Teilnehmer der Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften im Bayerischen Wald
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Noch Weltspitze? Wie es um den deutschen Biathlonnachwuchs steht

Noch Weltspitze? Wie es um den deutschen Biathlonnachwuchs steht

Das Abschneiden des deutschen Biathlonteams bei Olympia wurde scharf kritisiert. Auch bei der Jugend- und Junioren-WM im Bayerischen Wald ist der DSV-Nachwuchs nur selten ganz vorne zu finden. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Italien, bisher zwei Bronzemedaillen bei der Jugend- und Junioren-WM am Arber: In der Bilanz hinkt Biathlon-Deutschland den eigenen Ansprüchen aktuell etwas hinterher.

Auch wenn das Abschneiden mit Blick auf das vorhandene Potential im Weltcup und Juniorenbereich kein "Debakel" war, wie andere Medien schreiben, ist zu überlegen, was die Gründe für die diesjährigen Platzierungen sind. Warum gingen die Athleten im Biathlon bei den Olympischen Winterspielen in Italien bei den Medaillenplätzen oft leer aus und warum hat auch der Biathlonnachwuchs Mühe, auf die vorderen Ränge zu kommen? Die Gründe scheinen über die Grenzen des Leistungssports hinauszugehen.

Gesellschaftliches Ansehen des Leistungssports

Der Nachwuchskoordinator des Deutschen Skiverbands, Mark Hoffmann, sagt, dass er das gesellschaftliche Ansehen des Leistungssports in Deutschland momentan nicht als besonders wichtig wahrnehme. Er glaubt auch, dass starke Nationen uns definitiv etwas voraus hätten. Weiterhin äußert er die Erwartung, dass man Sportunterricht künftig nicht mehr streng bepunktet und auch die Bundesjugendspiele, bei denen die Debatte war, dass Dabeisein alles sei, davon betroffen seien. "Das sind Tendenzen, die uns im Leistungssport sicherlich nicht guttun", so Hoffmann.

Dass eine Karriere im Leistungssport für viele Kinder und Jugendliche nicht mehr erstrebenswert ist, ist laut DSV-Sportdirektor Felix Bitterling eine mögliche Folge. "Es wird immer schwieriger, junge Leute zu finden, die sich diese Quälerei Leistungssport antun wollen. Und von daher geht es am Ende darum, die ein, zwei, drei Juwelen zu finden, die dann zu feilen und zu hoffen, dass derjenige dann wirklich den Biss hat, auch Täler durchzustehen", sagt Bitterling, der nach der Saison aus persönlichen Gründen zur Internationalen Biathlon Union zurückkehrt.

Fehlende Vorbilder im Biathlon

Franziska Preuß war genau so ein Juwel. Nach vielen gesundheitlichen Tälern und dem Karrierehöhepunkt des Gesamtweltcupsiegs in der vergangenen Saison, hat Preuß nach Olympia ihre Karriere beendet. Ohne die letzte deutsche Weltmeisterin fehlt das ganz große Vorbild. "Klar fehlt im Weltcup jetzt einer, der konstant in die Top 3 läuft. Aber wir haben durchaus Leute, die dazu das Potenzial haben", sagt der 19-jährige Korbi Kübler aus Traunstein, der bei der WM in den Juniorenrennen an den Start geht. "Superstars wie Neuner oder Dahlmeier gibt’s nur jedes Jahrzehnt mal", ergänzt Sportdirektor Bitterling.

Diese Superstars kommen wie Preuß aus Bayern. Von den sieben DSV-Biathleten, die in dieser Saison in den sogenannten Olympiakader eingruppiert sind, stammen vier aus dem Freistaat. Der Olympiakaderstatus hat nur indirekt etwas mit Olympia zu tun. Um diesen Status vom DSV zu erhalten, muss ein Biathlet in der Vorsaison bei einer WM oder Olympia unter den Top 8 gelandet sein oder aber im Gesamtweltcup oder einem der Disziplinenweltcups in den Top 10. Auch im darunter angesiedelten Perspektivkader sind über 50 Prozent der Biathleten aus Bayern. In den Nachwuchskadern 1 und 2 ist das Bild ein anderes. Hier sind im Verhältnis deutlich weniger bayerische Biathleten vertreten.

Trainingsstringenz, mentale Stärke und verbessertes Material

Dass es aber nicht nur gesellschaftliche Grundsatzfragen und fehlende Vorbilder sind, die zu weniger Erfolgen führen, ist auch den DSV-Verantwortlichen klar. Auch intern müsse sich etwas verändern, sagt Sportdirektor Bitterling, und hat dabei vor allem drei Hauptfaktoren im Blick. "Erstens: bessere Abstimmung deutschlandweit für Athleten in demselben Altersbereich." Heißt: Biathleten im selben Altersbereich sollten über Stützpunkt- und Ländergrenzen hinweg ähnliche Trainingspläne haben. Als zweiten Punkt nennt Bitterling eine bessere und strukturiertere mentale Ausbildung. Als dritten Grund nennt der Sportdirektor einen Rückstand beim Material beziehungsweise der Skipräparation. Hier sei vor allem Frankreich einige Schritte voraus.

All das wolle und solle man auch nach seiner Zeit beim Deutschen Skiverband angehen. Denn letztlich müsse ein Teufelskreis durchbrochen werden: Ohne erfolgreiche Vorbilder könnten sich in Zukunft vielleicht noch weniger Kinder und Jugendliche für den Leistungssport Biathlon begeistern lassen.

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