Ob "Checker Tobi", "Extrawurst" oder "Pumuckl" – viele Premieren finden im Münchner Mathäser Kino statt, bevor sie dann fürs Publikum zu sehen sind. Das Film-Haus ist das mit den meisten Besuchern in ganz Deutschland. Doch die sind nun genauso überrascht wie die Filmschaffenden von der Nachricht, dass dem Mathäser-Filmpalast womöglich das Aus droht. Seit 1957 werden hier Filme gezeigt. Erst 2003 war der aktuelle Multiplex-Kino-Neubau in Betrieb genommen worden.
Entsetzen über mögliches Mathäser-Aus bei Regisseuren
Simon Verhoeven, Regisseur des gerade angelaufenen Films "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" sagte bei der Premiere hier, er sei total entsetzt und geschockt: "Weil das Mathäser kenne ich seit meiner Kindheit und das hat so eine große Bedeutung und Strahlkraft für die Kinokultur in München. Das wäre eine Katastrophe, man kann es nicht anders sagen."
Und Regisseurin und Schauspielerin Karoline Herfurth muss die Nachricht erst mal sacken lassen, denn "für mich ist das Mathäser natürlich mit unglaublich viel Geschichte verbunden. Ich habe so viel meiner ersten Premieren hier erlebt."
Auch Caroline Link, Münchner Regisseurin und Oscarpreisträgerin, ist erstaunt: "Das wäre wirklich eine Katastrophe, ich bedaure das sehr. Ich finde, es muss so ein Multiplex-Kino in der Innenstadt geben, das ist ganz wichtig."
Eigentümer des Mathäser hat Bauvoranfrage bei der Stadt gestellt
Die Aufregung ist groß, seitdem bekannt ist, dass der Hauseigentümer für sein Grundstück – zentral gelegen in der Münchner Innenstadt zwischen Stachus und Hauptbahnhof – neue Pläne hat. Und dafür im Dezember eine Bauvoranfrage bei der Stadt München eingereicht hat.
Mit Einzelheiten hält sich die "Zurich Immobilien Deutschland AG & Co. KG" allerdings noch zurück. Die Pläne aber werden bestätigt: "Mit Einreichung der Bauvoranfrage bei der Stadt München werden zunächst die rechtlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen geprüft. Damit ist die Bauvoranfrage ein erster, sehr früher Schritt, um Nutzungsmöglichkeiten des Grundstücks mit der Stadt zu eruieren."
Neues Quartier statt großes Kino
Neben den 14 Kinosälen gibt es im Mathäser noch einige Shops und Dienstleister. Jetzt schwebt dem Eigentümer ein "Mixed-Used-Stadtquartier" vor, das heißt: mehr Wohnungen, mehr Gewerbe, weniger Kino, wenn überhaupt noch eines vorgesehen ist.
Das sorgt für Unruhe, auch beim bayerischen Filmfördergremium, dem FilmFernsehFonds Bayern. Den leitet Dorothee Erpenstein: "Wir haben etliche gute Kinos in München, aber das Mathäser mit seinen vielen Sälen und der guten technischen Ausstattung kann große Filme einem großen Publikum nahe bringen. Und das zweite ist: Fachveranstaltungen der Branche finden hier statt, das hat auch eine Bedeutung für den Filmstandort Bayern."
Mietvertrag des Mathäser-Filmpalast geht noch bis 2033
Mieter des Mathäser-Kinos ist Gregory Theile, von der Kinopolis Management Multiplex GmbH, dessen Familie bereits in vierter Generation 19 Kinos in ganz Deutschland betreibt. Für dieses Haus hat er noch einen Mietvertrag für knapp acht Jahre. Das heißt, bis 2033 bleibt hier zunächst alles beim Alten. Auch er ist besorgt, schaut aber nach vorne: "Ich habe die Hoffnung, dass vielleicht noch ein Umdenken eintritt, sei es beim Vermieter oder Investor. Ich glaube auch, dass die Stadt ein Interesse hat, dass der Mathäser als Anziehungspunkt in der Innenstadt weiter Bestand hat."
Der Oberbürgermeister der Stadt München hatte für ein Interview aus Termingründen keine Zeit. Es bleibt also abzuwarten, wie die Stadt München über diese Bauvoranfrage entscheidet.
Ist ein Abriss des Mathäser-Gebäudes nachhaltig?
Auch wenn das Gebäude frühestens 2033 einem Neubau weichen müsste, stellt sich die Frage, wie sinnvoll ein Abriss und ein Neubau überhaupt sind. Denn das jetzige Gebäude ist heute gerade mal 23 Jahre alt. Darüber wundert sich Caroline Link: "Ich finde es in puncto Nachhaltigkeit eine wirkliche Schande, so ein komplett funktionierendes, relativ neues Haus wieder abzureißen. Ich hoffe nicht, dass das passiert."
So oder so – die Zukunft eines der wichtigsten Kinos in Deutschland ist jedenfalls ungewiss.
BR24 auf Instagram: Wird das Mathäser-Kino abgerissen?
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