Nürnberg ist die erste deutsche Stadt, in der Fahrdienstvermittler Bolt vollelektrische Kleinstfahrzeuge eingeführt hat. Zehn chinesische Microcars sind in der Innenstadt unterwegs und sollen vorrangig Kurzstrecken bis zu vier Kilometern Länge innerhalb des Nürnberger Altstadtrings abdecken.
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Der Service werde nach der jetzt dreiwöchigen Testphase bereits sehr gut angenommen, erklärt Christoph Hahn, Chef des Fahrdienstleisters Bolt Deutschland mit Sitz in Berlin, gegenüber BR24. "Wir haben Daten gewonnen, wie sich das Mobilitätsgebaren der Bürger darstellt, und wir haben festgestellt, dass sich der Anteil von kurzen Fahrten in Nürnberg nach oben entwickelt", sagt Hahn.
Pilotprojekt in Nürnberg: Kleine Flitzer für die kurze Strecke
Zehn sogenannte "Little Bolts", also kleine Flitzer, hat jetzt der Mietwagenbetreiber Mars für Bolt eingeführt – das ist in Deutschland noch einmalig. Bislang wurden auch in Nürnberg die Fahrgäste mit großen Limousinen ähnlich wie beim Taxi transportiert. In wenigen Wochen werde das Angebot bundesweit in Großstädten zur Verfügung stehen, so Hahn weiter.
Zunächst habe die Kleinwagen-Flotte "Little Bolt" von vielen Fahrten während des Nürnberger Christkindlesmarktes profitieren können, so der Geschäftsführer des Flottenbetreibers Mars Holding, Ali Miran. Mars Holding ist einer von vielen Mietwagenbetreibern, die für den Plattformanbieter Bolt Fahrzeuge mit Fahrern anschaffen und in den Dienst stellen. Sitz von Mars ist in Nürnberg. Aber auch jetzt, im neuen Jahr, sei die Zahl der Fahrgäste, die etwa schnell zum Arzt oder mit den Einkäufen zur Bahn gefahren werden wollen, stetig gestiegen, sagt Miran.
"Little Bolt": Bis zu 20 Prozent günstiger als mit großen Autos
Die Kleinstwagen des chinesischen Herstellers BYD seien im Vergleich zu den Fünfsitzern, die sonst üblich sind, erheblich günstiger in der Anschaffung wie auch im Unterhalt und könnten bis zu drei Personen ohne Gepäck befördern. Diese Einsparungen sollen sich in den Preisen niederschlagen: Bis zu 20 Prozent weniger als bislang üblich soll eine Fahrt mit dem "Little Bolt" kosten.
Die Taxigenossenschaft Nürnberg wehrt sich seit zwei Jahren gegen den Konkurrenten. Sie fürchtet dramatische Einbrüche.
Video: Taxis gegen BOLT - Der Kampf um jeden Fahrgast
Moderne Fahrdienste wie Bolt mischen den Taximarkt in Nürnberg auf. Die Taxler fürchten deshalb um ihre Jobs.
Eine Anfrage von BR24 zu "Little Bolt" blieb zunächst unbeantwortet. Die Aufsichtsbehörde der Taxiunternehmen, die Stadt Nürnberg, lässt derzeit ein Gutachten erstellen, das die Marktentwicklung in der Personenbeförderung genau unter die Lupe nimmt. Untersucht wird die Entwicklung auch in Erlangen, Fürth und Schwabach. Denn: Taxen gehören zum öffentlichen Personennahverkehr.
Stadt Nürnberg will notfalls Mindestpreise festlegen
Nürnbergs Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch sagt auf Nachfrage von BR24, sollte durch das jüngste Angebot ein Ungleichgewicht entstehen, das den ÖPNV in Gefahr bringe, hätte die Stadt Möglichkeiten zu reagieren. Vorstellbar wäre dann, dass auch für Fahrten mit "Little Bolt" Mindestpreise festgelegt würden. Weil eine solche Entscheidung vermutlich aber vor Gericht angefochten werden würde, brauche es zunächst eine gute Datengrundlage. Ein entsprechendes Gutachten soll bis April auf dem Tisch liegen.
Auch in München hatten Taxifahrer solche Mindestpreise für Bolt und andere Mitbewerber bereits gefordert. Der Stadtrat hat sich jedoch zunächst dagegen entschieden.
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