Igel in einer ungemähten Wiese bei Nacht.
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Schutz von Igeln: Landtag gegen Nacht-Verbot für Mähroboter

Schutz von Igeln: Landtag gegen Nacht-Verbot für Mähroboter

Sollte zum Schutz von Igeln der Einsatz von Mährobotern bei Dunkelheit in Bayern verboten werden? CSU, Freie Wähler und AfD lehnen im Landtag einen Gesetzentwurf der Grünen ab und plädieren für Aufklärung. In den Kommunen stimmen sie zum Teil anders.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der stachelige Igel sei "vielleicht nicht so niedlich" wie ein Panda, sagt die Grünen-Abgeordnete Mia Goller im Bayerischen Landtag. "Aber er gehört einfach zu Bayern dazu." Um Igel zu retten, müsse man nicht für viel Geld Tiere aus China mieten und kein teures Gehege im Münchner Tierpark Hellabrunn bauen, wie es bei Pandas geplant ist. "Was es braucht, das sind sichere Nächte für unsere Igel."

Einsatzzeiten von Mährobotern

Seit Monaten macht sich die Grünen-Landtagsfraktion dafür stark, die Einsatzzeiten von Mährobotern in Privatgärten zu begrenzen: Das Mähen solle von Einbruch der Dämmerung bis Sonnenaufgang unzulässig sein – es sei denn, es gebe Schutzmaßnahmen wie eine automatische Igel-Erkennung. "Der Igel ist nachtaktiv. Und leider sind es auch die vielen Mähroboter, die auf bayerischem Rasen nachts unterwegs sind", erläutert Goller. Bei einem Zusammenstoß werde der Igel getötet oder schwer verletzt.

In Privatgärten könne problemlos tagsüber gemäht werden. Viele Kommunen in Deutschland, von Eichenau bis Köln, hätten längst bewiesen, "dass klare Regeln wirken". Wer eine Igelstation besuche, erkenne, dass Aufklärung nicht ausreiche. Der Igel brauche nicht Social-Media-Kampagnen, sondern Schutz vor den Messern von Mährobotern.

CSU: Hersteller haben reagiert

Der CSU-Abgeordnete Leo Dietz räumt ein, dass es "dokumentierte Fälle verletzter Tiere" gebe. "Aber wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, aus Empörung schlechte Gesetze zu erlassen." Niemand wisse, wie viele Igel tatsächlich durch Mähroboter verletzt worden seien. "Auf dieser Basis ein nächtliches Fahrverbot zu verhängen, ist kein Artenschutz, sondern Lotto nach Paragrafen." Zudem sei für die Gesetzgebung beim Tierschutz der Bund zuständig.

Mähroboter-Hersteller hätten längst reagiert: Es gebe Sensoren, die Hindernisse erkennen, und Programme, die einen Nachtbetrieb ausschließen. Der CSU-Politiker verweist auf Informationskampagnen: Statt "Symbolpolitik mit erhobenem Zeigefinger" brauche es mündige Bürger, "die aus Überzeugung richtig handeln".

In Augsburg dafür, im Land dagegen

Eine Steilvorlage habe ihr CSU-Kollege Dietz gegeben, wirft die Grünen-Abgeordnete Stephanie Schuhknecht ein: "Du weißt ja, dass Du selber im Augsburger Stadtrat für ein Verbot gestimmt hast mit uns Grünen."

In Augsburg hatten die Stadträte von CSU, Grünen, SPD, FDP, Freien Wählern, Pro Augsburg, V-Partei, Die Partei, Generation AUX und ÖDP gemeinsam ein Nachtfahrverbot von Mährobotern gefordert [externer Link]. Unterschrieben hat auch Dietz, der CSU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat ist. Im Dezember wurde der Antrag im Umweltausschuss einstimmig beschlossen.

Dietz spricht von einem Unterschied zwischen kommunaler und Landesebene: "Weil wir in Augsburg wissen, wie wir damit umgehen müssen." Ein Landesgesetz, das andere bevormunde, solle es nicht geben.

Freie Wähler: Igel schon geschützt

Die Freien Wähler warnen vor überflüssiger "Doppelgesetzgebung": Es sei schon verboten, einem Igel Leid zuzufügen, sagt FW-Umweltexpertin Marina Jakob und verweist auf den Artenschutz. Das Bundesnaturschutzgesetz [externer Link] untersagt es, "wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten".

Jakob betont: "Wenn ich wissentlich nachts meinen Mähroboter laufen lasse und ich damit einen Igel gefährde, darf ich das nicht tun und kann belangt werden." Natur- und Artenschutz fange bei jedem selbst an. Man könne nicht alles über noch mehr Gesetze regeln.

AfD warnt vor "Gängelungen"

In Wahrheit gehe es den Grünen gar nicht um das Wohl des Igels, behauptet Harald Meußgeier von der AfD. Er spricht von einem "reflexartigen Überwachungs- und Verbotsmodus" der Grünen. Tierschutz erreiche man aber nicht mit "neuen Gängelungen", sondern "mit technischen Innovationen, Aufklärung und Eigenverantwortung der Bürger". Der Landtag solle sich lieber wieder "den wichtigen Themen" widmen.

SPD: Kleintiere oft nicht erkannt

Unterstützung bekommen die Grünen von der SPD. Es gebe vielfältige Ursachen dafür, dass der Igel auf der Roten Liste stehe: weniger Lebensräume, weniger Insekten, versiegelte Flächen, monotone Gärten. Ein Faktor, der sich direkt beeinflussen lasse, sei der nächtliche Einsatz von Mährobotern. "Es gibt technische Versprechen, aber die Realität ist: Kleintiere werden oft nicht zuverlässig erkannt."

Für den Gesetzentwurf stimmen Grüne und SPD - dagegen votieren CSU, Freie Wähler und AfD. Damit ist ein landesweites nächtliches Mähverbot vom Tisch.

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