SS-Leibstandarte Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag der NSDAP 1933, Fotos im Dokumentationszentrum in Nürnberg, aufgenommen 2013 (Symbolbild)
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SS-Leibstandarte Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag der NSDAP 1933, Fotos im Dokumentationszentrum in Nürnberg, aufgenommen 2013 (Symbolbild)

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Millionen nutzen NSDAP-Suche – aber was ist mit SS und SA?

Millionen nutzen NSDAP-Suche – aber was ist mit SS und SA?

Seit einigen Monaten kann man online suchen, wer in der NSDAP war – Millionen Menschen in Deutschland haben das bereits getan. Und wer machte mit in Hitlers Kampforganisationen SA und SS? Hier ist die Recherche aufwändiger, aber auch möglich.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Was haben Familienangehörige während der NS-Zeit in Deutschland gemacht? Diese Frage beschäftigt wieder viele Menschen – seit die US-Nationalarchive weite Teile der NSDAP-Mitgliederkartei online verfügbar gemacht haben. Über die mögliche Rolle des Vaters, Großvaters oder Urgroßvaters in den Kampforganisationen SS oder SA verrät die Online-Suche bislang nichts. Das gilt auch für Details zur Zeit in der Wehrmacht, in der die allermeisten Männer damals dienen mussten.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, an diese Informationen zu kommen. Wie das geht und was bei der Ahnenforschung über die Jahre von 1933 und 1945 zu beachten ist – alles Wichtige im Überblick.

Waren Familienangehörige in der SA oder in der SS?

Herausfinden lässt sich das über einen Antrag beim Bundesarchiv, der auch formlos möglich ist (externe Links). Die Fachleute dort nutzen den gesamten Archivbestand, der bisher nur teils digitalisiert ist. Man braucht Geduld, mindestens einige Monate. In Kooperation mit dem Bundesarchiv bietet die "Zeit" inzwischen eine Online-Suchfunktion an (externer Link, Bezahl-Inhalt). Dort fehlen allerdings die Unterlagen des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS. Auch andere Archive und Bibliotheken können hilfreich sein.

Kommt durch die Suche (möglicherweise zum ersten Mal) heraus, dass jemand Mitglied von SA oder SS war, stellen sich viele neue Fragen. Das betont auch die Historikerin Isabel Heinemann. Sie ist Professorin für Neueste Geschichte an der LMU München und Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin.

"In die SS einzutreten, das war eine noch klarere Entscheidung für das Regime als die Mitgliedschaft in der NSDAP", sagt Heinemann auf BR24-Anfrage. "Zumal die SS nur vermeintlich 'rassisch hochwertige' und ideologisch zuverlässige Männer aufnahm." Zwar habe es vor allem gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auch einige erzwungene Eintritte in die Waffen-SS gegeben, insbesondere in den besetzten Gebieten. "Aber in aller Regel gilt: Man war nicht durch Zufall bei der SS und auch nicht bei der SA."

Was ist der Unterschied zwischen SA und SS?

Die Sturmabteilung (SA) existierte schon während der Weimarer Republik und hatte 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, über vier Millionen Mitglieder. "Die SA war schon seit 1920 die Kampf- und Schlägertruppe der NSDAP", erläutert Historikerin Heinemann. "Aus Hitlers Sicht wurde sie dann aber zu mächtig und politisch unkalkulierbar, weshalb er Ende Juni/Anfang Juli 1934 die SA-Spitze um Ernst Röhm umbringen ließ. Rund 100 SA-Mitglieder wurden getötet, darunter etwa 50 Führungspersonen."

Der Abstieg der SA ging einher mit dem Aufstieg der Schutzstaffel (SS), die Heinrich Himmler organisierte. Diese war anfangs in erster Linie Hitlers persönliche Leibgarde und wurde über die Jahre zur zentralen Terrororganisation des NS-Regimes. "SS-Mitglieder setzen die Vernichtungspolitik des Regimes um, insbesondere den Judenmord. Sie stellten die Wachmannschaften in den Konzentrationslagern und Mitglieder der Waffen-SS verübten vielerorts schwerste Kriegsverbrechen", sagt Heinemann. "Im Krieg hatte die allgemeine SS bis zu 270.000 Mitglieder, in der Waffen-SS dienten Mitte 1944 etwa 600.000 Mann."

Nicht in der NSDAP, aber in der SS – gab es das?

Auch als Nicht-Parteimitglied konnte man in der SS sein. "Sogar einige Extremtäter waren keine NSDAP-Mitglieder, weil sich die SS selbst als Weltanschauungs- und Rasse-Orden verstand", sagt Heinemann. "Die Partei, das waren aus ihrer Sicht die Zivilisten."

Für die private Familienforschung bedeutet das: Auch wer in der NSDAP-Mitgliederkartei online nicht fündig wird, kann sich nicht ganz sicher sein. Zum einen, weil 20 Prozent der Karteien zerstört wurden oder verloren gegangen sind. Zum anderen, weil eben auch Nicht-Parteimitglieder an anderer zentraler Stelle für das NS-Regime tätig sein konnten.

Was ist mit der Wehrmacht?

Über den Antrag beim Bundesarchiv kann man auch erfragen, ob Familienangehörige in der Wehrmacht waren. In der Regel ist das bekannt – anders als mitunter Mitgliedschaften in der SS oder SA. Für zusätzliche Informationen wie Details zur Stationierung ist eine Anfrage trotzdem sinnvoll.

Historikerin Heinemann betont: Man könne nicht mehr sagen, dass eine Mitgliedschaft "nur" in der Wehrmacht weniger schwer wiege. "Dieses Entlastungskonstrukt – Opa war nur in der Wehrmacht und hat vom Vernichtungskrieg nichts mitbekommen – ist längst als unzutreffend entlarvt." Soldaten der Wehrmacht seien beteiligt gewesen an Erschießungen von Jüdinnen und Juden sowie von vermeintlichen Partisanen, an Terrorakten gegen Zivilisten oder am gezielten Verhungern-Lassen von sowjetischen Kriegsgefangenen. "Auch hier muss man deshalb immer genauer hinschauen."

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