(Archivbild) Ein junger Surfer springt mit seinem Board auf die Eisbachwelle
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(Archivbild) Vor einem Jahr starb eine junge Frau beim Surfen an der weltberühmten Eisbachwelle. Seitdem ist dort nichts mehr, wie es war.
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(Archivbild) Vor einem Jahr starb eine junge Frau beim Surfen an der weltberühmten Eisbachwelle. Seitdem ist dort nichts mehr, wie es war.

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Münchner Eisbach: Der Unfall und der lange Weg zurück zur Welle

Münchner Eisbach: Der Unfall und der lange Weg zurück zur Welle

Vor einem Jahr starb eine junge Frau beim Surfen an der weltberühmten Eisbachwelle im Englischen Garten. Seitdem ist dort nichts mehr, wie es war. Warum die Rückkehr von Lebensgefühl und Surferfreiheit bisher an einem Problem scheitert: eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Die Eisbachwelle stand für ein Münchner Lebensgefühl der besonderen Art. Jeder konnte dorthin, entweder um selbst darauf zu surfen oder um die zu bestaunen, die auf der Welle ritten und dort sogar Pirouetten drehten. Doch dieser zumindest für deutsche Verhältnisse ungewohnt locker-leichte Flair an der Welle endet abrupt am 16. April 2025. Gegen 23:28 Uhr fällt eine 33-jährige Surferin vom Board in den reißenden Eisbach.

Junge Frau stirbt im Eisbach

Die Sicherheitsleine, die "Leash", die Surfer und Brett verbindet, verfängt sich im Untergrund, die 33-Jährige wird unter Wasser gezogen. Ihr Lebensgefährte versucht, sie zu befreien. Es wird ihm laut Staatsanwaltschaft erst mithilfe eines Strömungsretters der Münchner Feuerwehr gelingen, geschätzte 30 Minuten später. Die junge Frau verstirbt acht Tage später.

OB erlässt Surf-Verbot für Dauer der Ermittlungen

Die Münchner Surfszene ist tief getroffen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erlässt für die Dauer der Ermittlungen ein Surfverbot. Erst müsse herausgefunden werden, wie der tragische Unfall geschehen konnte, sagt damals Reiter – wegen der Verkehrssicherungspflicht, die der Stadt als Grundstückseigentümerin obliegt.

Erster Widerstand der Surfer

Drei Wochen nach dem Tod der Surferin ist die Welle immer noch gesperrt. Unter den Surfern regt sich Widerstand. 3.600 Menschen unterzeichnen einen offenen Brief, kritisieren die lange Sperrung und bitten den OB, die Welle wieder freizugeben.

Die Stadt aber befasst sich mit einer anderen Frage: Was geschieht, wenn während der Ermittlungen ein weiterer Unfall passiert? Dann, so die Befürchtung der städtischen Juristen, könnte das zivil- oder gar strafrechtliche Folgen für einzelne Beamte haben. Diese wichtige Frage wird sich auch später im Jahr wieder stellen.

Nach drei Monaten: Surfen unter Auflagen wieder erlaubt

Am 23. Juni 2025 gibt die Staatsanwaltschaft München ihr Ermittlungsergebnis bekannt. Trotz umfangreicher Untersuchungen konnte nicht festgestellt werden, warum die 33-Jährige unter Wasser gedrückt wurde. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Leash an einem der sogenannten Störsteine am Bachbett-Boden verhängt hat.

Unter neuen, strikteren Auflagen dürfen die Surfer am 27. Juni zurück auf die Welle. Allerdings nur mit einer Leash, die im Notfall reißt. Einbauten in oder an der Welle sind per neuer Allgemeinverfügung verboten, das Surfen nach 22 Uhr ist untersagt. Ein Sicherheitsdienst überprüft im Auftrag der Stadt die Einhaltung der neuen Auflagen. Zu groß ist die Angst bei der Stadt vor möglichen rechtlichen Konsequenzen nach einem möglichen erneuten Vorfall.

