Der Königssee, die Wallfahrtskirche St. Bartholomä oder St. Sebastian in der Ramsau: Diese Orte im Berchtesgadener Land gehören zu den beliebtesten Instagram-Hotspots in Deutschland. Nur: Ausgerechnet hier bricht das Mobilfunknetz besonders oft ab.
Doch das schlechte Netz ist nicht nur ärgerlich. Es kann auch richtig gefährlich werden – etwa dann, wenn ein Notruf nicht durchgeht.
Größtes Funkloch Deutschlands im Nationalpark Berchtesgaden
Daten der Bundesnetzagentur belegen: Das größte Funkloch Deutschlands liegt im Nationalpark Berchtesgaden – auf mehr als 100 Quadratkilometern gibt es hier maximal den veralteten Mobilfunkstandard 2G. Auch sonst schneidet Bayern bei der Mobilfunkabdeckung schlecht ab: Sieben der zehn größten Funklöcher Deutschlands liegen im Freistaat, die meisten davon in Alpennähe.
Die Bundesnetzagentur bezeichnet sie offiziell nicht als "Funklöcher", sondern als "Gebiete mit Ausbaudefizit", in denen es derzeit kein mobiles Breitband (4G oder 5G) gibt und in denen ein Ausbau innerhalb der nächsten 12 Monate nicht geplant ist.
Aber nicht nur in den Bergen gibt es Probleme. Auch auf dem flachen Land, etwa im nördlichen Landkreis Traunstein, ist die Verbindung oft brüchig. Gerade für Unternehmer, die im Auto telefonieren oder regelmäßig größere Datenmengen per Handy verschicken müssten, sei das ein Problem, sagt Birgit Seeholzer, die sich um die Wirtschaftsförderung im Landkreis kümmert.
Sie nennt zwei Hauptgründe für den langsamen Ausbau. Erstens: das Gelände. Steht eine Antenne unten im Tal, reicht das Netz oft nicht auf den Gipfel. Gleichzeitig könnten Berge einen "Schatten" auf das Netz werfen. Um das auszugleichen, brauche es eigentlich besonders viele Masten. Doch - und das ist der zweite Grund - gerade im landschaftlich schönen Südosten Bayerns gebe es oft Widerstand gegen neue Masten.
Im Video: Deshalb ist der Netzausbau im Alpenraum so schwierig
Experten: Mobilfunk innerhalb der Grenzwerte unbedenklich
Ein Beispiel aus Palling im Landkreis Traunstein: Hier steht seit zwei Jahren ein neuer Mobilfunkmast – sehr zum Ärger von Anwohner Georg Brandl und seiner Familie. Die stören sich nicht nur am Aussehen des Turms, sondern befürchten auch, dass die Dauerbestrahlung ihrer Gesundheit schaden könnte. Insbesondere, falls künftig noch weitere Anbieter zusätzliche Antennen auf den Mast bauen sollten. Denn eigentlich ist das so gewollt: dass ein Standort von mehreren Anbietern genutzt wird.
Diese Sorge kann Janine Schmidt vom Bundesamt für Strahlenschutz in München entkräften: Nach aktuellem Stand der Wissenschaft führten die elektromagnetischen Felder, die im Mobilfunk genutzt werden, nicht zu gesundheitlichen Schäden (externer Link) – auch nicht zu Krebs. Solange die festgelegten Grenzwerte (externer Link) für die Stärke der elektromagnetischen Felder eingehalten würden, sei Mobilfunk unbedenklich. Und die Grenzwerte würden in Deutschland eingehalten, oft sogar weit unterschritten.
Bürgermeister zwischen Funkmast-Frust und Netz-Ärger
Der Pallinger Bürgermeister Markus Huber (CSU) muss zwischen verschiedenen Interessen vermitteln: Er kann die verstehen, die wie Brandl nicht neben einem Mast wohnen wollen. Aber auch die, die sich über das schlechte Netz ärgern. Er würde sich deshalb wünschen, dass die Mobilfunkanbieter die schon gebauten Masten gemeinsam nutzen – damit es insgesamt weniger Standorte braucht. Und er findet, dass die Anbieter die Gemeinden oft nicht genug in ihre Planung einbeziehen.
Telekom kontert Kritik – und gibt 5G-Versprechen für den Königssee
Markus Jodl, Sprecher der Telekom, will das nicht so stehen lassen. Man bemühe sich um Standorte, die im Konsens entstehen. Doch neben der schwierigen Topographie im Alpenvorland erschwerten vor allem die vielen Anwohner-Proteste den Bau neuer Masten.
Auch die Klage, dass Anbieter die Masten nicht teilen wollen, kann er nicht nachvollziehen. Das "Site Sharing" – also das gemeinsame Nutzen – sei längst Standard. Allerdings müsse der Standort eben auch technisch in das Mobilfunknetz des jeweiligen Anbieters passen.
In einem Punkt allerdings räumt Jodl eine Mitverantwortung der Anbieter ein: Dort, wo weniger Menschen wohnen, sei der Bau von neuen Standorten weniger lukrativ als in den Städten, wo mehr zahlende Kunden wohnen. Er ist dennoch optimistisch, dass es vorangeht: In drei Jahren werde es auch rund um den Königssee 5G-Versorgung geben, versichert er. Ob dieses Versprechen tatsächlich Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten.
Dieser Artikel ist erstmals am 15. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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