"Es ist einer der bedeutendsten historischen Momente in meinem Leben: Aufzustehen für Demokratie, die Menschen und die Rechtsstaatlichkeit", sagt Maura Werner. Sie ist US-Amerikanerin, lebt seit 15 Jahren in München. In ihren Händen hält Maura eine Flagge der USA. Sie ist heute gemeinsam mit ihrem Mann auf den Münchner Odeonsplatz gekommen – um zu demonstrieren gegen Donald Trump.
Sie sei nicht glücklich über die Politik des US-amerikanischen Präsidenten: "Für mich ist er ein Krimineller. Er zerstört unsere Demokratie. Die Menschen haben etwas Besseres verdient." So wie Maura sehen es viele andere, die sich heute bei strahlendem Sonnenschein zum Demonstrieren zusammengefunden haben. Sie halten Schilder in die Höhe. Auf denen stehen Slogans wie "Save Democracy", "Saying no Kings since 1776" oder "No crown for the orange clown".
Gründungsmythos als globale Marke
Was im Juni 2025 als Reaktion auf die US-Politik begann, hat sich bis heute zu einer weltweiten Protestbewegung ausgeweitet. "No Kings", auf Deutsch "Keine Könige", vereint laut Website über 300 Organisationen. Für den Protesttag am Samstag sind weltweit über 3.300 Veranstaltungen angekündigt, elf davon in Deutschland. Die Bewegung entstand in den USA als direkte Antwort auf die Regierungsführung von Präsident Donald Trump. Der Name leitet sich aus dem Gründungsmythos der USA ab: der Ablehnung monarchischer Willkür. Die zentrale Voraussetzung: In einer Demokratie darf unabhängig von seiner Machtfülle kein Herrscher über dem Gesetz stehen.
Seitdem wächst das Bündnis aus Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Bürgerrechtlern. In München sind es unter anderem die Organisationen "Democrats Abroad", "March for Science" und die "Omas gegen Rechts". Auf der Bühne werfen die Redner und Rednerinnen Trump an diesem Samstag vor, die USA wie ein König führen zu wollen, die Gewaltenteilung zu missachten und demokratische Institutionen gezielt zu untergraben. Sie kritisierten auch das gewaltsame Vorgehen der US-Behörde ICE.
Schulterschluss gegen den Rechtsruck
Ihre Kritik beschränkt sich aber nicht nur auf die USA. "Zum einen ist es Solidarität mit den amerikanischen Freunden, die die Veranstaltung in den USA machen. Zum anderen ist es ein Problem, das uns genauso betrifft", sagt Veranstaltungsleiter Florian Schlund und prangert einen zunehmenden Rechtsrutsch in Deutschland an. Und auch die New Yorker Sängerin Caro Kelley, die in Deutschland lebt und bei der Veranstaltung mit ihrer Band spielt, spricht von einem globalen Problem: "Menschen hier sagen zu mir: 'Warum machst du dir Sorgen? Du lebst doch nicht da.' Aber das ist doch nicht der Punkt. So funktioniert das nicht mehr. Wir leben alle auf dem gleichen Planeten. Es ist eine Team-Aufgabe."
Lautstarker Protest am Generalkonsulat
Nach Reden und Musik ziehen die Teilnehmer durch die Münchner Innenstadt, vorbei am amerikanischen Generalkonsulat. Direkt davor bleiben sie kurz stehen, machen laute Buhrufe und skandieren Slogans wie "ICE raus", "No Kings" und "Love not hate makes the people great". Insgesamt sind laut Polizei 250 bis 300 Menschen unterwegs, Veranstaltungsleiter Schlund spricht von 600.
Maura Werner, die auch schon bei der ersten "No Kings"-Demonstration im Juni 2025 dabei war, freut sich über die wachsende Mobilisierung: "Heute hier, das ist großartig. Es sind mindestens 200 mehr als die letzten Male. Die Bewegung wächst und wir sind stärker geworden." In Bayern fand neben München auch eine Protestaktion in Nürnberg mit etwa 50 Teilnehmern statt.
Im Video: "No Kings"-Proteste in München und Nürnberg
Teilnehmer an "No Kings"-Demo
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