Das Niedrigwasser in Flüssen und Seen macht sich bemerkbar: Mancherorts kommen dadurch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein. Außerdem stoppen niedrige Pegel die Binnenschifffahrt in Bayern weitgehend.
In den Kommentarspalten bei BR24 haben User darüber diskutiert, was man gegen die niedrigen Pegelstände tun könnte und dabei verschiedene Maßnahmen diskutiert. Während Nutzer wie "Bert223" sich zur Möglichkeit des Ausbaggerns äußerten, kommentierte User "FürMenschlichkeit": "Die Renaturierung von Flüssen und Mooren zum Rückhalt und zur Filtrierung von Wasser müsste nun wirklich oberste Priorität bekommen. Das ist nicht nur Naturschutz, das ist der Schutz unserer Wirtschaft und von uns Menschen!"
Wie bleibt das Wasser in den Flüssen?
"Ich glaube, wir brauchen grundsätzlich einen anderen Umgang mit dem Thema Wasser", sagt Helmut Beran, Geschäftsführer des Naturschutzverbands Landesbund für Vogelschutz. "Seit über 100 Jahren haben wir alles getan, um das Wasser aus der Landschaft herauszubringen, um das Wasser schnell abzuleiten. Wir müssen wieder dahinkommen, dass wir das Wasser in der Fläche zurückhalten."
In der Vergangenheit seien Flüsse ausgebaut und begradigt worden, damit das Wasser schnell abfließen könne. Es brauche aber Flüsse, die sich in großen, natürlichen Schleifen durch das Gelände winden. Dadurch würde der Wasserfluss verlangsamt. Auch müssten Auen (wieder) an Fließgewässer angebunden werden, damit das Wasser dort zurückgehalten werden könne. Das seien große Aufgaben, die nicht in ein bis zwei Jahren lösbar seien.
"Überragendes öffentliches Interesse" auch für Wasser?
Die Politik sei zwar bemüht, aber nicht mit dem nötigen Nachdruck dahinter, meint Johannes Schnell, stellvertretender Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Bayern (LFV). "Wenn man sich mal ansieht, dass im Sektor Energie ein 'überragendes öffentliches Interesse' [externer Link] von der Politik formuliert wird, fragt man sich, warum beim Wasser, das für alle Prozesse, auch in der Wirtschaft, existenziell ist, mit freiwilligen Ansätzen und Förderprogrammen versucht wird, etwas zu machen." Das könne in Einzelfällen gut sein, bringe aber in Summe nicht die Effekte, die zeitnah gebraucht würden.
Der Freistaat verfolgt beim Thema Wasser unter anderem mit der "Wasserzukunft Bayern 2050" [externer Link] einen mittel- bis langfristigen Ansatz, der die Bereiche Wassersicherheit, Hochwasserschutz, Ökologie und Sozialfunktion umfasst. Wie ein Sprecher des Landesamts für Umwelt außerdem mitteilt, sei in Trockenperioden vorgesehen, kurzfristig Wasser aus den dafür vorgesehenen staatlichen Wasserspeichern zur Auffüllung von Flüssen zu verwenden. Dies werde aktuell etwa im Maineinzugsgebiet getan – mit Wasser aus dem Rothsee und dem Großen Brombachsee.
Experte: "Reine Symptombekämpfungen nicht sinnvoll"
Lösungen seien eher langfristiger Natur, sagt Schnell. Gegen einige Symptome könne schon heute etwas getan werden. So könne man etwa Fische bei Niedrigwasser gezielt abfischen und in geeignete Gewässer umsetzen. Solche reinen Symptombekämpfungen seien aber langfristig nicht sinnvoll.
Mit Blick auf die Schifffahrt würden teils Staustufen eingebaut werden, um den Wasserstand künstlich zu erhöhen. "Aus ökologischer Sicht ist das katastrophal", sagt Schnell, weil sich das langsamer fließende Wasser noch stärker erwärme. Das sei für viele der im Wasser lebenden Tiere schlecht.
"Wasser muss im Boden gespeichert werden"
"Wir müssen schauen, dass der Niederschlag, der am Boden auftrifft, dort gespeichert werden kann, wo der Tropfen auffällt, und nicht erst abläuft und dann irgendwo anders gesammelt wird", sagt Schnell, der beim LFV auch Leiter des Referats für Fischerei, Gewässer- und Naturschutz ist. Der Boden sei der größte Wasserspeicher, den wir haben. "Sie können in Bayern 1.000 Stauseen bauen, da bekommen Sie nicht das Wasser rein, das der Boden speichern könnte." Viele Böden seien drainiert worden, damit Wasser schnell abgeführt werden könne. Das sei für die Wasserspeicherung nicht sinnvoll. "Nur wenn die Speicher im Boden ausreichend voll sind, haben wir genug Wasser, das die Flüsse führen können."
So wäre es theoretisch auch bei Hochwasser wichtig, das Wasser nicht möglichst schnell abzuführen. Grundsätzlich sei es sinnvoller, es in der Fläche aufzusammeln, damit es im Boden versickern und dort gespeichert werden könne. Dieses Wasser fehle ansonsten in Trockenzeiten. Ein Hindernis sei, dass in den vergangenen Jahrzehnten so gebaut wurde, dass die an Flüsse angrenzenden Flächen Menschen gehören, die meist andere Interessen haben, als auf ihren Grundstücken Wasser versickern zu lassen.
Renaturierung von Mooren: "Wie riesige natürliche Schwämme"
Ein weiterer Aspekt, den bei BR24 "Schana" kommentierte: "Moore und naturnahe Flussauen wirken wie riesige natürliche Schwämme, die bei Starkregen große Wassermengen aufsaugen und in heißen Trockenperioden langsam wieder abgeben. Begradigte Flüsse lassen dagegen Regenwasser unkontrolliert und viel zu schnell abfließen, was zerstörerische Flutwellen auslöst. (…)"
Auch der Landesbund für Vogelschutz befürwortet die Moorrenaturierung und fordert ein "überragendes öffentliches Interesse" dafür. "Weil Moore eine Vielzahl an Funktionen im Bereich Hochwasserschutz, Klimaschutz und Artenschutz erfüllen", sagt Helmut Beran. Feuchtgebiete könnten mehr CO₂ speichern als trockene Böden und würden die Landschaft abkühlen.
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