Am Dienstag hat der Prozess am Landgericht Nürnberg-Fürth gegen einen Düsseldorfer und einen Dortmunder begonnen, die über ihre Firmen jahrelang Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben sollen. Eine der Firmen hat ihren Sitz in Nürnberg. Für den Prozess sind 22 weitere Tage angesetzt. Bis Ende Juli will das Gericht die Firmen der Männer durchleuchten und etliche Zeugen vernehmen.
Firmen waren Familiengeschäfte
Bei den beiden handelt es sich um einen 61 Jahre alten Russen und seinen 37 Jahre alten Sohn mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit. Die beiden sollen zehn Firmen im Bereich Transporte und Lagerlogistik betrieben haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Männer ihre Geschäfte im Jahr 2014 begonnen und über Jahre hinweg ihre erwirtschafteten Umsätze gegenüber der Finanzbehörde nicht vollständig erklärt haben. Entsprechend hätten sie auch die Umsatzsteuer nicht abgeführt. Wegen Steuerhinterziehung ist der 37-Jährige in 75 Fällen und der 61-Jährige in elf Fällen angeklagt. Die Schadenssumme liegt laut Staatsanwaltschaft bei mehr als 2,5 Millionen Euro.
Erste Einlassung der Angeklagten
Am Dienstagmorgen wurden die beiden Männer in Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Beide sitzen aktuell in Untersuchungshaft. Nach der Verlesung der Anklageschrift erklärten die Männer, dass der verstorbene Bruder des 37-Jährigen die Geschäfte maßgeblich geführt habe. Die beiden Angeklagten hätten vor allem dessen Anweisungen ausgeführt, erklären sie. Nachdem der jüngere Bruder bei einem Unfall ums Leben kam, hätte der ältere Bruder die Geschäfte übernommen.
Dabei sei ihm zwar aufgefallen, dass einiges an den Unternehmen nicht stimme, allerdings habe er die Geschäfte den anderen Geschäftstreibenden überlassen und die Nichtabgabe der Umsatzsteuer billigend in Kauf genommen. "Ich bereue heute sehr, dass wir es nicht für wichtig gehalten haben, Steuern zu zahlen", sagt der 37-Jährige. Er selbst stehe unter enormem Druck: Seit seiner Inhaftierung könne er seine und die Familie seines Bruders nicht richtig versorgen.
Mammut-Prozess vor dem Landgericht
Für die Verhandlung sind aktuell insgesamt 23 Prozesstage angesetzt. Die brauche es, um alle zehn Firmen zu durchleuchten. Außerdem sind Dutzende Zeugen geladen: Allein ihre Auflistung erstreckt sich auf drei Seiten. Allerdings erklärte der Vorsitzende Richter am ersten Prozesstag auch: "Die Ermittlungsbehörden haben uns großzügig mit Papier beworfen. Weniger hätte es auch getan." Das Gericht wolle das Volumen eindampfen, um den Prozess zu beschleunigen. Das Urteil wird für den 24. Juli erwartet.
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