Ein junger Polizist in Ausbildung hält eine Schirmmütze der Bayerischen Polizei unter dem Arm.
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Junger Polizist in Ausbildung. (Symbolbild)
Bildrechte: pa/dpa | Matthias Balk
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Polizist in Bayern: Wunschberuf mit hoher Abbrecherquote

Polizist in Bayern: Wunschberuf mit hoher Abbrecherquote

Wie gut sind künftige Polizistinnen und Polizisten auf ihren Alltag vorbereitet – und unter welchen Bedingungen lernen sie? Bei der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg werden Hunderte ausgebildet – es ist die größte Polizeidienststelle Bayerns.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

In Bayern wollen immer noch viele junge Menschen Polizistin oder Polizist werden: aus Überzeugung, aus einem alten Kindheitstraum heraus oder für einen bewussten Neuanfang. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die ihre Ausbildung wieder abbrechen. Bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz werden viele Nachwuchskräfte ausgebildet – es ist die größte Polizeidienststelle Bayerns.

Von der Bank zur Polizei

Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums liegt die Abbruchquote von jungen Polizisten in Ausbildung inzwischen bei bis zu 17 Prozent – so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. In Sulzbach-Rosenberg starten jedes Jahr Hunderte Anwärterinnen und Anwärter in den Polizeidienst. Viele kommen direkt von der Schule, andere wechseln ganz bewusst aus sicheren Berufen zur Polizei.

Eine von ihnen ist Isabella aus Neumarkt in der Oberpfalz. Die 22-Jährige hat Bankkauffrau gelernt, Bankfachwirtin gemacht und in der Beratung gearbeitet. Sie sagt, ihr Job in der Bank habe zwar Spaß gemacht, aber sie habe schon früher immer zur Polizei gewollt - das sei eigentlich ein Kindheitstraum gewesen - und genau deshalb habe sie den Schritt jetzt gewagt.

Die Realität der Nachwuchs-Polizisten

In der Ausbildung prallen viele dann schnell auf die Realität: Schichtdienst, Sport, strenge Regeln und ein enger Takt zwischen Theorie und Praxis. Die Bayerische Polizeigewerkschaft verweist seit Längerem darauf, dass nicht nur die Anforderungen, sondern vor allem die Rahmenbedingungen viele Nachwuchskräfte belasten.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Bayern, Jürgen Köhnlein, spricht von einem aktuellen Konflikt um eine aus seiner Sicht nicht leistungsgerechte Bezahlung der Staatsbediensteten [externer Link]. Er kritisiert außerdem, dass Teilzeitangebote im Beamtenbereich eingeschränkt werden. Das sei für die Attraktivität des Beamtentums insgesamt sehr kontraproduktiv. Hinzu komme aus Sicht der Gewerkschaft ein Investitionsstau – etwa bei Unterkünften und Ausstattung der Ausbildungsstandorte.

Innenministerium: Es wird daran gearbeitet

Bayerns Innenministerium bestätigt, dass es Handlungsbedarf gibt, und verweist auf laufende Verbesserungen bei der Infrastruktur. An den Polizeischulen werde etwa daran gearbeitet, Mehrbettzimmer abzubauen und Ausbildungsgebäude zu sanieren.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betont, man müsse noch vieles voranbringen – von moderner Ausstattung über Fitnessangebote bis hin zu verbesserten Rahmenbedingungen insgesamt. Allerdings sei man zuversichtlich, dass sich die Situation für die Anwärterinnen und Anwärter verbessern werde. An der Bezahlung und den begrenzten Möglichkeiten für Teilzeit ändert das vorerst wenig: Hier gibt es bisher keine grundlegenden Zusagen.

Polizist: Ein echter Wunschberuf?

Trotz dieser offenen Punkte entscheiden sich viele für den Einstieg in den Polizeidienst – und gegen ein bequemeres Arbeitsleben. Benedikt ist 29 Jahre alt und kommt aus dem Landkreis Passau, er ist ein Beispiel dafür. Er hatte sich bereits vor drei Jahren einmal beworben und hätte schon anfangen können. Damals war er sich wegen des Kinderwunschs und der Frage, ob er seine Heimat verlassen soll, noch nicht sicher – und blieb zunächst zu Hause.

Inzwischen, sagt er, laufe alles gut, und er habe sich gedacht, er bewerbe sich noch einmal, ziehe das jetzt durch – und sei deshalb heute in der Ausbildung. Solche Geschichten machen deutlich: Der Beruf Polizistin oder Polizist in Bayern ist für viele ein echter Wunschberuf geblieben. Gleichzeitig zeigt die steigende Abbruchquote, wie groß der Druck ist, die Bedingungen in Ausbildung und Dienst so zu verbessern, dass aus dem Wunsch kein Frust wird. Denn jede und jeder, die oder der die Ausbildung vorzeitig beendet, fehlt später draußen auf der Straße.

Im Video: Gewalt gegen Polizisten – Angeschlagen zurück im Dienst

Drei Männer in dunkelblauen Uniformen mit der Aufschrift "Polizei" stehen in der Dunkelheit beieinander.
Bildrechte: BR/Sebastian Sitzberger
Videobeitrag

Gewalt zu erfahren kann auch für Polizistinnen und Polizisten traumatisch sein.

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