Manuel Neuer war zu Scherzen aufgelegt. "Das ist ja eine Frechheit! Dann ist das ein Torwartfehler", schmunzelte der 40-Jährige über das Gegentor ins Mikrofon von Prime Video. Der Torwart hatte seinen FC Bayern München gerade mit einer herausragenden Leistung zu einem 2:1-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gehext.
Neuer dreht auf der größten Bühne die Uhr zurück
Nicht gegen irgendjemanden, sondern gegen Real Madrid. Gegen das Starensemble mit den ewigen Ballon-d’Or-Kandidaten Vinicius Junior, Kylian Mbappe und Jude Bellingham. Auswärts im legendären Estadio Santiago Bernabeu. Viel größer wird die Bühne für einen Fußballer nicht mehr. Wer hier besteht, kann überall bestehen. Nicht, dass es echte Zweifel an Neuer gegeben hätte.
Schließlich hat der Bayern-Kapitän so gut wie alles gewonnen, was man gewinnen kann. Weltmeister, zweimaliger Champions-League-Sieger, zwölfmaliger Deutscher Meister und ganz nebenbei auch fünfmaliger Welttorhüter ist der Routinier.
"Frechheit" als Mini-Makel von Neuers Leistung
Trotzdem macht das Alter auch vor Sport-Legenden nicht Halt. Und so war Neuers Auftritt noch ein Stück beeindruckender, als er es ohnehin schon gewesen wäre. Ein ums andere Mal war der gebürtige Gelsenkirchener an diesem Dienstagabend gegen Real zur Stelle. Neun Paraden standen am Schluss für Neuer zu Buche. Eine phänomenale Leistung.
Beinahe hätte sein Auftritt auch zu einer weißen Weste gereicht, wäre da nicht die "Frechheit" von Kylian Mbappe in der 74. Minute gewesen. Der Franzose war nach einem starken Zuspiel durch Trent Alexander-Arnold aus kurzer Distanz vor dem Tor von Neuer aufgetaucht und hatte drauf gehalten.
Video: Pavlovic beeindruckt von Neuer
Manuel Neuer
Neuer immer wieder zur Stelle
Neuer hechtete in sein Gehäuse und lenkte den Ball noch an die Latte, von wo er – wie die TV-Bilder im Anschluss zeigten – aber hinter die Linie prallte. Dabei blieb es aber letztlich, weil Neuer mit Ausnahme von zwei Wacklern im Spielaufbau in der ersten Halbzeit fehlerlos blieb und dabei auch Unaufmerksamkeiten seiner Vorderleute ausbügelte.
Symbolisch dafür war eine Szene aus der 61. Minute, als Dayot Upamecano einen langen Ball versehentlich in die Füße des durchstartenden Vinicius köpfte. Neuer lief dem Brasilianer entgegen. Der drehte nach rechts ab, versuchte, am Deutschen vorbeizuziehen, der ihm auf den Fersen blieb. Letztlich verfehlte der abgedrängte Vinicius das Tor aus spitzem Winkel.
Pavlovic baff: "Was der heute wieder abgeliefert hat"
Der Fehlschuss war dabei das Endergebnis von Neuers perfektem Stellungsspiel. Dabei dürfte aber auch eine ordentliche Prise Neuer-Aura eine Rolle gespielt haben, die den sonst so treffsicheren Vinicius kurzzeitig die Nerven verlieren und den Ball neben den Kasten setzen ließ.
Das Lob aus den eigenen Reihen war Neuer jedenfalls sicher. "Manu hat eine bravouröse Leistung gezeigt und uns heute in der ein oder anderen Situation gerettet", lobte etwa Sportvorstand Max Eberl. Aleksandar Pavlovic zeigte sich ebenfalls beeindruckt: "Was der heute wieder abgeliefert hat, ist Wahnsinn. Es hat wieder die ganze Welt gesehen, dass er auch in dem Alter so wichtig für uns ist. Er hat ein überragendes Spiel gemacht."
Manuel Neuer
Neuers Zukunft immer noch offen
Neuer selbst wollte seine Leistung nicht zu hoch hängen. "Es macht mir Spaß, mit den Spielern, in der Mannschaft, mit dem Trainerteam, in dem Verein. Deshalb bin ich trotz meiner 40 Jahre immer noch dabei", meinte er mit Blick auf sein Alter. Von den unweigerlich aufkommenden Fragen zu einem Comeback im Tor der deutschen Nationalmannschaft für die anstehende WM wollte Neuer indes nichts wissen. Sein Fokus liegt auf Bayern, auf seiner vielleicht letzten Saison als Profi, auch wenn er nicht müde wurde, zu betonen, dass die Entscheidung über seine Zukunft noch nicht gefallen ist.
Bei den FCB-Granden dürfte man hoffen, dass er noch ein Jahr dran hängt. Denn auch wenn der designierte Neuer-Erbe Jonas Urbig zuletzt durchaus beeindrucken konnte, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass die Bayern das Hinspiel gegen Real mit einem anderen Torhüter gewonnen und damit die schwarze Serie von neun sieglosen Partien am Stück gegen die Königlichen beendet hätten.
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