Polizist Tim Wiedecke im Gespräch mit einem Rennradfahrer
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Fahrradkontrolle im Perlacher Forst im Süden von München
Bildrechte: Boris Berg / BR
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Rasende Radler: Was die Polizei unternimmt - und was nicht

Rasende Radler: Was die Polizei unternimmt - und was nicht

Keine Knautschzone, kaum Schutz - Radfahrer sind im Straßenverkehr häufig die Opfer von Unfällen. Doch es gibt auch Radler, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Die Polizei versucht daher, mit besonderen Aktionen für mehr Rücksicht zu werben.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Bei Rennradfahrern hat die Linienstraße im Perlacher Forst fast so etwas wie Kult-Status. Der geteerte Weg zwischen München und der Gemeinde Oberhaching, eigentlich vor allem für Berufspendler gedacht, ist längst zur Ausgangsbasis für Radtouren geworden. "Wer mit dem Rennrad Sport machen möchte, trifft sich hier", sagt Tim Wiedecke von der zuständigen Polizeiinspektion, der dort einen Aktionstag zur Verkehrssicherheit organisiert hat.

"So was von rücksichtslos"

Offiziell sind hier 30 km/h erlaubt, doch viele Rennradler wissen das gar nicht und sind deutlich schneller unterwegs. Viele würden auch die "rechts vor links"-Regel nicht beachten, ergänzt Wiedecke: Die geradlinig asphaltierte Straße erwecke zwar den Eindruck einer bevorrechtigten Nutzung, "doch auch, wer von einer kleinen Stichstraße von rechts kommt, hat Vorfahrt". Brenzlige Situationen sind die Folge; Beschwerden von Anwohnern, die mit dem Auto kaum aus ihrer Garage kommen; aber auch Beschwerden von Fußgängern und langsameren Fahrradfahrern: "So was von rücksichtslos", klagt eine 84-jährige Frau, an vielen Tagen traue sie sich gar nicht mehr in den Wald.

Fahrrad-Blitzer – gewünscht, aber noch nicht möglich

Auch ein junger Rollerblader gibt ihr Recht: Nicht nur, dass die Zahl der Radfahrer zunehme, einige der Rennradler seien auch zunehmend aggressiv – "richtige Verkehrsrowdies", sagt er. Den Aktionstag der Polizei findet er daher super. Dabei sind die Möglichkeiten der Polizei beschränkt. Einen Fahrrad-Blitzer, den sich Anwohner wünschen, gebe es noch nicht, weil es weder eine zugelassene Messtechnik noch die notwendigen technischen Gutachten gebe, erläutert Tim Wiedecke. Er setzt daher an diesem Präventionstag vor allem auf Gespräche und Überzeugungsarbeit.

Bekannte Radwege an Seen und Flüssen bergen oft Gefahren

Gefahren durch rasende Radler entstehen auch an anderen Orten. Das ist beispielsweise der Fall an beliebten Radstrecken wie beim Bodensee-Radweg oder dem Forggensee-Radweg im Ostallgäu, wie die Polizeiinspektion Schwaben Süd/West in Kempten mitteilt. Die Polizeiinspektion München verweist neben der Rennstrecke im Perlacher Forst auf Probleme an der Route entlang der Isar, auf der Rennradler mit Gelegenheitsradlern und Familien zusammentreffen.

Auf dem beliebten Donau-Radweg ereignete sich zuletzt am Sonntag bei Weichering in der Nähe von Ingolstadt ein Unfall, bei dem ein Radfahrer eine Kollision verursachte, eine ältere Pedelec-Fahrerin zu Fall brachte und sich anschließend aus dem Staub machte.

Manche Radfahrer überschätzen sich bei Bergtouren

Das Polizeipräsidium Schwaben Nord mit Sitz in Augsburg hat dagegen keine Häufung von Unfällen mit "rasenden Radlern" festgestellt. Geschwindigkeit als Ursache für Unfälle sei nur in einer geringen Anzahl von Fällen statistisch erfasst worden. Auch im Bereich der Polizeiinspektion Oberbayern Süd sind "Hotspots" wie der Perlacher Forst nicht bekannt. Allerdings gehören Radtouren in den Bergen inzwischen mit zu dem Unfallquellen – wobei die Opfer von überhöhter Geschwindigkeit meist die Rennradler selbst sind.

Zahl der Fahrradunfälle konstant geblieben

Insgesamt hat sich die Zahl der Fahrradunfälle im Freistaat zuletzt kaum verändert: 2025 lag sie bei 19.800 (nach 19.264 im Jahr 2024), wobei die Zahl der getöteten Radfahrer nach mehreren Jahren des Anstiegs auf 82 zurückging (nach 94 im Vorjahr). Auch im ersten Halbjahr 2026 bewegten sich die Zahlen nach Angaben des Innenministeriums in etwa auf dem Niveau des Vorjahres – mit 9.493 Unfällen und 40 getöteten Radfahrern im Freistaat. Laut Statistischem Bundesamt sind ältere Radfahrer im Straßenverkehr besonders gefährdet. So waren im vergangenen Jahr 61,5 Prozent der tödlich verunglückten Fahrradfahrerinnen und -fahrer 65 Jahre und älter.

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