Es ist ein heftiger Vorwurf: die Deutsche Telekom soll ihre Marktmacht missbrauchen, um bei Internetdienste-Anbietern zusätzlich abzukassieren. Schon vor einem Jahr, im April 2025, hat sich der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gemeinsam mit anderen Organisationen bei der Bundesnetzagentur wegen angeblicher Verstöße gegen die sogenannte Netzneutralität beschwert. Der Fachbegriff meint, dass Netzbetreiber allen Teilnehmern im Internet grundsätzlich die gleiche Bandbreite zur Verfügung stellen müssen.
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Wer zahlt, wird nicht gebremst
Tut sie aber nicht, behauptet der VZBV: "Wir vermuten, dass die Telekom künstliche Engpässe am Eingang zu ihrem Netz schafft. Daten von finanzstarken Diensten, die die Telekom extra bezahlen, werden schnell durch die Netze geleitet. Andere Dienste jedoch werden gedrosselt und laden häufig langsam oder gar nicht." Die Folgen würden sowohl Privat-, als auch Geschäftskunden zu spüren bekommen.
Abends und am Wochenende wird es langsam
Die Verbraucherschützer reagierten mit ihrem Vorwurf auf Beschwerden, die bei ihnen gelandet waren. Telekom-Kunden berichten demnach immer wieder, dass insbesondere abends oder am Wochenende bestimmte Dienste sehr langsam geladen werden. Es geht dabei vor allem um Spiele oder Streamingdienste. Da gleichzeitig andere Webangebote völlig problemlos genutzt werden könnten, spreche das dagegen, dass einfach das gesamte Netz überlastet sei und dafür, dass gezielt bestimmte Dienste gedrosselt würden, sagt die Referentin für Telekommunikation im VZBV, Nicola Schiefke.
Ihr zufolge spricht noch etwas dafür, dass manche Dienste bewusst ausgebremst werden. Über sogenannte VPN-Zugänge lassen sich diese Dienste nämlich laut Schiefke problemlos erreichen. Solche virtuellen Tunnel ins Internet verschleiern die IP-Adressen, es ist also nicht mehr klar erkennbar, wer im Netz wohin will. Die Telekom könne dann auch nicht gezielt "aussortieren", so in etwa die Argumentation.
Telekom widerspricht vehement
Bei der Deutschen Telekom will man die Vorwürfe der Verbraucherschützer so nicht stehen lassen. Auf Anfrage bestreitet Unternehmens-Sprecher Christian Fischer vor allem, gegen die Netzneutralität zu verstoßen. "Die Telekom blockiert keine Inhalte oder bremst Dienste aus. (…) Zugänge zu unserem Netz stehen in ausreichender Kapazität bereit. Inhalteanbieter entscheiden selbst, über welchen Weg sie ihre Daten in unser Netz übertragen", heißt es in einem Statement.
Der Streit ist kompliziert
Die Telekom stellt sich auf den Standpunkt, dass es hier nicht um Kundenrechte geht, sondern vereinfacht gesagt darum, was Unternehmen untereinander aushandeln. Wenn sie als Netzbetreiber beispielsweise für einen Filmstreaming-Dienst zusätzliche Datenkapazitäten aufbaut, weil der dies wünscht, dann kostet das Geld. Und für diesen zusätzlichen Service darf der Netzbetreiber dann auch mehr verlangen – so die Argumentation. Man spricht hierbei von sogenannten Peering (externer Link) – und dafür darf Geld kassiert werden.
Bundesnetzagentur "grübelt" noch
Die zentrale Frage dürfte nun vereinfacht gesagt darin bestehen, ob die Telekom wirklich zusätzlich etwas "aufgebaut" hat, oder ob sie nur dort gebremst hat, wo ein Internet-Anbieter nichts bezahlen wollte. Dass sich das nicht so ohne weiteres in kurzer Zeit klären lässt, zeigt sich daran, dass die Bundesnetzagentur auch nach gut einem Jahr noch nicht zu einem Ergebnis gekommen ist. Wie lange es noch dauert, bis die Entscheidung getroffen wird, dazu schweigt die Behörde.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
