Auf dem Friedhof im unterfränkischen Hösbach zeigt sich das Problem besonders deutlich: Überall krabbeln Ameisen aus kleinen Löchern, die Teerdecke ist brüchig, neben den Grabsteinen entstehen Hohlräume. Dort tragen die Tiere das lockere Material aus dem Boden und nutzen den Hohlraum für ihre Brut. Setzt sich ein Fundament, können Grabsteine und Mauern schwer beschädigt werden.
Große Drüsenameise breitet sich im Raum Aschaffenburg aus
Hösbachs Bauhofleiter Reiner Müller schildert, dass sich die Tiere praktisch in jeder Ritze und Fuge unter aufgeheiztem Asphalt wohlfühlen. Auch an Stromkästen sind sie bereits unterwegs, denn dort gibt es Wärme und Hohlräume. In einem Fall nutzten die Ameisen eine stillgelegte Klingel und den Kabelkanal, um von außen ins Haus einzudringen.
Potenziell invasive Ameisenart mit Millionenstaaten
Bei der Art handelt es sich um die große Drüsenameise Tapinoma magnum. Diese ist vom Umweltbundesamt als potenziell invasive Art eingestuft. Ameisenexperte Melvin Opolka von der Universität Bayreuth erklärt, dass diese Tiere riesige Staaten mit Hunderttausenden bis zu Millionen Arbeiterinnen bilden können.
Die Kolonien sind polygyn – mit vielen Hunderten Königinnen – und polydom, das heißt über viele verbundene Nester verteilt, die, im Gegensatz zu heimischen Arten, miteinander kooperieren.
Siedlungsräume als idealer Lebensraum für "Tapinoma magnum"
Die Große Drüsenameise ist einheitlich schwarz gefärbt und zeigt unterschiedlich große Arbeiterinnen, von zwei bis etwa fünf Millimetern Länge. Die Art besiedelt vor allem wärmebegünstigte Standorte in Siedlungen: unter Gehwegplatten, auf Friedhöfen, an Spielplätzen oder in Industriegebieten. Dort profitiert sie von menschengemachten Strukturen, die sich stark aufheizen und viele Hohlräume bieten.
Bedrohung für heimische Ameisen und Infrastruktur-Schäden
Nach Angaben von Opolka ist die Ameise besonders dominant, auch wegen eines speziellen Giftes aus ihrer Analdrüse, mit dem sie sich effektiv gegen andere Ameisenarten verteidigen kann. In Deutschland gibt es rund 120 heimische Ameisenarten, viele davon werden kaum wahrgenommen – und einige von ihnen werden nun von Tapinoma magnum verdrängt. Fällt ein Teil dieser Arten weg, kann das Ökosystem instabiler werden, weil Ameisen eine wichtige Rolle im Boden und bei der Verwertung organischer Materialien spielen.
Schäden an Wegen, Gräbern und Stromkästen
Neben ökologischen Folgen entstehen direkte Schäden an der Infrastruktur: Unterwanderte Gehwegplatten, absackende Gräber und Mauerwerke sowie Probleme in Elektroverteilerkästen, wo es zu Kurzschlüssen kommen kann.
In betroffenen Gebieten, etwa im Süden Baden-Württembergs, sind nach Angaben von Fachleuten ganze Stadtgebiete betroffen, in denen sich die Ameisen über hunderte Meter lange Straßen zwischen Kolonien ausbreiten. Wird eine Population einmal großflächig etabliert, verursacht sie erhebliche Kosten.
Wie die Ameisenart nach Bayern gelangt
Die große Drüsenameise ist aus Hessen nach Nordbayern eingewandert und erreicht nun den Raum Aschaffenburg. Nach Einschätzung von Melvin Opolka besteht die Gefahr, dass sie sich über weite Teile Bayerns verbreitet – mit Ausnahme des Alpenraums, der für die wärmeliebende Art vermutlich zu kühl ist. Verschleppt wird Tapinoma magnum vor allem über Pflanzen aus südlichen Ländern, etwa Olivenbäume aus Italien oder Südfrankreich, die in Baumärkten und Baumschulen verkauft werden.
Die Gemeinde Hösbach hat rund 30.000 Euro in ein Gerät investiert, das mit bis zu 120 Grad heißem Wasser gegen die Ameisen vorgeht; derzeit ist es täglich im Einsatz, berichtet Bürgermeister Frank Houben (CSU). Ziel ist es, die Nester im Boden zu treffen und die Kolonien zu schwächen, bevor großflächige Schäden an Wegen, Mauerwerken und Grabstätten entstehen. In Aschaffenburg arbeitet das Tiefbauamt mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma zusammen, die Heißwasser mit Nematoden kombiniert, also Fadenwürmern, die die Ameisen im Nest angreifen sollen.
Daueraufgabe für Städte und Gemeinden
Wolfgang Mayer vom Tiefbauamt Aschaffenburg betont, dass niemand davon ausgeht, die Art vollständig verdrängen zu können. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern soll die Population vielmehr so kontrolliert werden, dass sie sich nicht ungehemmt ausdehnt und die Situation erträglich bleibt. Welche Maßnahmen langfristig am wirksamsten sind, sollen die nächsten Wochen und Monate zeigen.
Die Gemeinde Hösbach hat rund 30.000 Euro in ein Gerät investiert, das mit bis zu 120 Grad heißem Wasser gegen die Ameisen vorgeht.
Dieser Artikel ist erstmals am 8. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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