Ein Igel auf einer Wiese.
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Igel sind meist nachts auf Nahrungssuche, Mähroboter können sie schwer verletzen. (Symbolbild)
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Igel sind meist nachts auf Nahrungssuche, Mähroboter können sie schwer verletzen. (Symbolbild)

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Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis Schwandorf in Kraft

Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis Schwandorf in Kraft

Im Landkreis Schwandorf dürfen Mähroboter ab sofort nachts nicht mehr fahren – damit Igel nicht länger unter die Klingen geraten. Es ist die erste Regelung dieser Art in der Oberpfalz. Der Initiator erklärt, wie er sie durchgesetzt hat.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Im Landkreis Schwandorf ist eine neue Allgemeinverfügung in Kraft getreten, die von März bis November den Betrieb von Mährobotern in den Abend- und Nachtstunden untersagt – die Zeit, in der Igel typischerweise auf Nahrungssuche gehen.

Bayernweite Regelung gescheitert

Im März etwa dürfen Mähroboter täglich von 17.20 Uhr bis 7.20 Uhr nicht fahren, im Sommer ist die Verbotszeit kürzer. Bayernweit sind solche Regelungen bislang die Ausnahme. Ein Versuch, ein landesweites Nachtfahrverbot einzuführen, war Anfang Februar im Bayerischen Landtag gescheitert.

Rechtlich stützt sich das Landratsamt Schwandorf auf das Bundesnaturschutzgesetz und das Bayerische Naturschutzgesetz: Besonders geschützte Arten wie der Europäische Igel dürfen weder verletzt noch getötet werden. Genau das passiere aber, wenn ein Mähroboter nachts auf einen Igel treffe, heißt es in der Begründung.

"Die scharfen Messer und rotierenden Klingen der Mähroboter fügen Igeln typischerweise Verstümmelungen beziehungsweise erhebliche Verletzungen zu, was oft sogar den Tod zur Folge hat." Landratsamt Schwandorf

Igel-Bestände gehen stark zurück

Gleichzeitig verweist die Behörde auf den dramatischen Rückgang der Igel-Bestände. Die Behörde zitiert Angaben eines Igelstübchens im Landkreis, in dem bis Anfang September 2025 bereits 200 verletzte Igel aufgenommen wurden, davon 70 mit typischen Mähroboter-Verletzungen, 2024 waren es rund 90 solcher Fälle. Viele weitere Tiere würden wahrscheinlich gar nicht gefunden, weil sie sich verletzt verkriechen oder ihre Kadaver von anderen Tieren gefressen werden.

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Igel mit Schnittverletzungen.

Landschaftsgärtner kämpft für Igel

Dass es diese Regelung überhaupt gibt, geht maßgeblich auf die Hartnäckigkeit eines Schwandorfers zurück: Der Landschaftsgärtner Jochen Surel kämpft seit 2024 für ein Nachtfahrverbot von Mährobotern. "Die Verletzungen, die sind ja von schlimm bis extrem schlimm", sagt er im BR-Interview. "Es werden Nasen weggehäckselt, es werden Ohren weggehäckselt, es werden Füße weggehäckselt." Parasiten und Würmer würden die verletzten Igel befallen, die Tiere elend sterben.

Offene Türen habe er bei den Behörden allerdings nicht eingerannt, berichtet Surel – weder bei der Stadt Schwandorf, an die er sich zuerst gewandt habe, noch beim Landratsamt. Um den Ernst der Lage zu belegen, holte sich Surel Unterstützung bei Tierärztinnen aus der Region. Sie gaben ihm Stellungnahmen und Bilder, die schwere, teils tödliche Schnittverletzungen von Igeln durch Mähroboter dokumentierten. Diese Schreiben legte Surel dem Landratsamt vor. Und er sammelte rund 2.200 Unterschriften [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt], die er im November 2025 Landrat Thomas Ebeling (CSU) persönlich übergab.

Igel flüchten nicht

Dass Mähroboter für Igel so gefährlich sind, hänge mit deren Verhalten zusammen: "Der Igel rennt nicht weg, sondern der rollt sich zusammen und bleibt liegen", erklärt Jochen Surel. Von Herstellern beworbene Schutzvorrichtungen hält der Landschaftsgärtner für Schönfärberei.

Die Entscheidung des Landratsamts, nun tatsächlich ein Verbot zu erlassen, wertet er auch politisch: "Wenn man etwas erreichen will, muss man sich engagiert einsetzen." Mit Willen, Überzeugung und Glauben an die Sache könne man was erreichen. Er habe es als zusätzliche Motivation genommen, mitunter als "Ökofaschist" oder "ÖDP-Kröte" beschimpft worden zu sein.

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Jochen Surel kämpft für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter.

Rat für ähnliche Initiativen: Auf Rechtslage verweisen

Surels Blick geht nun über Schwandorf hinaus. Im Nachbarlandkreis Cham hat er bereits den nächsten Antrag vorbereitet, Informationsveranstaltungen gestartet und will erneut Unterschriften sammeln. Den zuständigen Behörden hat er die gleichen Rechtsgrundlagen geschickt wie in Schwandorf. Das rät Surel auch Initiativen, die anderswo Petitionen für ein Nachtfahrverbot von Mährobotern gestartet haben, in der Oberpfalz etwa in Neumarkt, Amberg-Sulzbach, Regensburg und Neustadt an der Waldnaab.

In Schreiben an die Behörden sollten sich Initiatoren ausdrücklich auf das Bundesnaturschutzgesetz, insbesondere § 39 (allgemeiner Schutz wildlebender Tiere) und § 44 (Besonderer Artenschutz), sowie auf das Bayerische Naturschutzgesetz beziehen. "Behörden müssen die Einhaltung dieser Vorschriften sicherstellen", erklärt Surel, das müsse man ihnen deutlich machen.

Typische Mähroboter-Verletzungen dokumentieren

Außerdem rät er, Belege zu sammeln: Fotos und Berichte aus Igelstationen und Tierarztpraxen, die typische Mähroboter-Verletzungen dokumentieren, seien "Gold wert", um deutlich zu machen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Dranbleiben und Öffentlichkeit suchen - etwa über Vorträge und eine Unterschriftensammlung - war aus Surels Erfahrung ein weiterer Schlüssel zum Erfolg.

Im Landkreis Schwandorf ist die Rechtslage nun klar: Zwischen Frühjahr und Spätherbst haben Igel auf den Rasenflächen nachts Vorrang. Wer trotzdem den Roboter fahren lässt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro – und im schlimmsten Fall einen toten Igel im eigenen Garten.

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