Beim einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen ist es im Juli zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. Die Boeing 737-800, betrieben von Malta Air für Ryanair, befand sich im Steigflug auf rund 4.900 Metern Höhe, als das rechte Triebwerk plötzlich ungewöhnlich stark vibrierte. Kurz darauf kam es zu einem schweren Schaden: Im vorderen "Ventilator" des Triebwerks brach eine sogenannte Fanschaufel heraus, Trümmerteile schlugen gegen den Rumpf. Eine Fanschaufel saugt Luft an und sorgt für Schub.
Ein Teil traf ein Kabinenfenster in Reihe 11 auf der rechten Seite, das Fenster brach. Der Passagier am Fenster wurde durch den plötzlichen Druckabfall teilweise in die Öffnung gesogen und schwer verletzt. Mitreisende und eine Flugbegleiterin zogen ihn zurück in die Kabine und leisteten Erste Hilfe. Die übrigen Menschen an Bord blieben unverletzt.
Notlandung in Thessaloniki
Nach dem Knall und der Druckentlastung setzten die Piloten ihre Sauerstoffmasken auf, erklärten einen Notfall und leiteten eine Notlandung ein. Die Flugbegleiter sorgten dafür, dass die Passagiere ihre Masken nutzten, und sicherten die Kabine. Die Crew schaltete das beschädigte Triebwerk ab und kehrte zum Flughafen Thessaloniki zurück, wo Rettungskräfte bereits bereitstanden.
Hinweise auf Ermüdung und Vogelschlag
Der vorläufige Bericht der US-Flugunfallbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) beschreibt deutliche Schäden an mehreren Fanschaufeln. Eine Schaufel war an der Befestigung im Triebwerk gebrochen, andere zeigten Verformungen. Teile der Bruchfläche deuten laut NTSB auf eine länger gewachsene Materialermüdung hin.
Die Ermittler fanden darüber hinaus Federn und organische Reste im Bereich des Triebwerks. Diese Proben werden in einem Speziallabor in den USA untersucht. Vogelschlag gilt deshalb als mögliche Mitursache. Die NTSB weist darauf hin, dass der Bericht vorläufig ist und das Zusammenspiel aus Ermüdung, Vogelschlag und weiteren Faktoren noch geprüft wird.
Ryanair äußert sich nicht zum Bericht
Im Bericht wird zudem erwähnt, dass bestimmte von der US-Luftfahrtbehörde FAA – der Federal Aviation Administration – vorgeschriebene bauliche Verstärkungen an Triebwerksverkleidung und Auspuff bei dieser Maschine noch ausstehen. Die Umsetzungsfrist dafür läuft jedoch noch.
Ryanair wollte sich auf BR-Anfrage zum aktuellen Stand des NTSB-Berichts nicht äußern und verweist darauf, dass die Untersuchung weiterläuft. Abschließende Ursachenfeststellungen und mögliche Sicherheitsempfehlungen stehen noch aus.
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