Im Sommer will Söder die Surfer unterstützen

Wie rechtlich kompliziert diese Frage tatsächlich ist, zeigt sich am 9. Juli 2025. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lädt zur Pressekonferenz an der Dianabadschwelle im Englischen Garten. Diese Welle liegt etwas flussabwärts von der großen, berühmten Welle "E1", ist sehr viel ruhiger und gilt besonders unter Anfängern als guter Spot.

Einziger Haken: Die Dianabadschwelle gehört dem Freistaat und der verbietet das Surfen – wegen Haftungsfragen. Surfen ist dort unmöglich, seit auf beiden Ufern Zäune stehen. Und eben dort verkündet Markus Söder mit dem ihm eigenen, bayerischen Selbstbewusstsein, Bayern sei "das Kalifornien von Deutschland", er finde Münchner Surfer toll und deswegen würden sie gefördert.

Stadt München soll Dianabadschwelle bekommen

Die Standorthilfe des Ministerpräsidenten sieht vor, die staatliche Dianabadschwelle der Stadt München in einem Grundstückstausch zu überschreiben. Genauso, wie es der Freistaat 2010 mit der großen Eisbachwelle gemacht habe. Bis dahin war die staatliche Schlösser- und Seenverwaltung Grundstückseigentümerin der E1 – und Surfen war verboten.

Auf die Frage eines BR-Reporters, warum Söder das Surfen nicht einfach selbst auf der Dianabadschwelle erlaube, um sich den bürokratischen Tauschaufwand zu sparen, antwortete der: Weil in der grün-rot-regierten Stadt München nun mal die Experten säßen.

Auskehr lässt Welle verschwinden - Katz- und Mausspiel beginnt

Einige Monate später, Ende Oktober, kann man erahnen, warum Söder die städtischen Experten so hervorgehoben hat. Diese sind mit der Eisbachwelle so gefordert wie nie. Der Grund: Die weltberühmte Welle bleibt nach der Bachauskehr verschwunden.

Schnell ist klar: Nur Einbauten können diese wiederherstellen. Doch die sind sowohl per Allgemeinverfügung als auch wasserrechtlich verboten. Sobald die Surfer dort ein Brett hineinhängen und die Welle aufersteht, lässt es die Stadt wieder entfernen. Das passiert mehrmals.

Einbauten könne es nur geben, heißt es von der Stadt, wenn sie verkehrssicher sind – wenn also sichergestellt ist, dass dadurch kein Mensch zu Schaden kommt. Die Surfer hingegen finden, dass die Welle durch Einbauten sicherer würde. Sie haben früher immer wieder betont: Surfen auf der Eisbachwelle sei nicht ungefährlich und nur etwas für Erfahrene. Die Tatsache, dass eine junge Frau – laut Staatsanwaltschaft eine geübte Surferin – ums Leben gekommen ist, findet im öffentlichen Diskurs kaum noch Beachtung.

Professor tüftelt an sicherem Einbau

Der Münchner FH-Professor Robert Meyer-Staude, selbst Münchner Surfer, versucht mithilfe der Surfcommunity und in Zusammenarbeit mit der Stadt einen Einbau zu realisieren, der minimalistisch und verkehrssicher ist. Versuche sind derzeit wegen des Niedrigwassers aber ausgesetzt.

Verein für die Eisbach-Welle?

Viel ist seitdem über die Münchner Verwaltung gespottet worden. Die Surfer fühlen sich ihres Lebensgefühls beraubt und kritisieren den Bürokratiestaat. Allerdings: Das Münchner Surfmodell – jeder kann fast jederzeit auf einer großen, natürlichen Welle surfen – gibt es zumindest in Bayern kein zweites Mal. In Nürnberg und Augsburg sind die Surfwellen anders geregelt: Man zahlt Eintritt oder wird Mitglied im dortigen Surfverein.

Die Münchner Eisbachwellen-Surfer ernten viel Verständnis. Einen Verein gründen und damit die Haftung übernehmen, lehnen sie aber ab.

Wie man hört, soll laut dem zukünftigen OB Dominik Krause spätestens ab den Sommerferien das Surfen wieder möglich sein – wie, ist noch nicht klar.

BR24 auf TikTok: Münchner Eisbachwelle

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