Eine Spielermutter mit dem "Zeig Respekt"-Armband.
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Mehr Respekt beim Fußball: Kids "erziehen" Eltern

Mehr Respekt beim Fußball: Kids "erziehen" Eltern

Eltern, die Schiedsrichter beschimpfen oder ihre Kinder vom Spielfeldrand aus unter Druck setzen: Das ist zunehmend ein Problem im Jugendfußball. Beim SV Waldeck Obermenzing zeigen Kinder den Großen, wie respektvolles Verhalten funktionieren kann.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Es ist brütend heiß an diesem Samstagnachmittag in München. Die U11 des Sportvereins Waldeck Obermenzing spielt gegen die Jungs von Eintracht Karlsfeld.

Wie bei fast jedem Jugendspiel stehen Dutzende Eltern am Spielfeldrand. Vor allem einige Väter feuern ihre Kinder lautstark an: "Go, go, go!" ruft einer in Richtung Spielfeld, und ein anderer: "Weiter geht's, weiter geht's! Hol ihn dir!"

Kinder verteilen Respekt-Armbänder an die Eltern

Nur wenige Minuten zuvor, direkt vor dem Anpfiff, waren die jungen Spieler allerdings noch mit einer ganz anderen Aufgabe beschäftigt: Die Kinder laufen zum Spielfeldrand und überreichen den Eltern weiße Armbänder aus Gummi. Darauf steht in fetter schwarzer Schrift: "Zeig Respekt", "Zeig Charakter" oder "Übernimm Verantwortung".

Die Idee dahinter: Die Kinder erinnern mit der Übergabe der Armbänder die Erwachsenen daran, dass Fußball ein Spiel bleiben soll. Und: Dass sie sich am Spielfeldrand fair und respektvoll verhalten sollen.

Torwart Felix: Nicht so schön, wenn Eltern immer reinrufen

Torwart Felix von der Gastmannschaft aus Karlsfeld sieht das heute zum ersten Mal: "Wenn die Eltern immer reinrufen oder andere beleidigen, dann finde ich es nicht so schön", sagt er. Deshalb finde er es "cool", dass es diese Aktion gibt.

Während die meisten Väter die Armbänder offenbar in die Tasche gesteckt haben und hochkonzentriert das Spiel verfolgen, tragen fast alle Mütter sie am Handgelenk. Eine von ihnen ist Seda: "Man verunsichert die Kinder auch, wenn man am Rand steht und viel schreit und sich einmischt. Und Kinder können sich so auch besser auf das Spiel konzentrieren und sollen eher auf die Trainer hören und nicht auf die Eltern, die am Spielfeldrand stehen", sagt die Spielermutter.

Kinder werden zu Botschaftern

Die Idee zu dieser Aktion hatten die Münchner Design-Studentin Nicole Rieß und ihr Kommilitone Philip Schemat von der Hochschule München. "Uns ist aufgefallen, dass die Emotionen am Spielfeldrand extrem hochkochen, dass die Eltern sich nicht angemessen verhalten, ihre Vorbildfunktion auch vergessen. Das wollten wir ändern", erklärt Rieß.

Den beiden ging es darum, nicht nur irgendwo Plakate aufzuhängen, sondern die Kinder selbst zu aktiven Botschaftern zu machen. Jetzt sind es die Kinder, die die Erwachsenen daran erinnern, respektvoll miteinander umzugehen, um so ein faires Spiel zu ermöglichen.

Fußballverband: Unsportliches Verhalten zunehmend ein Problem

Am Spielfeldrand geht es an diesem Samstagnachmittag engagiert zu: "Zumachen!", ruft ein Vater, und "weiter, nicht schießen lassen!". Und ein anderer feuert seinen Sohn im Spielfeld an: "Anschieben, auf geht's!"

"Wir stellen fest, dass sich übereifrige Eltern vermehrt vom Seitenrand aus einmischen und so aus falschem Ehrgeiz die Sprösslinge verbal unter Druck setzen", sagt der Bayerische Fußball-Verband (BFV) dazu.

Erst kürzlich war im niederbayerischen Pfarrkirchen ein C-Jugend-Fußballspiel nach einem Foul abgebrochen worden, weil streitende Eltern handgreiflich wurden.

Der BFV betont aber auch: "Die überwiegende Zahl ist absolut vernünftig, muss aber denen, die glauben, sich daneben benehmen zu können, klar zeigen, dass es so nicht geht. Wir unterstützen das mit einer Reihe an Maßnahmen und Aufklärungskampagnen".

Auch Franz Brönner, Vorstandsmitglied beim SV Waldeck Obermenzing, erlebt das immer wieder und war deshalb auch sofort von dem Projekt mit den Respekt-Armbändern begeistert: "Es ist auf jeden Fall ein akutes Problem und deshalb versuchen wir, dagegen vorzugehen".

Kinder hoffen, dass die Armbänder etwas bewegen

Und bringt das Respekt-Armband etwas? Wissenschaftlich belegen lässt sich das bislang nicht. Das Projekt steckt noch in der Anfangsphase und bisher wird es vor allem mit dem SV Waldeck Obermenzing erprobt. Der Leitfaden für die Bestellung der Armbänder und die konkreten Infos über den Ablauf sind noch in Arbeit, sagen die beiden Studenten Nicole Rieß und Philip Schemat.

Und der elfjährige Torwart Felix hofft, dass die Erwachsenen durch die Botschaft der Kinder etwas zurückhaltender werden. Für ihn steht fest: Die Respekt-Armbänder sollten nicht nur in Obermenzing verteilt werden, sondern möglichst auf vielen Fußballplätzen in Bayern.

Eltern bei einem Fußballspiel des SV Waldeck Obermenzing.
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Eltern bei einem Fußballspiel des SV Waldeck Obermenzing.

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