Kirchenmodell vor dem Baugrundstück in der Einsiedelei
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Neue Kirche für alte Einsiedelei im Münchner Olympiapark

Neue Kirche für alte Einsiedelei im Münchner Olympiapark

Ein ungewöhnlicher Ort im Münchner Olympiapark wurde jetzt in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen: die Einsiedelei von Väterchen Timofej. Der neue Status soll auch beim Wiederaufbau seiner abgebrannten Kirche helfen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Im Münchner Olympiapark gibt es einen Ort, der nichts mit Sport, aber ganz viel mit der Geschichte Münchens in der Nachkriegszeit zu tun hat: die ehemalige Einsiedelei von Väterchen Timofej. Heute ist sie eine Sehenswürdigkeit, sie wurde jetzt sogar in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen.

Neue Heimat aus Kriegsschutt

Timofei Wassiljewitsch Prochorow, wie er mit vollem Namen hieß, war auf der Flucht aus Russland 1952 nach München gekommen. Mit seiner Lebensgefährtin Natascha baute er neben dem Schuttberg am Oberwiesenfeld: Aus Trümmern entstanden eine Hütte und eine kleine Kapelle, später auch noch ein Haus und eine größere Kirche.

Olympia-Reitanlage für Eremit verlegt

Nach Visionen und im Auftrag der Gottesmutter Maria habe er das gemacht, sagte der Eremit immer wieder. Baugenehmigungen hatte er zunächst allerdings nicht. Geblieben ist er trotzdem, und als die Anlagen für die Olympischen Spiele gebaut wurden, plante man sogar seinetwegen um und verlegte die Reitanlagen in den Münchner Osten. 2004 starb Timofej.

Denkmal für ein "kleines Biotop"

Seine Einsiedelei in einer grünen Oase gibt es bis heute. Zum Denkmal wurden sie und der dazugehörige Garten wegen ihrer historischen Bedeutung, erklärt Generalkonservator Mathias Pfeil vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: Ein Mann habe nach dem Krieg "an einem Ort, der Zerstörung pur war", ein kleines Biotop geschaffen und sich "gegen alles durchgesetzt". Er habe "sein Universum gebildet, und das ist nicht weggegangen – das ist so ein Traum jedes Menschen".

Schokopapier für die Kirche?

Die Kirche - die Ost-West-Friedenskirche, wie sie genannt wurde – brannte allerdings vor drei Jahren ab. Schon bald soll sie möglichst originalgetreu wieder aufgebaut werden. Als Glücksfall erwies sich hier, dass sie früher einmal digital vermessen worden war. Somit gibt es ein Modell des Gebäudes.

Wie es innen aussehen wird, muss sich zeigen. Die Kirche war voll mit Bildern, Plastikblumen, Kerzen und Devotionalien aller Art. Die Decke glänzte silbern: Väterchen Timofej hatte dort Alufolie und Schokoladenpapier befestigt. Ob es letzteres auch im Neubau geben wird, ist laut Altoberbürgermeister Christian Ude "eine umstrittene Frage", die auch in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz entschieden wird.

Neubau mit Spenden und einem "Schatz"

Dabei geht es auch um die Frage, ob das Kircheninnere so aussehen soll, wie es bei einem Neubau in der heutigen Zeit der Fall wäre, oder ob man versucht "möglichst viele historische Erinnerungen aufzufrischen". Nächstes Jahr sollen die Bauarbeiten jedenfalls starten.

Der Neubau soll zum einen mit Geld von der Brandschutzversicherung finanziert werden – und mit einem kleinen "Schatz": Scheine und Münzen im Wert von etwa 6.000 Euro, die in der Brandruine gefunden wurden. Zum anderen erhofft sich Altoberbürgermeister Christian Ude (SPD), der sich für den Wiederaufbau einsetzt, weitere 140.000 Euro durch Spenden. Die Bereitschaft sei groß, sagt er, und nun könne man dank des Denkmalstatus auch Spendenquittungen ausstellen.

Schutz für die Zukunft

Zudem biete die Aufnahme in die Liste Schutz und sei deshalb ein "Fundament für die Zukunft", freut sich Elena Keck, die stellvertretende Vorsitzende des Verein "Ost-West-Friedensgarten". Sie stammt aus Kasachstan und verbindet mit der Einsiedelei auch Heimatgefühl, wie sie erzählt: So wie dort habe es auch bei ihrem Großvater ausgesehen.

Momentan trifft man auch immer wieder Besucher des Tollwood-Festivals, die vom Festgelände mit all seinem Trubel abbiegen in die ruhige Oase, die Väterchen Timofej geschaffen hat. "Man muss nicht an die Marienvision glauben, um zu erkennen, was da für für eine Spiritualität da ist und was das für ein Anziehungspunkt ist", findet auch Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne).

Hoffnung auf königlichen Besuch

Königin Silvia von Schweden ist übrigens ebenfalls schon öfter dort gewesen - das erste Mal 1972, als sie noch gar nicht Königin war, sondern Olympia-Hostess. Womöglich komme sie wieder, hofft Elena Keck, die auch schon eine Idee hat: Der royale Besuch könnte bei der Gelegenheit einen Baum pflanzen.

Bildrechte: BR / Birgit Grundner
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Ost-West-Friedenskirche vor dem Brand

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