(Archivbild) Donald Trump signiert eine rote "MAGA"-Kappe
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(Archivbild) Verrät Donald Trump seine MAGA-Basis?
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Venezuela, Grönland und mehr – verrät Trump seine MAGA-Basis?

Venezuela, Grönland und mehr – verrät Trump seine MAGA-Basis?

Nach dem Eingreifen in Venezuela droht US-Präsident Trump auch Grönland. Und auch dem Iran. Widerspricht das dem Wahlkampf-Versprechen, keine außenpolitischen Abenteuer einzugehen? Keine "endlosen Kriege" mehr, nur noch "America first"? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Politik und Hintergrund am .

Als Donald Trump kurz nach der Gefangennahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro gefragt wurde, ob dies nicht seinem Motto "America first" widerspreche, sagte Trump: Nein, die Aktion diene genau diesem Grundsatz. "Wir wollen gute Nachbarn, wir wollen gutes Öl, das alles nutzt uns", meinte er und ergänzte: "Make Venezuela great again."

Trump ist kein Isolationist

Wer geglaubt hatte, Trump sei Isolationist, weil er ständig "Amerika zuerst" ruft, sieht sich getäuscht. Das zeigen auch die anhaltenden Drohungen gegenüber Grönland. Im Interview mit der New York Times bekräftigte Trump, die USA müssten Grönland "besitzen". Dies sei "psychologisch notwendig für den Erfolg". Wiederholt hat Trump seinen Anspruch auf Grönland mit der nationalen Sicherheit der USA begründet. Auch die Naturschätze der teilautonomen Insel, die zum Nato-Mitglied Dänemark gehört, spielen offensichtlich eine Rolle.

In erster Linie beansprucht Trump die Kontrolle über den gesamten amerikanischen Kontinent, also ganz Mittel- und Südamerika, aber auch Kanada – und nach seinem Verständnis Grönland. Dass Lateinamerika aus Trumps Sicht wieder zum "Hinterhof" der USA wird, in einer Neuauflage der vor zwei Jahrhunderten begründeten Monroe-Doktrin, ist auch in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie nachzulesen. Der gesamtamerikanische Großraum gehört uns, lautet Trumps in "Donroe-Doktrin" umgetaufter Anspruch.

Europa soll bezahlen

Doch sein außenpolitischer Aktivismus endet hier keineswegs. Trump bleibt, etwa mit Blick auf Israel und Gaza, auch im Nahen Osten engagiert. Er hat iranische Atomanlagen bombardiert und droht dem Regime in Teheran im Zuge der aktuellen Protestwelle erneut. Auch Europa spielt weiterhin eine Rolle, wenn es – siehe Nato und Rüstungsausgaben – bezahlt.

Der Versuch, den Ukraine-Krieg zu beenden, ist wiederum stark auf wirtschaftliche Interessen der USA ausgerichtet. Und auf Trumps offensichtliche Faszination für andere "starke" Männer, hier für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Von der Machtfülle seines chinesischen Counterparts Xi Jinping scheint Trump ebenso beeindruckt. Doch auch den asiatischen Raum will er keineswegs allein China überlassen, zu groß sind die wirtschaftlichen Interessen der USA auch dort.

"Nur mein Verstand kann mich stoppen"

Trump zieht sich nicht aus der Weltpolitik zurück, er agiert nur auf völlig neue Weise. Strikt orientiert an von ihm selbst definierten nationalen Interessen, fixiert auf realpolitische Dominanz und Macht. Internationale Regeln, Organisationen und Bündnisse sind ihm suspekt, sie behindern in seiner Sichtweise US-Interessen, statt sie zu fördern.

"Ich brauche kein internationales Recht", betonte er im New York Times-Interview. Und auf die Frage, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe, entgegnete Trump, da gebe es nur eine Sache: "Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann."

Was macht das alles mit Trumps Make-America-great-again-Bewegung? Die Gefangennahme Maduros hat zunächst für viel Zustimmung, teils Begeisterung gesorgt. Selbst Trumps früherer Berater Steve Bannon, der als isolationistisch gilt, nannte den Militäreinsatz in seinem Podcast "beeindruckend, mutig und brillant".

Kritik aus dem MAGA-Lager

Mit scharfer Kritik reagierte Marjorie Taylor Greene, Ex-Abgeordnete aus Georgia, die sich vor allem aufgrund der Epstein-Affäre mit Trump überworfen hat: "Die Abneigung der Amerikaner gegen die endlose militärische Aggression und Unterstützung ausländischer Kriege durch ihre eigene Regierung ist gerechtfertigt, weil wir gezwungen sind, dafür zu bezahlen", schrieb sie auf der Plattform X und ergänzte mit Blick auf Trumps Versprechen, weniger Krieg zu führen: "Was haben wir uns geirrt!"

Fünf republikanische Senatoren haben inzwischen für einen von den Demokraten eingebrachten Gesetzentwurf gestimmt, der mit Blick auf Venezuela künftige US-Militäreinsätze ohne Zustimmung des Kongresses verbieten würde. Doch dieses Ausscheren bleibt symbolisch: Selbst wenn beide Kongresskammern dem Gesetz zustimmen, kann Trump sein Veto einlegen. Vorsorglich schimpfte der Präsident auf seiner Plattform Truth Social, die fünf Senatoren sollten "nie wieder gewählt werden".

Noch gibt es keinen breiten Widerstand der republikanischen Basis, auch wenn erste Risse erkennbar sind. Viel wird davon abhängen, ob sich Trumps außenpolitischer Aktionismus tatsächlich positiv auf die US-Wirtschaft auswirkt. Bisher ist etwa der angekündigte Nutzen aus venezolanischem Öl nur ein Versprechen.

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