"Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch", heißt es im berühmten Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle". Doch zehn Mechaniker-Azubis des Marktredwitzer Metall- und Maschinenbauunternehmens Scherdel wissen das inzwischen deutlich besser: Sie haben im Zuge ihrer Ausbildung monatelang einen solchen Koloss restauriert.
Schmirgeln, Ölen, Schrauben
"Total verrostet, das komplette Teil. Man ist teilweise drei Stunden über einem Teil gewesen, um es sauber zu schmirgeln", sagt Nico Vogel, der seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker inzwischen abgeschlossen hat. Die Entrostung hat den größten Teil der Zeit in Anspruch genommen: Nach rund 30 Jahren Lagerung, zum Teil in einer einfachen Garage, hatte die Dampfmaschine einiges an Rost angesetzt. Die Herausforderung dabei war, den Rost abzuschleifen, ohne Brünierung und Patina zu zerstören: Denn man soll dem historischen Teil von 1907 sein Alter schon noch ansehen.
Ansonsten war vor allem viel Schmieröl und viel Schraubarbeit nötig. "Wir haben auch geschaut, ob wir uns vielleicht selbst zusammenreimen können, wo verschiedene Teile hingehören, ohne einen Plan anzuschauen", sagt Vogel.
Dampfmaschinen aus dem Fichtelgebirge für ganz Europa
Um diesen Plan wiederum hat sich der Historische Club gekümmert, mit Hermann Meier als Koordinator. "Unser großes Glück war, dass der Abbau der Maschine damals professionell gemacht worden ist", erzählt er: Es habe so gut wie kein Teil gefehlt, sogar fast alle Schrauben waren noch vorhanden.
Anfang des 20. Jahrhunderts war Marktredwitz mit der Firma Rockstroh eine Hochburg der Dampfmaschinen-Herstellung: Vom Fichtelgebirge aus wurden sie nach ganz Europa exportiert.
Dampfmaschine ursprünglich in Porzellanfabrik
So weit musste das restaurierte Exemplar nicht transportiert werden: Es tat jahrzehntelang in einer Porzellanfabrik in der Oberpfalz seinen Dienst, kaum 15 Kilometer entfernt in Tirschenreuth. Als die in den 90ern abgerissen wurde, ist die Dampfmaschine gesichert und eingelagert worden. Einen Plan, was man mit ihr machen wollte, gab es allerdings nicht, so dass sie fast in Vergessenheit geriet. Bis sich Dampfmaschinen-Experten vom Historischen Club Marktredwitz des Stücks örtlicher Industriegeschichte annahmen.
Allerdings fehlten ihnen die Möglichkeiten und der Platz, die etwa zwölf Tonnen schwere Maschine zu restaurieren. Die Stadt Marktredwitz hat daraufhin eine Halle zur Verfügung gestellt und das ortsansässige Metall- und Maschinenbauunternehmen Scherdel mit ins Boot geholt. Dort wurde die Restauration zu einem Azubi-Projekt: Etwa 25 Auszubildende – größtenteils aus Mechaniker-Berufen – meldeten sich, es musste ausgelost werden, wer von ihnen einen von zehn Projektplätzen ergattert.
Eine Dampfmaschine als XXL-Anschauungsobjekt
Für den technischen Ausbildungsleiter bei Scherdel, Sebastian Prechtl, war das Projekt aktiver Lerninhalt der Ausbildung. Aus seiner Sicht handelt es sich keineswegs um veraltete Technik: Die mechanischen Grundkomponenten seien für moderne High-Tech-Maschinen noch immer die Basis. Und für diese Grundkomponenten und -prinzipien lässt sich schwerlich ein besseres Anschauungsobjekt finden als eine sechs Meter lange Dampfmaschine.
Inzwischen sind die Azubis fertig, nur die Endmontage fehlt. Die wird noch einige Monate auf sich warten lassen: Die Dampfmaschine ist bereit, ihr künftiger Ausstellungsort aber noch nicht. Das Stück Industriegeschichte soll den neuen Stadtteil "Benker-Areal" zieren, der in Marktredwitz auf einem ehemaligen Industriegelände entsteht. Dort soll sie in einer durchsichtigen Einhausung dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert werden, die allerdings erst noch gebaut werden muss.
Das Schwungrad wird sich wieder drehen
Das rund sechs Tonnen schwere Schwungrad wird sich dort wieder drehen. Allerdings nicht mehr von Dampf angetrieben, der Brennstoffbedarf und der damit verbundene Aufwand wäre immens – von ökologischen Aspekten ganz zu schweigen. Stattdessen wird ein Elektromotor zum Einsatz kommen: Ein modernes Modell, stilecht verpackt im Gehäuse eines historischen Exemplars.
Im Video: Kunst + Krempel - Dampfmaschine
Kunst + Krempel: Dampfmaschine
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

