewerkstelligen werdet." Auch Christian Jung hat die Sicherheit gefunden, die er gesucht hatte: "Jetzt bin ich gut vorbereitet, um Erste Hilfe zu leisten, sollte es mal nötig sein."

Die kompakten Kenntnisse aus dem Kurs "Lebensretter 112", den das BRK in vielen Städten in Bayern anbietet, können im Notfall den Unterschied machen und dafür sorgen, dass Ersthelfer nicht im Schreck erstarren, sondern zupacken.

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