Haus 14 in der Münchner Studentenstadt.
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Haus 14 in der Münchner Studentenstadt: Hier wohnt Studentin Olena in einer Notunterkunft.
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Haus 14 in der Münchner Studentenstadt: Hier wohnt Studentin Olena in einer Notunterkunft.

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Notunterkunft für Studierende: Das kostet ein Zimmer ohne Bett

Notunterkunft für Studierende: Das kostet ein Zimmer ohne Bett

Wer in München zum Semesterstart noch wohnungslos ist, kann in einer Notunterkunft in der Studentenstadt ein Dach über dem Kopf finden. Unter welchen Bedingungen die Studierenden dort hausen – und was das Studierendenwerk dazu sagt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Nur das Allernötigste ist in der Notunterkunft des Studierendenwerks in Haus 14 der Studentenstadt vorhanden. Vor allem ausländische Studierende haben dort seit Anfang Oktober eine Bleibe gefunden. Und nach Not sieht es dort auch aus. Zwei Matratzen auf dem Boden eines zwölf Quadratmeter großen Zimmers – das ist das Appartement von Olena und ihrer Mitbewohnerin. Die Toiletten und Gemeinschaftsduschen sind dreckig, im Flur riecht es modrig. Sauber gemacht hat vor ihrem Einzug in die Notunterkunft niemand. Dafür verlangt das Studierendenwerk pro Woche jeweils 70 Euro von den beiden Studentinnen.

Bettgestelle herausgeräumt

Warum Bettgestelle, Schränke und sonstiges Mobiliar, das zuvor noch in den Zimmern war, entfernt wurden, kann Olena nicht verstehen. "Das sind Sachen, die sowieso weggeworfen werden, und die niemand mehr benutzt. Also warum gibt man sie nicht einfach Menschen, die sie wirklich brauchen?", sagt sie.

Vom Studierendenwerk heißt es dazu, die Unterkunft sei nur auf die Grundbedürfnisse abgestimmt. Man wolle einen schnellen Ein- und Auszug ermöglichen. Nachdem es Anfang November erste Beschwerden gegeben habe, habe man denjenigen Bewohnern, die das wünschen, aber Bettgestelle zur Verfügung gestellt. Dass die Notunterkunft eher ein "Matratzenlager" ist, sei außerdem Tradition.

Gemeinschaftsräume wochenlang nicht geputzt

Olena ist aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Für die 41-Jährige, die hier nochmal ein Studium an der TU München aufgenommen hat, sind 70 Euro pro Woche viel Geld. Auf einer Matratze zu schlafen, das kann Olena akzeptieren. Dass die Duschen bei ihrer Ankunft verstopft und dreckig waren, macht sie aber sauer. "Selbst, nachdem der Hausmeister informiert war, ist nichts passiert." Am Ende hat sie den Abfluss selbst gereinigt.

Auch für die übrigen Gemeinschaftsräume ließ die Putzkolonne auf sich warten, das sagen auch andere Bewohner der Notunterkunft. "Wir hatten ein Stück Papier im Flur auf dem Boden liegen, das uns als Markierung gedient hat", sagt Olena spöttisch. Das habe dort mehr als zwei Wochen an derselben Stelle gelegen. "So konnten wir sehen: Hier wird nicht geputzt."

Kein Zugang zu Waschmaschinen

In den Häusern in der Hans-Leipelt-Straße direkt gegenüber vom U-Bahnhof "Studentenstadt" gibt es normalerweise auch Waschmaschinen. In Haus 14, wo Olena zusammen mit derzeit acht Studierenden wohnt, fehlen die Waschmaschinen. Als sie die Verwaltung um den Zugang zu Waschmaschinen in anderen Häusern bat, lehnte diese jede Hilfe ab. Sie müsse eben rumfragen, ob sie jemand waschen lässt. Yassine, ein Freund von Olena aus Haus 4 am anderen Ende der Studentenstadt, schließt ihr deshalb auf. "Das ist das Mindeste, was ich tun kann", sagt der 21-jährige Student.

"Das teuerste Zimmer in der Studentenstadt"

Für ein geteiltes Zimmer in der Notunterkunft 70 Euro pro Woche und Person zu verlangen, findet Yassine unangemessen: "Auf einen Monat hochgerechnet sind das zusammen 560 Euro. Das wäre das teuerste Zimmer in der Studentenstadt." Zum Vergleich: Ein möbliertes Einzelapartment in den übrigen Häusern der Hans-Leipelt-Straße kostet maximal 505,50 Euro.

Gewinn mache das Studierendenwerk mit den Notunterkünften aber nicht, teilt eine Sprecherin mit. Im Gegenteil: Die 70 Euro Wochenmiete seien nicht einmal kostendeckend für die Ausstattung mit Matratzen und die Reinigung der Notunterkunft – die Reinigung, die laut Olena wochenlang ausblieb.

Schimmel einfach überstrichen

Dass Haus 14 seit Oktober nicht mehr als reguläres Wohnheim genutzt wird, begründet das Studierendenwerk mit der "verbrauchten Bausubstanz" des Gebäudes. Anfang des Semesters sind deshalb die letzten Studierenden ausgezogen. Dann kam die Notunterkunft. Zwar scheint der Schimmel an den Wänden dort auch vorher schon ein Problem gewesen zu sein, erzählt Olena, aber erst nach wiederholten Beschwerden kümmert sich das Studierendenwerk – und lässt die betroffenen Wände in den Zimmern von Haus 14 einfach neu streichen. Entfernt wurde der Schimmel nicht, erzählt die Studentin.

Studierendenwerk räumt Fehler ein

Das Studierendenwerk gibt zu, man habe das Gebäude vor dem Einrichten der Notunterkunft nicht ausreichend überprüft. Dies sei jedoch ein einmaliges Versäumnis gewesen. Bei den Notunterkünften in den Vorjahren, zum Beispiel in Sporthallen, habe es noch nie Beschwerden gegeben.

Die diesjährige Notunterkunft in Haus 14 schließt am 28. November. Was danach mit dem Gebäude passiert, darüber verhandelt das Studierendenwerk noch mit der Stadt. Ein Abriss gilt aber als wahrscheinlich. Wohin Olena Ende November ziehen soll, weiß sie noch nicht.

Dieser Artikel ist erstmals am 20.11.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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