Etwas entfernt vom Tatort im Aschaffenburger Park Schöntal: Oberbürgermeister Jürgen Herzing zeigt das Areal für den  geplanten Erinnerungsort.
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Etwas entfernt vom Tatort im Aschaffenburger Park Schöntal: Oberbürgermeister Jürgen Herzing zeigt das Areal für den geplanten Erinnerungsort.
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Nach Messerattacke in Aschaffenburg: Erinnerungsort geplant

Nach Messerattacke in Aschaffenburg: Erinnerungsort geplant

Ein Jahr, einen Monat und einen Tag nach dem tödlichen Messerangriff von Aschaffenburg sind die Pläne für einen Erinnerungsort an das erschütternde Verbrechen fortgeschritten: Der Stadtrat hat der bundesweiten Künstlerausschreibung zugestimmt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Ein Erinnerungsort nach dem tödlichen Messerangriff im Aschaffenburger Park Schöntal im Januar 2025 – die Planungen dafür gehen in die nächste Phase. Der Stadtrat hat am Montagabend der bundesweiten Künstlerausschreibung zugestimmt.

Grundlage für den Beschluss des Stadtrats war ein von einer Kommission erarbeitetes Leitbild: Demnach ist kein klassisches Mahnmal geplant, sondern ein offener Ort im Park, der Gedenken, Begegnung, Bildung und Hoffnung verbindet – bewusst etwas entfernt vom Tatort. Der Erinnerungsort soll offen gestaltet werden und barrierefrei sein.

Würdiges Gedenken statt politische Instrumentalisierung

Außerdem ist es der Kommission wichtig, dass ein "würdiger" Bezug zu den Opfern hergestellt wird – ohne politische Instrumentalisierung. Deswegen soll keine klassische Gedenktafel aufgestellt werden, die beklebt oder anderweitig verunstaltet werden kann. Stattdessen ist ein QR-Code geplant, der zu einer Internetseite führt. Hier sollen Nutzerinnen und Nutzer erfahren, was am 22. Januar 2025 geschehen ist und wer die Opfer waren.

Auf der Website soll außerdem über Planungen und Veranstaltungen informiert und ein Spendenkonto eingerichtet werden. Der Erinnerungsort soll auch Bildung fördern, geplant seien unter anderem Workshops mit Schulen, etwa zu den Themen Gewaltprävention und Zivilcourage. Der Ort soll Hoffnung geben und "nicht ein Ort werden, an dem man in Trauer erstarrt", betont Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD). Das ist das Leitbild, mit dem die Künstlerin oder der Künstler bei der Ausschreibung konfrontiert wird.

300.000 Euro Kosten für Umsetzung eingeplant

Für die Realisierung sind 300.000 Euro vorgesehen. Dabei entfallen auf den künstlerischen Entwurf 200.000 Euro, davon kommt die Hälfte aus dem Stadthaushalt, die andere aus der Bürgerstiftung Aschaffenburg. Weitere 100.000 Euro Kosten entstehen unter anderem für die Fundamentierung, die Website, landschaftsgärtnerische Maßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit.

Mit dem Stadtratsbeschluss kann jetzt die Ausschreibung online gehen. In einer ersten Auswahlrunde wählt ein Gremium acht Entwürfe von Künstlerinnen und Künstlern aus. Die finale Entscheidung soll dann Ende dieses Jahres getroffen werden. Die Fertigstellung des Erinnerungsortes ist für spätestens Januar 2028 angedacht.

Angehörige der Opfer kennen Planungen

Die interdisziplinäre Kommission zur Erarbeitung des Leitbildes für den Erinnerungsort wurde von Oberbürgermeister Herzing und der Leiterin der VHS, Katja Fröhlich geleitet. Beide betonten auf einer Pressekonferenz, wie wichtig es war, die Planungen den Angehörigen der Opfer vorzustellen. Sie hätten das Angebot dankbar angenommen.

Katja Fröhlich betonte nochmals, der Erinnerungsort solle kein Symbol der Angst oder Trauer sein, sondern ein Zeichen "unserer gemeinsamen Haltung". Der Erinnerungsort solle zeigen, "dass Gewalt uns nicht spaltet, sondern dass wir als Stadt zusammenstehen", so Fröhlich.

Täter dauerhaft in Psychiatrie untergebracht

Bei dem Messerattentat am 22.01.2025 hatte ein damals 28-jähriger afghanischer Geflüchteter im Park Schöntal eine Kindergruppe attackiert und dabei einen zweijährigen marokkanischen Jungen und einen 41-jährigen Deutschen, der der Kindergruppe zu Hilfe kommen wollte, tödlich verletzt.

Das Landgericht Aschaffenburg hatte im Oktober 2025 entschieden, dass der Mann dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden muss. Ein Gutachter stufte den Mann als paranoid schizophren ein.

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