Die Erdgasspeicher in Deutschland sind nur noch zu rund 20 Prozent gefüllt, in Bayern liegt der Füllstand inzwischen sogar bei unter 17 Prozent. Eine Gasmangellage droht nach Einschätzung der Bundesnetzagentur und der meisten Experten in diesem Winter dennoch nicht. Allerdings stellt sich die Frage, mit welcher Strategie Deutschland die Gasversorgung im nächsten Winter sichern will.
Warum sind die Speicher so leer?
Nachdem sich das vorsorgliche Füllen der Erdgasspeicher im Staatsauftrag als sehr teuer herausgestellt hat, wurden die Mindestvorgaben gesenkt: Zum Beginn des Winters am 1. November mussten die Speicher nur noch zu 70 Prozent gefüllt sein – statt vorher 90 Prozent.
Diese Veränderung war Konsens zwischen der alten Ampelregierung und Schwarz-Rot. Durch das Bundeskabinett ging sie Ende April, wenige Tage vor Amtsübernahme der Regierung Merz.
Interaktive Grafik: Füllstände der Gasspeicher in Deutschland
Wie abhängig sind wir von den Gasspeichern im Winter?
Auch in Wintermonaten kommt ungefähr drei Viertel des Gasverbrauchs aus direkten Importen und nur ein Viertel aus den Gasspeichern. Neben den Gasspeichern sind also auch die Importmöglichkeiten und die Höhe des Erdgasverbrauchs entscheidend für eine stabile Versorgung.
Was ist an bayerischen Erdgasspeichern besonders?
Bei den bayerischen Erdgasspeichern handelt es sich um so genannte Porenspeicher, das sind frühere Erdgaslagerstätten. Laut Jochen Linßen, Leiter der Abteilung Integrierte Infrastruktur am Forschungszentrum Jülich, brauchen sie wegen ihrer physikalischen Beschaffenheit etwa zwei- bis dreimal länger zum Befüllen als Kavernenspeicher in Norddeutschland. Das Wiederbefüllen nach dem Winter muss demnach rechtzeitig organisiert werden.
Wie könnte eine strategische Gasreserve funktionieren?
Für die Einführung einer strategischen Gasreserve spricht sich unter anderem Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) aus, und inzwischen auch die Bundesnetzagentur. Als Vorbild nennt unter anderem Aiwanger Deutschlands strategische Ölreserve. Sie umfasst den Ölbedarf für 90 Tage und wird für Notfälle zurückgehalten, steht also dem normalen Markt nicht zur Verfügung.
Das 1:1 auf Erdgas zu übertragen, wäre nicht leicht, denn Gasspeicher lassen sich nicht so einfach bauen wie Erdöltanks. Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich über besonders große Gasspeicher verfügt, würden selbst die gesamte Speicherkapazität nur für zweieinhalb Wintermonate reichen, wenn nicht weiteres Gas von außen kommt.
Für den normalen Gasmarkt bliebe dann gar keine Kapazität mehr übrig. Außerdem müsste das Reserve-Erdgas für mehrere Milliarden Euro gekauft werden. Dieses Geld wäre dann dauerhaft gebunden.
Welche Alternativen gibt es?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wünscht sich marktwirtschaftliche Lösungen. Die Vorsorge für den Winter bleibe Aufgabe der Gaslieferanten und -händler. Das Problem dabei ist jedoch, dass zuletzt die Preissignale dafür fehlten. Denn die Regel, dass Gas an der Börse im Sommer billig ist und im Winter teuer, so dass der Preisunterschied für den Gewinn beim Speichern sorgt, galt zuletzt nicht mehr.
Laut Franziska Holz vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bräuchte es daher andere marktliche Anreize. Man könne etwa Gaslieferanten dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil ihrer im Voraus verkauften Gasmengen vor dem Winter physisch einzulagern. In Deutschland ist das – anders als etwa in Frankreich – bisher nicht der Fall.
Wie kann Deutschland die Abhängigkeit von Erdgas reduzieren?
Wenn die Bundesrepublik Fortschritte in Richtung Klimaneutralität macht, wird das Land gleichzeitig weniger abhängig von importiertem fossilem Erdgas. Konkret heißt das etwa: Gebäude dämmen und Heizungen von Gaskesseln auf Wärmepumpen umstellen.
In Industrieprozessen und Kraftwerken soll Erdgas zunehmend durch Wasserstoff ersetzt werden. Ein Teil der Erdgasspeicher wird daher in den Jahren nach 2030 auf Wasserstoff umgestellt werden. Dafür eignen sich vor allem Kavernenspeicher in Norddeutschland.
Dieser Artikel ist erstmals am 24. Februar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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