Niedrigwasser der Donau in Regensburg
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Niedrigwasser: Minister will Donau-Ausbau – Experte widerspricht

Niedrigwasser: Minister will Donau-Ausbau – Experte widerspricht

Niedrigwasser hat die Binnenschifffahrt in Bayern weitgehend gestoppt. Verkehrsminister Bernreiter pocht darauf, die Donau schnell weiter auszubaggern: Das mache die Binnenschifffahrt zuverlässiger. Naturschützer und Grüne warnen vor den Folgen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Angesichts der massiven Beeinträchtigung der Binnenschifffahrt in Bayern durch Niedrigwasser drängt Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) auf einen möglichst zügigen Donau-Ausbau. "Wir treiben unsere Maßnahmen konsequent und entschlossen voran", sagte Bernreiter nach einer Schalte der Verkehrsminister von Bund und Ländern. "Besonders beim Ausbau der Donau müssen wir vorankommen, flussbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Abladetiefe rasch anpacken." Dabei werde auch ein verbesserter Hochwasserschutz berücksichtigt. Die Abladetiefe gibt an, wie tief ein beladenes Schiff im Wasser liegt.

Bund will Wasserstraßen ausbauen - Bernreiter: "Wichtiges Signal"

Bernreiter bezeichnete es als "wichtiges Signal", dass der Bund bedeutende Wasserstraßen wie die Donau weiter ausbauen wolle. Ziel ist den Angaben zufolge, die Abladetiefe um 20 Zentimeter zu erhöhen. So könnten Schiffe auch bei niedrigeren Wasserständen mehr Ladung transportieren. "Damit machen wir die Binnenschifffahrt zuverlässiger und attraktiver", betonte Bernreiter. Ein Schiff mit 3.000 Tonnen Ladekapazität und 110 Metern Länge ersetze rund 150 Lastwagen.

Bernreiter: Alle technischen Möglichkeiten nutzen

Der Ausbau der Donau ist laut Verkehrsministerium zentral für die Binnenschifffahrt. Der erste Bauabschnitt zwischen Straubing und Deggendorf sei erfolgreich abgeschlossen, nun folge der Bereich zwischen Deggendorf und Vilshofen. "Damit entlasten wir die parallel laufende Autobahn A3 und schaffen mit dem dringend notwendigen Hochwasserschutz die Voraussetzungen, damit in den Donaugemeinden wieder gebaut werden kann", erläuterte der Minister.

Der Freistaat trage – nach Abzug der EU-Förderung – ein Drittel der Kosten. Zwischen 2020 und 2025 habe Bayern für den Donausaubau inklusive der Maßnahmen für den Hochwasserschutz 311 Millionen Euro ausgegeben. "Außerdem wollen wir alle technischen Möglichkeiten nutzen – etwa mehr Schiffe mit geringem Tiefgang einsetzen, die für Niedrigwasser geeignet sind." Nötig seien dafür Förderprogramme des Bundes und der EU.

Im Video: Wassernot, Rekordhitze, Kliniken am Limit: Was tun gegen Hitzewellen? | ÜberBayern

LBV: Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser

Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) warnt derweil vor punktuellen Vertiefungen von Fahrrinnen. "Die Verkehrsminister reden über Symptombekämpfung, statt die eigentliche Ursache anzugehen", beklagte LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. "Die Klimakrise verändert unsere Flüsse – und darauf muss sich die Schifffahrt einstellen." Wer jetzt Milliarden in Vertiefungen stecke, riskiere ein Fass ohne Boden: "Die Bauprojekte dauern viele Jahre, während Extremwetter und sinkende Wasserstände den technischen Lösungen längst davonlaufen. Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser in den Flüssen."

Schon heute stünden Flüsse massiv unter Druck. "Vertiefungen würden die ökologischen Probleme der Flüsse weiter verschärfen", sagte Beran. Werde die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert, könne dies die Tiefenerosion verstärken. "Damit können sich Grundwasserstände absenken, was Probleme für die Landwirtschaft mit sich brächte." Stattdessen müssten Flüsse klimaresilienter werden – durch Renaturierung, die Wiederanbindung von Auen sowie den Schutz von Mooren und anderen natürlichen Wasserspeichern. "Wer Flüssen mehr Raum gibt, stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften gegenüber Dürre und Hochwasser."

Experte: Wassermangel könnte zunehmen

Ähnlich äußert sich auch der Agrarwissenschaftler und Wasserexperte Karl Auerswald: Die Schiffbarkeit würde nur kurzfristig verbessert, warnt der emeritierte Professor der TU München. Gleichzeitig bedeute der Ausbau von Donau oder Rhein, dass das Grundwasser im angrenzenden Flussgebiet abgesenkt werde. Die Folge: Der Wassermangel nehme sogar zu.

Genauso sieht es der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Hierneis: "Ein tieferes Flussbett kann wie eine Drainage wirken, die das Grundwasser aus der Umgebung zieht. Dann fehlen Wasser und Feuchtigkeit auch auf Feldern, in Auen und im schlimmsten Fall in Brunnen." Und nach dem nächsten Hochwasser liege ohnehin wieder neues Sediment in der Fahrrinne. Die Bagger müssten erneut anrücken.

Statt "noch mehr Natur unter die Baggerschaufel" zu bringen, müsse wieder mehr Wasser in der Landschaft bleiben, fordert Hierneis. Auch hier liegt er mit Wissenschaftler Auerswald auf einer Linie: Lebendige Auen, Renaturierung von Mooren, begrünte Städte und eine sparsame Landwirtschaft würden die Ursachen fehlender Wasserspeicher bekämpfen statt nur die Symptome.

Im Video: Streit um Ausbau der Wasserstraßen

Bundesverkehrsminister Bilger hat sich heute mit den Verkehrsministern der Länder beraten. Er setzt auf einen Ausbau der Wasserstraßen.
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Bundesverkehrsminister Bilger hat sich heute mit den Verkehrsministern der Länder beraten. Er setzt auf einen Ausbau der Wasserstraßen.

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