Die gute Nachricht vorweg: Bayerns Straßen sind inzwischen deutlich sicherer also noch vor ein paar Jahrzehnten. In den 1980er- und 1990er-Jahren waren mehr als 3.000 Todesopfer pro Jahr die Regel. Von derart hohen Zahlen sind wir heute weit entfernt. Im vergangenen Jahr kamen laut aktueller Verkehrsunfallstatistik 507 Menschen auf den Straßen des Freistaats ums Leben.
Ein deutlicher Rückgang also im langfristigen Vergleich – doch von einer positiven Tendenz oder gar von einem akzeptablen Zustand lässt sich nicht sprechen. Denn im kurzfristigen Vergleich - in diesem Fall zu 2024 - zeigt die neue Statistik einen leichten Anstieg bei den Verkehrstoten. Und dass jeder tödliche Unfall ohnehin einer zu viel ist, weiß auch der für die Verkehrssicherheit zuständige Innenminister. Joachim Herrmann (CSU) sieht keinen Grund, sich zurückzulehnen: "Wir dürfen uns auch mit 500 Toten im Jahr nicht abfinden", sagt er. "Das ist immer noch viel zu viel." Herrmann konstatiert auch, dass die Zahlen seit längerer Zeit auf ähnlichem Niveau verharren.
Zu schnell unterwegs: Erhöhte Unfallgefahr auf Landstraßen
Zwar zeigen die Daten, dass es weniger Schwerverletzte auf Bayerns Straßen gab (gut 8.700 und damit so wenige wie noch nie) und weniger getötete Radfahrerinnen und Radfahrer (82 und damit 12 weniger als noch 2024). Doch auf der anderen Seite stehen eben nicht nur mehr tödliche, sondern auch insgesamt mehr Unfälle – knapp 388.000, ein Anstieg von 1,7 Prozent.
Und das verdeutlicht: In Sachen Verkehrssicherheit gibt es neue Herausforderungen und weiterhin viel zu tun – auch und gerade auf den Risikostrecken im Freistaat, zu denen überdurchschnittlich oft Landstraßen zählen: 313 Menschen und damit rund 60 Prozent der getöteten Verkehrsteilnehmer in Bayern sind dort verunglückt. "Wer sich die Unfallstatistik anschaut, wird sofort feststellen, dass wir auf den Landstraßen überdurchschnittlich viele Verkehrstote haben", sagt Innenminister Herrmann.
Die Gründe seien oft dieselben: zu hohe Geschwindigkeit, riskante Überholmanöver oder Fahrfehler in Kurven. Anders als in Städten werde auf Landstraßen naturgemäß deutlich schneller gefahren. Gleichzeitig gebe es keine baulichen Abtrennungen zum Gegenverkehr wie auf vielen Autobahnen.
Deswegen setzt die Polizei als Maßnahme gegen diese Entwicklung schon seit längerer Zeit vermehrt auf Kontrollen. Bestehende Tempolimits auf Landstraßen würden schließlich nicht aufgestellt, "um die Autofahrer zu ärgern", so der Minister, sondern um tatsächliche Gefahren zu minimieren.
Im Fokus der Kontrollen stehen aber nicht nur Temposünder. Auch Alkohol am Steuer und Ablenkung durch Smartphones spielen verstärkt eine Rolle und würden entsprechend kontrolliert.
Verkehrserziehung beginnt nicht erst in der Schule
Unfälle verhindern will der Innenminister aber nicht nur mit Kontrollen und dem Ausbau der Infrastruktur: 1.500 neue Radwege sollen bis 2030 in Bayern entstehen. Zu wenig, heißt es vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Kritik erntet die Staatsregierung auch vom TÜV-Verband, der die bisherigen politischen Maßnahmen für ungenügend hält.
Einig ist man sich aber, dass die Verkehrserziehung ein bedeutender Baustein ist und bleibt: "Es ist enorm wichtig, dass schon Kinder im Kindergartenalter lernen, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält", so der Innenminister. Kinder müssten früh lernen, Gefahren richtig einzuschätzen – etwa beim Überqueren einer Straße oder beim Verhalten an Ampeln. Später komme die sichere Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Fahrrad hinzu. Entscheidend seien dabei auch die Eltern, die als Vorbilder vorangehen müssten.
Verkehrssicherheit zum Anfassen
Wie Prävention in der Praxis aussehen kann, soll der 14. Landestag der Verkehrssicherheit an diesem Samstag in Nürnberg zeigen. Die vom Bayerischen Innenministerium ins Leben gerufene Veranstaltung wird jedes Jahr von einem anderen Polizeipräsidium ausgerichtet. In diesem Jahr ist das Polizeipräsidium Mittelfranken Gastgeber.
Für Herrmann ist der Tag vor allem eine Gelegenheit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen: "Ich freue mich auf die Begegnungen von vielen Menschen", so der Innenminister.
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