Dieser Gecko konnte zum Glück lebend gerettet werden. Mit seinen Artgenossen wird er aktuell von einem Fachtierarzt versorgt.
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Dieser Gecko konnte zum Glück lebend gerettet werden. Mit seinen Artgenossen wird er aktuell von einem Fachtierarzt versorgt.
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"Animal Hoarding": Wenn Tierliebe in Leid endet

"Animal Hoarding": Wenn Tierliebe in Leid endet

Fast 100 vernachlässigte Geckos wurden bei einer Kontrolle in Unterfranken entdeckt, 32 davon bereits tot: verhungert oder verdurstet. Und das ist kein Einzelfall. Was steckt dahinter, wenn Tiere regelrecht gehortet und nicht mehr versorgt werden?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Es waren schockierende Bilder im unterfränkischen Landkreis Haßberge: In einem Wohnhaus stießen Kontrolleure des Veterinäramts auf 32 verendete Geckos, 64 weitere grob vernachlässigt. Keinem der Tiere hätte Wasser zur Verfügung gestanden, sagt Veterinärarzt Christopher Bogdahn, der bei der Kontrolle dabei war. Teils wurden sie einzeln in 36 mal 25 Zentimeter großen Schubladen gehalten.

Nur einen Tag später die Meldung aus Stuttgart: Hier wurde laut Behörden eine "miserable Haltung" von fast 50 Schlangen entdeckt. Es sind zwei von erstaunlich vielen Fällen, in denen Personen mehr Tiere halten, als sie versorgen können.

Tiere als Sammelobjekt? Deutlicher Anstieg von Fällen

Wenn das Sammeln von Tieren pathologisch wird und man ihnen keine angemessene Pflege, Unterkunft oder medizinische Versorgung bieten kann, spricht der Deutsche Tierschutzbund (DTB) auch von "Animal Hoarding". Die Zahl solcher Fälle steigt laut DTB in Deutschland seit vielen Jahren an. Die letzte Auswertung von 2024 ergab insgesamt 147 Fälle in einem Jahr. 22 davon waren in Bayern, wobei 925 Tiere betroffen waren – am häufigsten Katzen, Hunde und kleine Heimtiere wie Kaninchen.

Dahinter kann eine krankhafte Sammelsucht stecken, aber auch ein persönlicher Schicksalsschlag. Durch den Tod eines Angehörigen oder die Verschlechterung der eigenen Gesundheit könne selbst eine anfangs gute Tierhaltung in eine Hoarding-Haltung abrutschen, so der Tierschutzbund.

120 Katzen im Schweinestall: "Psychisch von der Rolle"

Die Tierheime stellen solche Funde vor immense Herausforderungen. "120 Katzen, 140 Hunde oder über 100 Meerschweinchen – wir haben mindestens einmal im Jahr einen Fall, bei dem wir mithelfen", sagt Britta Merkel, Leiterin des Tierheims Haßberge. Bei einer so großen Zahl an betroffenen Tieren müssen diese auf viele Heime verteilt werden. Merkel kümmert sich aktuell um mehrere "Überbleibsel" aus Hoarding-Fällen.

Um zwei Katzen zum Beispiel, die zusammen mit 120 anderen in einem Schweinestall gehalten worden waren und sich dort ungehindert fortgepflanzt haben. Jetzt seien die Tiere kaum noch vermittelbar. "Die sind psychisch natürlich von der Rolle", sagt Merkel. Die Haltung auf engstem Raum und ohne Versorgung hinterlasse deutliche Spuren bei den Tieren, die häufig verhaltensauffällig seien. Durch die Inzucht könne es außerdem zu gesundheitlichen Problemen kommen.

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Tierheim Haßberge: Auch Lotte und Motte stammen aus einem Fall von "Animal Hoarding".

Überlebende Geckos noch nicht vermittelbar

Viele der Tiere haben außerdem Krankheiten. Auch die rund 60 Geckos, die das Veterinäramt gerettet hat, sind noch bei einem Fachtierarzt für Reptilien untergebracht. Noch seien sie in keinem guten Ernährungszustand, so Veterinärarzt Bogdahn. Zudem hätten sie alle Parasiten. Ein weiterer mangelernährter Gecko musste in der Zwischenzeit eingeschläfert werden, bei den anderen habe die Nahrungszufuhr zumindest eine Verbesserung gebracht. "Die haben alle erst mal 20 Minuten getrunken", so Bogdahn.

Wenn der Zustand es erlaubt, könnten die Tiere in einer Auffangstation für Reptilien untergebracht werden. Auf die Halter könnte hingegen ein Betreuungsverbot, aber auch eine Geldstrafe zukommen. Aufgrund schwerwiegender Tierschutzverstöße prüfe das Veterinäramt sämtliche verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten, so der Tierarzt.

Tierschutzbund fordert mehr Unterstützung

Die Kontrolle bei dem Ehepaar war zunächst wegen eines anonymen Tipps erfolgt. Dass die Öffentlichkeit sensibler für das Thema ist und Verdachtsfälle gegebenenfalls häufiger bei Polizei und Veterinärbehörden meldet, könnte auch ein Grund für den Anstieg der Fallzahlen sein, so der Deutsche Tierschutzbund.

Für die Tierheime geht der aber auch mit steigenden Kosten einher, die laut DTB in den fünf- bis sechsstelligen Bereich steigen können. Oft bekämen die Tierheime diese Kosten nicht oder nur teilweise zurückerstattet. Hier brauche es finanzielle Unterstützung, sagt auch Tierheimleiterin Merkel. "Ein Tierheim allein kann das längst nicht mehr schultern."

BR24 auf Instagram: "Animal-Hoarding" in Unterfranken

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