In der Reservistenkameradschaft im oberbayerischen Eichstätt mischten offenbar jahrelang Ex-Soldaten mit, die tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt sind. Der Bundesverband der Reservisten hat nun reagiert und mehrere Personen ausgeschlossen.
In der Reservistenkameradschaft im oberbayerischen Eichstätt mischten offenbar jahrelang Ex-Soldaten mit, die tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt sind. Der Bundesverband der Reservisten hat nun reagiert und mehrere Personen ausgeschlossen.
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Symbolbild: Reservisten bei der Ausbildung
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Rechtsextreme Umtriebe bei Eichstätter Reservisten

Rechtsextreme Umtriebe bei Eichstätter Reservisten

In der Reservistenkameradschaft im oberbayerischen Eichstätt mischten offenbar jahrelang Ex-Soldaten mit, die tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt sind. Der Bundesverband der Reservisten hat nun reagiert und mehrere Personen ausgeschlossen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Jeder ehemalige Soldat der Bundeswehr ist automatisch Reservist – bis zu seinem 65. Lebensjahr. Aber nicht jeder wird anschließend Mitglied im Reservistenverband. Aktuell sind in dem Verein bundesweit mehr als 110.000 ehemalige Bundeswehrsoldaten organisiert. Seine Aufgabe ist es unter anderem, Ex-Soldaten fit zu halten für einen möglichen Einsatz im Ernstfall. Dafür veranstaltet er militärische Schulungen, sowie Übungen wie Märsche oder Schießtrainings, teils finden diese auch auf Bundeswehrgelände statt.

Umso problematischer, dass in der Reservistenkameradschaft Eichstätt offenbar jahrelang Rechtsextremisten organisiert waren, die wahrscheinlich auch an militärischen Trainings teilnahmen. Dem BR liegen zahlreiche Belege dafür vor, dass mindestens sechs langjährige Mitglieder der Eichstätter Kameradschaft einschlägig aufgefallen sind, einzelne waren schon vor Jahrzehnten in der militanten Neonazi-Szene aktiv, einer wurde 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt.

Bundesverband: Ausschluss mehrerer Reservisten

Der Bundesverband der Reservisten hat nun fünf Personen aus der Eichstätter Kameradschaft ausgeschlossen, wie er dem BR mitteilte. Zu Details will er sich nicht äußern. Eine Fortsetzung der Mitgliedschaft sei für den Verband aber unzumutbar gewesen.

Den Anstoß für den Rauswurf gab eine Veranstaltung des Kurt-Eisner-Vereins im Sommer 2025 in Eichstätt und ein anschließender Social-Media-Post der Bundestagsabgeordneten Sarah Vollath (Die Linke). Darin wurden Verbindungen einzelner Reservisten in rechte Netzwerke erstmals öffentlich gemacht. "Danach hat sich der Bundesreservistenverband bei mir gemeldet und mich in meinem Berliner Büro besucht", erinnert sich Vollath. "Die haben das sehr ernst genommen. Offensichtlich gibt es beim Reservistenverband einen großen Willen, Rechtsextreme in den eigenen Reihen nicht zu dulden."

Eichstätt: Vorstand im Fokus

Der Verband sprach Anfang Juni nach monatelanger Prüfung fünf Personen die außerordentliche Kündigung aus. Nach Informationen des BR sind allerdings sechs Eichstätter Kameraden einschlägig aufgefallen. Wer von ihnen nun verschont wurde und warum, dazu wollte sich der Verband auf BR-Nachfrage nicht äußern. Im Fokus steht aber offenbar auch der bisherige Vorsitzende der Eichstätter Reservisten. Auf BR-Nachfrage wollte sich der Betroffene nicht dazu äußern. Es handle sich um ein "laufendes Verfahren". Auch die Frage, warum er einschlägig bekannte Rechtsextremisten so lange in seiner Kameradschaft geduldet hat, ließ er unbeantwortet. Der Vorstandsposten ist laut Homepage seit kurzem vakant, obwohl erst im März neu gewählt wurde.

Rechtsextreme Netzwerke, auffällige Posts

Nach BR-Erkenntnissen bewegten sich Einzelne der Reservisten schon seit den 1990er Jahren in der Neonaziszene, teils im Umfeld der im Jahr 2000 verbotenen Organisation "Blood & Honour". Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, aus dem heraus rechter Terror organisiert und finanziert wurde, auch das Kerntrio der Terrorgruppe NSU gehörte zu diesem Umfeld. Einer der sechs Eichstätter Reservisten posierte noch vor zwei Jahren in einem T-Shirt der "Hammerskins" - ein Neonazi-Netzwerk, das ganz ähnlich agiert wie "Blood & Honour".

Dazu liegen dem BR zahlreiche Internet-Posts vor, in denen einzelne Reservisten unter anderem gegen demokratische Politiker hetzen, ihre Sympathie sowohl für rechtsextreme AfD-Politiker als auch für die Neonazi-Partei NPD/Die Heimat zum Ausdruck bringen. Einer von ihnen präsentierte bei einer Demo zudem ein Transparent mit der Aufschrift: "Wir lieben dieses Land, aber verachten diesen Staat." Eine Aussage, die insbesondere für einen Reservisten höchstproblematisch ist, denn jeder Soldat hat einen Eid abzuleisten, in dem er gelobt, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen".

Linken Abgeordnete: "Erschreckend niedrigschwelliger Zugang zu Waffen"

Die Linken-Abgeordnete Vollath geht davon aus, dass die ehemaligen Soldaten im Umgang mit Waffen geschult seien und will nicht ausschließen, dass Einzelne über Waffenbesitzkarten verfügen: "Sie haben auch erschreckend niedrigschwelligen Zugang zu Waffen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir hier von Menschen sprechen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung stürzen wollen."

Der Fall der Eichstätter Kameradschaft wirft aber noch andere Fragen auf: Waren die jetzt vom Reservistenverband rausgeworfenen Personen schon in ihrer aktiven Zeit als Soldaten aufgefallen? Was wusste der dafür zuständige Militärgeheimdienst MAD darüber? Durften die betroffenen Personen später als Reservisten gar an Übungen wie Schießtrainings teilnehmen, obwohl dafür auch für Reservisten eine Sicherheitsüberprüfung durch den MAD vorgeschrieben ist?

Der BR hat diese Fragen dem Reservistenverband, dem MAD und dem Bundesverteidigungsministerium gestellt. Dort wollte man sich zum konkreten Fall "aus Gründen des Datenschutzes und zur Wahrung des Persönlichkeitsrechts der bzw. des Betroffenen" nicht äußern. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte lediglich allgemein, dass in der Bundeswehr kein Platz für Extremismus sei. Der MAD prüfe jeden Hinweis auf Extremismus in der Bundeswehr "sehr sorgfältig".

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