Es ist eine spontane Zusammenkunft am Bahnübergang zwischen Bubenheim und Wettelsheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Etwa 20 Menschen sind gekommen, um zu erzählen, warum die monatelange Sperrung des Übergangs an ihren Nerven zehrt. Der Bubenheimer Schmiedemeister Walter König ist wegen Lieferungen für seinen Betrieb auf die Verbindung nach Wettelsheim, und damit zur Bundesstraße, angewiesen, sagt er. "Wir sind hier im Moment richtig weg vom Schuss. Wenn Sie zu uns wollen, dann müssen sie vorher anrufen. Dann kann ich Ihnen sagen, wie man den Weg fährt. Aber ansonsten wird es eine Odyssee", sagt König.
Bahn: Reparatur wegen alter Technik nicht möglich
Grund für die Sperrung des Bahnübergangs ist nach Angaben der Deutschen Bahn ein bei Tiefbauarbeiten beschädigtes Kabel. Wegen dieses Vorfalls sei auch die Technik im Inneren des Bahnübergangsschalthauses in Wettelsheim zu Schaden gekommen. Seither könne der Bahnübergang technisch nicht mehr bedient werden, schreibt die Bahn auf BR-Anfrage.
Eine Reparatur könne aufgrund des Alters der Anlage nicht durchgeführt werden. Aber es sei ein Hilfs-Bahnübergang geplant, heißt es weiter. Der werde aktuell an anderer Stelle erprobt. Die "regelkonforme Umsetzung" dauere aber noch etwas. Eine Sprecherin geht von drei bis vier Monaten aus.
Umleitung ist fünf Mal so weit
Ein Ärgernis für Anwohner, Unternehmer und Landwirte. Denn die Umleitungen sind sehr weiträumig. Zum Teil sind diese Strecken nur für Autos, aber nicht für schwere Lastwagen oder Traktoren ausgelegt. Die Landwirte wollen aber ab dem 1. Mai ihr Gras auf beiden Seiten des Übergangs mähen. Das bedeutet, dass sie 50 bis 60 Fuhren pro Tag über den Bahnübergang machen müssten. "Da müssen wir über die Umleitung fahren bei den Spritpreisen momentan - und die Zeit. Wir brauchen jetzt zwei Gespanne mehr zum Transport", berichtet Landwirt Stefan Föttinger.
Auch für die Eltern und Großeltern ist der Weg zur Grundschule und zum Kindergarten in Wettelsheim bis zu fünf Mal so lange. "Das ist ein Unding. Und das müsste möglich sein, so eine Absperrung provisorisch für jeden annehmbar zu lösen", ist Helmut Neubauer überzeugt, der seinen Enkel oft in den Kindergarten bringt.
"Desaströse Kommunikation" mit der Bahn
Eine solche Lösung gab es bereits, berichtet die für Bubenheim zuständige Bürgermeisterin aus Treuchtlingen, Kristina Becker (CSU). "Wir hatten hier monatelang Leute an der Bahn stehen, die einen manuellen Schrankenbetrieb gestaltet haben. Das ist jetzt weg. Auch ohne für uns ersichtlichen Grund", so Becker. Die Kommunikation mit der Bahn sei ein Desaster. Die Ansprechpartner wären immer andere und proaktiv würde sich der Konzern nach Angaben der Bürgermeisterin nicht melden.
Das Vorgehen und die Kommunikation der Bahn stößt in Bubenheim und Wettelsheim auf Kopfschütteln. "Wenn wir unsere Betriebe so führen würden, dann würde ich bitten, dass einer sagt, ich soll aufhören", schimpft Landwirt Bernd Katheder. Denn selbst wenn der Hilfsübergang eingerichtet ist, ist die Geschichte noch nicht zu Ende. In drei Jahren will die Deutsche Bahn den Übergang zwischen den beiden Orten "regulär" erneuern.
BR24 auf Instagram: Bahnübergang zwischen Bubenheim und Wettelsheim monatelang gesperrt
Seit Monaten ist der Bahnübergang zwischen Bubenheim und Wettelsheim gesperrt - ohne Aussicht auf ein Ende.
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