Ein Torwart hält den Ball. Im Hintergrund steht eine Werbebande
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Während Manuel Neuer den Ball klärt, flackert Werbung von Predictstreet im Hintergrund.
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Während Manuel Neuer den Ball klärt, flackert Werbung von Predictstreet im Hintergrund.

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"Massiv" und teils illegal – Sportwetten-Werbung zur WM

"Massiv" und teils illegal – Sportwetten-Werbung zur WM

Mit der Fußball-WM in den USA erreicht die Sportwetten-Werbung im deutschen Fernsehen eine neue Dimension. Sie bekommt mehr Sendezeit – und es werben zwei Anbieter, deren Wetten in Deutschland verboten sind.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Werbung in den Spielpausen, an den Banden, während Pressekonferenzen: "Sportwetten-Werbung ist omnipräsent. Sie ist allgegenwärtig und sie ist massiv", sagt der Glücksspielforscher Steffen Otterbach. Er und seine Kollegen von der Universität Hohenheim haben gemessen: Wie viele Minuten Sportwetten-Werbung waren direkt vor, während und kurz nach den WM-Spielen der deutschen Nationalmannschaft zu sehen?

Dabei stellten die Forscher fest, dass nicht nur viel, sondern immer mehr Werbung für Sportwetten läuft. Sie kamen auf durchschnittlich 28 Minuten Sportwetten-Werbung pro Spiel – zehn Minuten mehr im Schnitt als noch bei allen Spielen der EM 2024. Fast eine halbe Stunde Werbung für Glücksspiel, die für unter 18-Jährige verboten ist.

Forderung: Werbeverbot für Sportwetten tagsüber

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft sind TV-Events mit der größten Reichweite. Jedes der vier Spiele bei der aktuellen Weltmeisterschaft kam auf rund 17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer oder mehr. Dementsprechend viele Kinder und Jugendliche waren auch währenddessen vor dem Fernseher. Genau darin liege auch das Problem bei der wachsenden Werbefläche für Sportwetten, so Otterbach. Denn Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass die Gefahr für Spielsucht im Alter höher sei, wenn man schon in jungen Jahren mit Glücksspiel in Berührung kommt.

Damit Kinder und Jugendliche davor geschützt werden, soll Sportwetten-Werbung tagsüber verboten werden – das fordert die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern. Die Stelle wird vom bayerischen Gesundheitsministerium finanziert.

Fifa erlaubt Werbung für Gesellschaftswetten

Neben der Sendezeit gibt es noch einen zweiten Aspekt, der die Sportwetten-Werbung bei der WM klar verändert hat. Mit "Predictstreet" und "Kalshi" machen zwei Anbieter Bandenwerbung am Spielfeldrand, die für sogenannte "Gesellschaftswetten" bekannt sind. Das sind vor allem Wetten auf Nicht-Sportereignisse. Dort kann man beispielsweise Geld darauf setzen, wer die nächste Bürgermeisterwahl in Berlin gewinnt. Diese Wetten sind in Deutschland illegal. Sie sind anfällig für Insider-Handel.

Was das bedeuten kann, hat die Festnahme des ehemaligen Präsidenten Venezuelas, Nicolas Maduro, gezeigt: Kurz vor seiner Festnahme wettete ein US-Soldat mehr als 400.000 Dollar darauf, dass dieses Ereignis so passieren würde. Der Soldat war den US-Justizbehörden zufolge an der Planung und Ausführung des Einsatzes zur Gefangennahme Maduros beteiligt. Weil er für seine Wette vertrauliche Informationen nutzte, ist er nun in den USA angeklagt.

Aufsichtsbehörde prüft rechtliche Schritte

Auf erste Kritik aus Deutschland hatte "Predictstreet" bereits reagiert und sein Angebot für Internet-Userinnen und -User aus Deutschland gesperrt. Doch theoretisch lässt sich die Deutschland-Sperre schnell umgehen, indem man mit einem Programm seinen wahren Standort verschleiert.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) prüft derzeit rechtliche Schritte gegen "Predictstreet" und "Kalshi". Wie weit dieses Verfahren bereits ist, dazu wollte sich die Aufsichtsbehörde nicht äußern. Zu "Predictstreet" heißt es allerdings bei der GGL auf Anfrage: "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Angebot von ADI Predictstreet für Spielende aus Deutschland gesperrt. (…) Vor diesem Hintergrund bestehen nach derzeitigem Kenntnisstand keine aufsichtsrechtlichen Ansatzpunkte wegen einer Werbung für unerlaubtes Online-Glücksspiel." Fürs Erste scheint die Behörde die Deutschland-Sperre von "Predictstreet" zu akzeptieren.

ARD zeigt illegale Bandenwerbung

Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich mit seiner Rolle bei der Übertragung mit diesen illegalen Glücksspiel-Anbietern auseinandersetzen. Schließlich verbreitet er mit seinem Signal die Bandenwerbung von "Predictstreet" und "Kalshi". Hierzu erklärt die Rechtsabteilung des Bayerischen Rundfunks: "Wenn bei einer Live-Übertragung etwa Bandenwerbung, Trikotwerbung oder Sponsorenlogos eines ausländischen Wettanbieters im Stadion zu sehen sind, ist entscheidend, ob der Sender die Werbung lediglich als unvermeidbaren Bestandteil des Bildgeschehens überträgt oder ob er die Werbewirkung gezielt fördert." Im Fall der ARD sei die Sportwetten-Werbung der Fifa ein unvermeidbarer Bestandteil, bei der der Sender kein Mitspracherecht habe.

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