Dächer im Morgengrauen, aus deren Schornsteinen Rauch aufsteigt
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(Symbolbild) In den Wintermonaten ist die Luftqualität um einiges schlechter.
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(Symbolbild) In den Wintermonaten ist die Luftqualität um einiges schlechter.

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Deshalb war die Luft in Bayern am Wochenende so schlecht

Deshalb war die Luft in Bayern am Wochenende so schlecht

In den Wintermonaten ist die Luftqualität um einiges schlechter. Wenn dann auch noch eine bestimmte Wetterlage hinzukommt, rutschen die Werte dauerhaft in den roten Bereich. Auf regelmäßiges Stoßlüften sollte man aber dennoch nicht verzichten.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Seit einigen Tagen ist die Luftqualität in Bayern besonders schlecht. Das liegt mal wieder an einer sogenannten Inversionswetterlage. Über ganz Deutschland kommt es dabei zur Anreicherung von Luftschadstoffen wie Feinstaub PM10, Feinstaub PM2.5 und Stickoxiden.

Inversionswetterlage begünstigt Feinstaubkonzentration

Prinzipiell sei während winterlicher Hochdrucklagen der Luftaustausch in Bodennähe sehr gering, wodurch sich in den langen Winternächten die Kaltluft in Mulden- und Tallagen absetze und sich darin Feinstaub und Schadstoffe im Laufe der Tage anreicherten, sagt der ARD-Meteorologe Tim Staeger. Bei den Schadstoffen handelt es sich um durch den Menschen freigesetzte Luftschadstoffe aus Industrie, Verkehr, Feuerungsanlagen, Kaminöfen und Gewerbe. Diese verdünnen sich nur mäßig und belasten die Luftqualität nachhaltig.

Da der Wind teilweise aus Osten kam, gelangte auch noch zusätzlicher Feinstaub aus Tschechien und Polen westwärts nach Bayern. "Das war in den vergangenen Tagen der Fall, da ein stabiles Hoch über Osteuropa seit Mitte Januar hierzulande eine schwache, aber beständige östliche Strömung sowie austauscharmes Wetter zur Folge hatte", so Staeger.

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Hohe Feinstaubkonzentration (PM2,5) am vergangenen Sonntag.

Luftmessgerät zulegen? Bundesamt rät ab

Im Internet findet man zahlreiche Angebote für Luftmessgeräte – sollte man sich so eins zulegen, um die Luftqualität bei sich zuhause messen zu können? Das Umweltbundesamt rät davon ab. Die Luftschadstoffmessungen, die für die Beurteilung der Luftqualität deutschland- und EU-weit eingesetzt würden, erfolgten demnach mit eignungsgeprüften und qualitätsgesicherten Luftmessgeräten hoher Präzision. "Diese Eigenschaften erfüllen sogenannte Low-Budget-Sensoren leider nicht. Oft sind diese Sensoren deutlich abhängig von der Luftfeuchte, sind nicht ausreichend kalibriert und geprüft und sind in den Baureihen nicht vergleichbar", schreibt das UBA.

Auch während der Inversionswetterlagen empfiehlt das Umweltbundesamt das regelmäßige Stoßlüften der Wohnräume. Oft sei die angereicherte und verbrauchte Luft in der Wohnung von einer schlechteren Qualität als die Außenluft.

Welche Folgen hat Feinstaub für die Gesundheit?

Die Medizinerin Claudia Traidl-Hoffmann hält die Feinstaubbelastung für "sehr gefährlich". Gegenüber BR24 sagte die Direktorin des Instituts für Umweltmedizin beim Helmholtz-Zentrum München im vergangenen Jahr während einer ähnlichen Lage der Luftqualität, dass schon niedrigere Feinstaub-Konzentrationen von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter erwiesenermaßen Auswirkungen auf die Gesundheit hätten. Ab dem Grenzwert von 50 Mikrogramm steige das Risiko sprunghaft an, infolge der Feinstaubbelastung zu erkranken.

Die schlechten Luftqualitätswerte können also zu nachhaltigen Schäden im Körper führen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Allergien begünstigen. Auch Atemwegserkrankungen könnten dadurch vermehrt auftreten, betonte Traidl-Hoffmann vom Helmholtz-Zentrum München. Schon während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass dort, wo Umweltbelastungen hoch gewesen seien, die Menschen auch schwerer erkrankt seien.

Das Umweltbundesamt rät vulnerablen Gruppen (externer Link), also Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kindern, Schwangeren oder älteren Menschen, bei schlechter Luftqualität körperliche Aktivitäten im Freien zu meiden. Infos zur regionalen Luftqualität und Verhaltenstipps gibt es in der kostenlosen App "Luftqualität" des Umweltbundesamtes.

ARD-Meteorologe: Luft wird langsam wieder besser

Die gute Nachricht: Das war's bald erstmal mit der Inversionswetterlage. Das Schneetief Leonie hat mit seinen Niederschlägen und dem auffrischenden westlichen bis südwestlichen Wind "die Schadstoffe aus den unteren Atmosphärenschichten ausgewaschen bzw. in höhere Schichten verfrachtet und dadurch verteilt bzw. verdünnt", erklärt ARD-Meteorologe Staeger.

Dieser Prozess vollziehe sich aktuell noch, sodass sich auch die Luftqualität im Westen Deutschlands in den kommenden Stunden bis Tagen noch verbessern sollte. In Bayern sind die Werte am Montagmittag lediglich an der Station München/Landshuter Allee schlecht, sonst mäßig oder gut, stellenweise auch sehr gut.

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