"Das ist einfach so entspannt, wenn du ins kalte Wasser hineingehst, dich dann treiben lassen kannst, oben der blaue Himmel, die Blätter. Das ist einfach super", sagt Markus Schuster. Er ist 51 Jahre alt und erfrischt sich regelmäßig im Eisbach. Für viele Münchner zählt der Wasserspaß, das Treibenlassen im Eisbach mehrere hundert Meter durch den Englischen Garten, zu den schönsten Sommererlebnissen.
Auch Touristen lassen sich den Badespaß nicht entgehen. Gespannt wartet ein holländischer Großvater am Rand des Baches auf seine beiden Enkelinnen, die in dieser Augustwoche kreischend an ihm vorbeischwimmen.
Baden offiziell verboten
Dabei ist der Badespaß nicht ungefährlich. Denn Strömung und Gegenstände am Bachgrund können zur Lebensgefahr werden. Auch geübte Schwimmer brauchen die nötige Ortskenntnis: Die letzte Ausstiegsmöglichkeit sind zwei Leitern auf der linken Seite vor der Tivolibrücke. Danach befinden sich gefährliche Gitter und Einbauten im Bach.
Offiziell herrscht ein Badeverbot in allen Gewässern des Englischen Gartens. Parkaufseher sind täglich unterwegs und weisen darauf hin. Auch die Bayerische Schlösserverwaltung verweist ausdrücklich auf die Parkanlagenverordnung und appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, verantwortungsbewusst zu handeln und sich vor Gefahren zu schützen.
Der Pegelstand im Eisbach sinkt
Derweil wird auch im Eisbach der Wasserstand immer niedriger. Anfang Juli flossen noch knapp 26 Kubikmeter pro Sekunde durch den Münchner Eisbach. Ein olympisches Schwimmbecken wäre bei dieser Geschwindigkeit innerhalb von gut eineinhalb Minuten gefüllt. Mitte August liegt der Wert bei nur noch 18 Kubikmetern pro Sekunde, rund 31 Prozent weniger. Zum Vergleich: Ende Januar und Anfang Februar lag der Wert sogar nur bei 15 Kubikmetern pro Sekunde. Die gefrorenen Böden im Einzugsgebiet sorgten für einen geringen Abfluss.
"Ökologische Probleme gibt es im Eisbach auch bei weiter fallenden Pegeln keine, da es sich um ein künstliches Gewässer handelt", teilt das Wasserwirtschaftsamt München mit. Anders sehe das bei Nebenflüssen des Eisbaches aus, etwa dem Schwabinger Bach. Der sei ein wichtiger Lebensraum für "besonders geschützte Fischarten".
Sollte die Wassermenge weiter fallen, könne das Wasserwirtschaftsamt München die Wehranlagen so steuern, dass dem Eisbach weiteres Wasser abginge. Das sei aber noch kein Grund zur Sorge: "Die Auswirkungen von ein bis zwei Kubikmetern pro Sekunde wären nicht sehr wesentlich. Wir haben also noch Handlungsoptionen."
Wie erleben die Badenden den niedrigen Wasserstand?
"Wenn es so weitergeht und die Wasserstände immer weiter sinken, dann wird es wahrscheinlich auch schwierig, sich hier treiben zu lassen", befürchtet der 29-jährige Leon Menzel, der schon häufiger im Eisbach baden war.
Silas Selinger hingegen, 19 Jahre alt, entdeckt im niedrigen Pegelstand auch einen Vorteil: "Wir waren letztes Jahr da, da war es ein deutliches Stück höher und wir konnten gar nicht stehen an manchen Stellen."
BR24 auf TikTok: Niedrigwasser im Eisbach - Badespaß in Gefahr?
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