Jürgen R. aus München pflanzt gerade Sonnenblumen in seinem Garten. Auf die stichprobenartige BR-Umfrage, ob er noch D-Mark daheim hat, antwortet er sofort: "Ja, logisch!" und erzählt, dass er noch 200 D-Mark in einem Bilderrahmen aufbewahrt. Das "Kunstwerk" hängt im Flur, direkt hinter der Haustüre, und wird stolz vorgeführt.
"Schön, das Geld nochmal zu sehen"
Dieter Müller, ein Rentner aus München, erzählt, dass er noch etwa 50 oder 60 D-Mark daheim hat: "Das entstand, weil ich früher einen Getränkeautomaten betreut habe, und ich hab's dann leider vergessen mit dem Umwechseln." Das Geld liegt bei ihm aber nicht einfach so rum: "Ich hab's bei mir daheim im Schubfach und ich schau's manchmal an, weil's einfach schön ist, das Geld nochmal zu sehen." Und als er vor ein paar Jahren einmal aus Versehen ein Markstückerl beim Einkaufen rausbekommen hat, hat er sich ebenfalls sehr gefreut, erzählt er.
Bundesbank: 12,1 Milliarden D-Mark noch ausstehend
Die beiden Münchner sind keine Einzelfälle. Laut Sven Bertelmann, Bargeld-Experte der Deutschen Bundesbank, sind fast 25 Jahre nach der Währungsreform noch immer 12,1 Milliarden D-Mark ausstehend. Das heißt: Sie wurden von der Bundesbank ausgegeben, fanden bislang aber nicht den Weg dorthin zurück.
"In den Jahren 2024 und 2025 wurden jeweils rund 53 Millionen D-Mark zum Umtausch bei der Bundesbank eingereicht, und wir haben etwa 27 Millionen Euro als Gegenwert erstattet", erklärt Bertelmann.
Wo sind die Milliarden D-Mark?
Doch was ist mit den restlichen rund 12 Milliarden D-Mark? Dass so viele D-Mark-Banknoten (5,6 Milliarden zum Stichtag 31. März 2026) sowie Münzen und Pfennige (6,52 Milliarden zum Stichtag 31. März 2026) noch nicht umgetauscht wurden, habe mehrere Gründe, so der Bargeld-Experte der Bundesbank: "Einer der Gründe ist sicherlich auch Nostalgie, dass Menschen gesagt haben: 'Ich bewahre mir ein paar D-Mark-Banknoten und -Münzen, auf!' Es kommen aber regelmäßig auch Kunden zu uns, die Scheine und Münzen in alten Jacken, Reisetaschen oder bei Wohnungsauflösungen gefunden haben".
Laut Sven Bertelmann wird allerdings ein nicht unerheblicher Teil der ausstehenden Milliarden wohl für immer verschollen bleiben. Weil das Geld zum Beispiel verloren gegangen, ins Ausland gebracht oder zerstört worden ist.
Jürgen R. aus München hat in seinem Hausgang einen Bilderrahmen mit alten Münzen und D-Mark-Scheinen.
Viele verbinden die D-Mark mit Wirtschaftswunder, Stabilität oder Kindheitserinnerungen
Seit März 2002 ist die "gute alte Mark" - wie sie früher gerne hieß - kein offizielles Zahlungsmittel mehr. Aber offenbar ist sie für viele Menschen immer noch stark emotional besetzt. Denn sie steht für Wirtschaftswunder, Stabilität und bezahlbare Lebenshaltungskosten.
Viele Menschen verbinden mit ihr auch schöne Kindheitserinnerungen – wie beispielsweise das "Zehnerleis" – die gefärbte Wassereis-Stange – oder die große "Schleckertüte", die beim Bäcker vielerorts eine D-Mark kostete.
"Her mit der D-Mark": Nostalgie-Aktion auf dem Münchner Frühlingsfest
So ist es kein Wunder, dass es immer wieder befristete Nostalgie-Aktionen gibt, bei denen in Geschäften, auf Volksfesten oder in Museen mit D-Mark bezahlt werden kann. Heute (4. Mai) zum Beispiel beim Frühlingsfest auf der Münchner Theresienwiese. Umrechnungskurs: zwei D-Mark für einen Euro.
Vergangenen Montag gab es die Aktion schon einmal und Andreas Krems, Chef des Münchner Weißbiergartens, hat sich sehr über einen alten 100-D-Mark-Schein gefreut, der bis zum Jahr 1990 ausgegeben wurde: "Den habe ich schon lange nicht mehr in der Hand gehabt - seit meiner Jugend!"
Doch zu der Nostalgie mischt sich auch Verunsicherung, erzählt eine Süßwaren-Verkäuferin ein paar Standl weiter. Auch sie hat kurz zuvor einen Gast gehabt, der seine Mandeln mit D-Mark bezahlt hat: "Man muss halt schauen, ob der auch wirklich echt ist. Das ist ja alles schon so lange her, da kann man sich nicht mehr gut erinnern. Da muss man nach dem Sicherheitsstreifen schauen und hoffen, dass das passt", erklärt sie. Trotzdem gefalle ihr die Aktion unter dem Motto "Her mit der D-Mark". Es gab sie vor ein paar Jahren schon einmal und wird heuer zum 60. Jubiläum des Volksfestes an zwei Tagen wiederholt.
D-Mark kann unbefristet umgetauscht werden
Viele Mark werden wohl nicht zusammenkommen beim Münchner Frühlingsfest: Kleinere Standl rechnen mit rund 50 D-Mark, größere Ausschankbetriebe mit mehren hundert bis 1.000 D-Mark.
Wer selbst noch D-Mark-Scheine, -Münzen oder -Pfennige daheim hat, kann sie unbefristet in allen 31 Filialen der Bundesbank oder per Post zum Umtausch einreichen. In Bayern gibt es Filialen in Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Der Umtausch ist kostenlos.
Aktionsschild "Her mit der D-Mark" auf dem Frühlingsfest in München.
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