Theresa König aus dem Landkreis Eichstätt korrigiert die Hausaufgaben ihrer drei Kinder.
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Nach PISA: Müssen Eltern mehr in die Pflicht genommen werden?

Nach PISA: Müssen Eltern mehr in die Pflicht genommen werden?

Nach den enttäuschenden PISA-Ergebnissen haben Kanzler Merz und Bildungsministerin Prien eine Debatte über die Mitverantwortung der Eltern ausgelöst. Mehr arbeiten und sich gleichzeitig mehr um die Bildung der Kinder kümmern – kann das gehen?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Theresa König aus dem Landkreis Eichstätt ist 42 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Wie jeden Nachmittag überprüft sie am Küchentisch die Hausaufgaben. Die Augenoptiker-Meisterin ist halbtags berufstätig und würde gerne auch wieder mehr arbeiten. Gleichzeitig nimmt sie die Verantwortung für die Schulbildung ihrer Kinder sehr ernst.

Mutter: "Das Schulsystem im Ganzen in Frage stellen"

Nach den enttäuschenden PISA-Ergebnissen nahmen sowohl Bildungsministerin Karin Prien als auch Kanzler Friedrich Merz (beide CDU) die Familien in die Pflicht. "Dass Eltern Bildung einfach nicht so wichtig finden, wie in anderen OECD-Staaten und EU-Staaten", sagte Prien und Merz meinte: "Man kann Bildung und Erziehung nicht an den Staat outsourcen". Neben den Schulen seien auch Eltern in der Pflicht, sich um die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.

Solche Forderungen nach mehr Elternverantwortung ärgern die alleinerziehende Mutter: "Das ganze System krankt. Ich sehe das nicht, noch mehr an die Eltern heranzutreten, sondern das Schulsystem im Ganzen in Frage zu stellen", sagt sie. Andere Länder wie Finnland oder Estland, die machten es vor – unabhängig vom Geldbeutel oder der sozialen Herkunft der Eltern. "Dass die Schule viel auffängt in einem vernünftigen System, das sehe ich bei uns nicht", so Theresa König.

BLLV: "Können es jetzt nicht den Elternhäusern zuschieben"

Was die PISA-Studie zeigt: In kaum einem anderen Industrieland hängt der Schulerfolg so stark vom Elternhaus ab wie in Deutschland. Im Interview mit dem BR äußert sich dazu Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), deutlich: "Wir schaffen es nicht, die benachteiligten Kinder in die Mitte zu rutschen. Wir schaffen es nicht, die Bildungsungleichheit auszugleichen. Eigentlich ist es ein Staatsversagen. Eigentlich ist es ein Versagen in den Schulen und wir können es jetzt nicht den Elternhäusern zuschieben."

Hinzu komme, dass sich das Familienleben in den letzten Jahren deutlich verändert habe. Die Schule sei aber so wie früher. Und deshalb bräuchten wir ein moderneres Schulsystem.

Im Video: Sollen Eltern (noch) mehr in die Pflicht genommen werden?

Symbolbild: Kinder beim Lernen in der Schule.
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Symbolbild: Kinder beim Lernen in der Schule.

Wirtschaftsexperte: Basis-Kenntnisse werden immer wichtiger

Zahlreiche Studien [externer Link] zeigen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen den Bildungsleistungen eines Landes und dem wirtschaftlichen Wachstum gibt. Basis-Kenntnisse wie Rechnen, Schreiben oder Textverständnis werden daher immer wichtiger, um von anderen Industrienationen nicht abgehängt zu werden.

Prof. Ludger Wößmann vom ifo-Zentrum für Bildungsökonomik fordert deshalb, dass wir als Gesellschaft wieder mehr den Fokus auf diese Basiskompetenzen setzen. Denn gerade auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz sei es wichtig, mit den Informationen richtig umzugehen. "Es kommt darauf an, wie gut die Kinder und Jugendlichen auf das Leben vorbereitet sind – das gilt für die Schulen, aber es geht sicherlich nicht ohne die Eltern", erklärt der Bildungsökonom.

Neurowissenschaftler: Weniger Bücher, schlechtere Leistungen

Eltern und Lehrer müssten mehr an einem Strang ziehen, wie beispielsweise in Singapur, einem der rangvordersten PISA-Länder. Das sagt auch Prof. Volker Busch. Der Regensburger Neurowissenschaftler glaubt aber auch, dass ein weiterer wesentlicher Faktor für die schlechten PISA-Ergebnisse der Rückgang des Lesens [externer Link] sei.

Auch dabei könnten Eltern ein Vorbild sein und zum Lernerfolg beitragen: "Kinder imitieren uns. Und deswegen spielt das eine große Rolle, dass wir nicht mit erhobenen Zeigefinger dastehen und Kindern das eintrichtern: Ihr müsst aber lesen! – sondern dass wir das einfach vorleben".

Mehr Arbeit und mehr Bildungsverantwortung

Auch Theresa König versucht, ihre zwei Buben und ihre Tochter zum Lesen zu motivieren. Sie betont aber auch, dass sie sich nicht in der alleinigen Verantwortung für den Bildungserfolg ihrer Kinder sieht.

Denn Kinder bestmöglich zu unterstützen und selbst wieder mehr zu arbeiten: Das gehe nur, wenn es auch flächendeckende Betreuungsangebote gebe. "Da sehe ich definitiv wieder den Handlungsbedarf im Schulsystem. Ich habe dieses Jahr jetzt das erste Mal die Möglichkeit, meine zwei jüngeren Kinder in der Ganztagsbetreuung betreuen zu lassen, das war bisher nicht möglich."

Söder kündigt mehr Unterrichtsstunden für Grundschulen an

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht nach den PISA-Ergebnissen ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. Als erste Maßnahme kündigte er mehr Unterrichtsstunden für Grundschulen an. Wie viele Stunden welche Jahrgangstufe mehr bekommt, steht noch nicht fest.

Dieser Artikel ist erstmals am 26. September 2024 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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