Am Bahnsteig an Gleis 1 im Hauptbahnhof Mannheim stehen Grablichter im Gedenken an den getöteten Zugbegleiter.
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Am Bahnsteig an Gleis 1 im Hauptbahnhof Mannheim stehen Grablichter im Gedenken an den getöteten Zugbegleiter.
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Nach Tod eines Zugbegleiters: Bayern warnt vor "Aktionismus"

Nach Tod eines Zugbegleiters: Bayern warnt vor "Aktionismus"

Der gewaltsame Tod eines Zugbegleiters bei Kaiserslautern sorgt für Entsetzen. Gewerkschaften und Bahn-Vertreter fordern nun besseren Schutz für Zugpersonal – aber Bayerns Verkehrsminister Bernreiter will keine schnellen Maßnahmen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz sieht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Handlungsbedarf durch den Staat. Uwe Böhm, bayerischer Bezirksvorsitzender, fordert unter anderem, die Polizei zu stärken. Es gebe viele Fälle von Gewalt, bei denen Zugbegleiter nach Polizei-Unterstützung fragen: "Und auf der anderen Seite hören wir dann: Naja, ich würde ja jemanden schicken, aber ich habe selber niemanden."

Im Interview mit BR24 TV sagte Böhm, man solle jetzt nicht ständig neue Forderungen auflegen, sondern das, was schon viele Jahre auf dem Tisch liege, zur Anwendung bringen - "zum Beispiel eine doppelte Besetzung von Zügen mit Zugbegleitern, auch im Nahverkehr. Oder ein Rückzugsraum für Zugbegleiter ohne Zugang von Fahrgästen. Und wir fordern natürlich auch seit langem, dass die Polizei präsent ist."

Gewerkschaft der Polizei: hier wie dort fehlt Personal

Florian Leitner von der Gewerkschaft der Polizei Bayern sieht die Politik jetzt in der Verantwortung: "Hier dürfen Sparmaßnahmen oder Haushaltszwang parteiübergreifend keine Entschuldigung sein", sagte er dem BR. Bei der Polizei und der Bahn fehle Personal. Wenn Personenbegleiter alleine im Zug mitfahren müssen, sei das ein Sicherheitsproblem.

Bahn fordert Doppelschichten bei Zugbegleitern

DB-Konzernsprecher Achim Stauß nennt im BR-Politikmagazin "Kontrovers" Bodycams und Notruf-Apps für Bahnpersonal als bereits existierende Schutzmaßnahmen. Aber die beste Sicherheitsmaßnahme sei eine Doppelstreife, so Stauß. Es sei Aufgabe der Bundesländer, solche Doppelschichten zu bestellen.

Im Video: Interview - Prof. Andreas Zick zur zunehmenden Gewaltbereitschaft

Konfliktforscher Zick von der Universität Bielefeld spricht bei BR24 TV über die wachsende Gewalt gegen Einsatzkräfte und Zugbegleiter.
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Konfliktforscher Zick von der Universität Bielefeld spricht bei BR24 TV über die wachsende Gewalt gegen Einsatzkräfte und Zugbegleiter.

Bernreiter setzt auf Dialog mit Bundesregierung

Die Forderungen richten sich damit auch an Bayerns Verkehrsminister Bernreiter (CSU). Der sagte dem BR, er habe heute schon viele Vorschläge gehört – und: "Das hört sich viel nach Aktionismus an." Er könne in einer solchen Situation nur raten, sich wohl zu überlegen, was echte Sicherheit bringt. Wenn es die eine Lösung gebe, hätte man sie schon längst umgesetzt, so Bernreiter. Generell warnte er vor der Erwartung, "dass der Staat für hundert Prozent Sicherheit in allen Lebenslagen garantieren kann".

Bernreiter setzt nun auf Dialog. Man werde sich vor allem mit dem Bundesfinanzministerium zusammensetzen müssen. Außerdem findet Ende März eine Verkehrsministerkonferenz in Lindau am Bodensee statt. Auch dort werde man sich mit dem Thema beschäftigen, so Bernreiter.

Bahn-Chefin kündigt Sicherheitsgipfel an

Bahn-Chefin Evelyn Palla hat indessen einen Sicherheitsgipfel angekündigt. Einen konkreten Termin dafür nannte sie am Donnerstag noch nicht. In den nächsten Tagen sollen sich nach ihren Worten Vertreter der Bundesregierung, der Bundesländer, der Bundespolizei und der Gewerkschaften zusammensetzen – alle Beteiligten am Regionalverkehr der Bahn.

Welche Regionalzüge fahren und welche Sicherheitskonzepte gelten, entscheiden nämlich die Bundesländer. Sie finanzieren den Regionalverkehr mit eigenen Mitteln und mit Geldern, das sie dafür vom Bund erhalten.Palla sagte wörtlich: "Es ist wichtig, dass wir jetzt handeln." Sie sprach von einem hohen Aggressionslevel in der Bevölkerung und nannte das ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Im Video: Gewalt - Übergriffe gegenüber Personal nehmen zu

Die tödliche Prügelattacke auf einen Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle sowie zunehmende Attacken auf Ärzte, Pflegepersonal und Hilfskräfte werfen Fragen auf.
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Die tödliche Prügelattacke auf einen Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle werfen Fragen auf.

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