Der letzte Auftritt von Franziska Preuß bei Olympia
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Biathlon-Star Franziska Preuß genießt neue Freiheit

Biathlon-Star Franziska Preuß genießt neue Freiheit

Franziska Preuß hat ihre beeindruckende Biathlon-Karriere beendet. In Blickpunkt Sport spricht sie exklusiv über mentale Stärke, internationale Freundschaften, neue Freiheit – und warum Langlaufen ohne Uhr plötzlich ganz anders ist.

Über dieses Thema berichtet: Blickpunkt Sport am .

Eine Woche nach dem letzten Rennen ihrer Karriere schwärmt Franziska Preuß vom Langlaufen. Nicht nur, weil sie den Sport liebt, sondern auch, weil es jetzt nach dem Karriereende ein ganz anderes Erlebnis ist. "Bei Sonnenschein, ohne Uhr. Man konnte stehenbleiben, man konnte einkehren. Das ist schon etwas Neues und das genieße ich gerade sehr", erzählte die Ruhpoldingerin in "Blickpunkt Sport".

Franziska Preuß: Eine erfolgreiche Karriere endet bei Olympia

Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo sind für die 31-Jährige nicht so verlaufen wie erhofft. Schon im Vorhinein war klar, dass das ihre letzten Spiele sein würden. Wie schön wäre es für sie gewesen, nochmal eine Einzelmedaille zu holen. Aber: "Olympische Spiele und ich, wir werden einfach keine Freunde. Es war der Wurm drin."

Eine Woche später schon scheint das nicht mehr wichtig zu sein. Denn Franziska Preuß kann mit Stolz auf eine Karriere voller Erfolge zurückblicken. 2x Olympia-Bronze, 2x WM-Gold, 6x WM-Silber, 3x WM-Bronze - das ist eine beeindruckende Bilanz. Dazu die große Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg, 2x die kleine Kristallkugel im Massenstart und 1x im Sprint.

Disziplin und mentale Stärke - der Schlüssel zum Erfolg

Wie sie es zu all diesen Erfolgen geschafft hat? Natürlich mit intensivem Training. Bei der Oberbayerin sticht aber ein weiterer Faktor besonders hervor: Mentalität. Ihre Karriere war durchzogen von Rückschlägen, von Verletzungen und Krankheiten - obwohl sie doch alle Maßnahmen getroffen hatte, um dem zu entgehen. Weihnachten feierte ihre Familie draußen im Garten, zum Schutz vor Viren setzte sie manchmal gleich drei Masken auf, ihr Lebensgefährte Simon Schempp wurde vor wichtigen Rennen ins Gästezimmer ausquartiert. Alles, nur um ja nicht krank zu werden.

"Gerade das Thema Gesundheit war bei mir einfach immer präsent. Da wollte ich alles für tun, weil es gibt nichts Schlimmeres für einen Sportler, als im Winter krank zu sein. Das ganze Jahr trainiert man und opfert so vieles und dann mag man zumindest 'part of the game' sein und nicht daheim krank auf dem Sofa liegen", erzählte Preuß in "Blickpunkt Sport".

Und wohin führte diese Disziplin? Natürlich zu Erfolgen. Ein Highlight, das besonders heraussticht: Die Goldmedaille in der Verfolgung bei der Biathlon-Weltmeisterschaft 2025 in Lenzerheide. Mit null Fehlern im Schießen und einer knappen Minute Vorsprung ging sie in die Schlussrunde. Ein Jahr später schwelgt sie in Erinnerungen: "Ich hätte es nie gedacht, dass ich das mal erleben darf. (...) Da war ich wirklich baff."

"Eine neue Freiheit" - Was Preuß nicht vermissen wird

Um sich so einen deutlichen Sieg zu erarbeiten, braucht es enorme mentale Stärke, die Franziska Preuß bei der WM bewiesen hat. Genauso wie in der gesamten Saison 2024/25, als sie sich die große Kristallkugel sicherte. "Man hat so streng zu sich sein müssen mental, dass man nie den Glauben verliert. Das hat mir schon viel Energie gezogen."

Immer an sich glauben, das leert die mentalen Akkus. Dann fängt man auf einmal an, darüber nachzudenken, was man an dem Sport nicht mag. Auf Preuß' Liste an Dingen, die sie nicht vermissen wird, steht ganz oben: „Unser Meldesystem vom Anti-Doping. Das war die schönste E-Mail, sich jetzt da abzumelden, dass man nicht mehr jede Nacht angeben muss, wo man schläft. (…) Das ist eine neue Freiheit.“

Was Preuß vermissen wird: "Internationale Freundschaften"

Aber natürlich gibt es in Preuß' Leben auch Dinge, die den Akku wieder aufladen. Auf der Liste stehen auch Aspekte, die sie auf jeden Fall vermissen wird. "Die internationalen Freundschaften, die man geschlossen hat. Das ist wirklich etwas Besonderes, auch Team-intern. Mir ist das im Sommer mit der Laura (Dahlmeier, Anm. d. Redaktion) auch bewusst geworden, wie besonders das eigentlich ist, was wir zusammen erleben. Die Emotionen. Die Aufs und Abs."

Die verstorbene Biathletin Laura Dahlmeier wäre sicherlich enorm stolz auf die Karriere von Franziska Preuß. Genauso wie die italienische Weltcup-Konkurrentin Dorothea Wierer. Gemeinsam beendeten die Biathletinnen bei Olympia ihre Karrieren, drehten nochmal eine Ehrenrunde und ließen sich feiern. Freundschaften - selbst mit der Konkurrenz - sind ein wichtiger Faktor für Preuß' mentale Stärke.

"Doro ist ja schon die 'Queen of Biathlon'. Sie ist so bodenständig, immer total interessiert, wie es einem geht. Auch, wie es unseren jüngeren Mädels im Team geht." Jetzt können beide gemeinsam ihre sportliche Rente genießen.

Nun die Disziplin und Mentalität mal Nebensache sein zu lassen, ist für Franziska Preuß gar nicht so einfach. Nach Olympia war sie mental immer noch im Modus: "Als es nicht so gelaufen ist: Oh, jetzt muss ich mich wieder aufbauen. Und dann realisiert: Ah nee, muss ich mich jetzt gar nicht mehr." Wie gut, dass sie nun den Rest ihres Lebens Zeit hat, sich daran zu gewöhnen.

Dieser Artikel ist erstmals am 2.03.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.