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Nach bundesweiter Funkstörung: Bahnverkehr läuft wieder

Nach bundesweiter Funkstörung: Bahnverkehr läuft wieder

Bei der Bahn ist es gestern Abend bundesweit zu massiven Problemen im Zugverkehr gekommen. Hintergrund war offenbar eine IT-Störung. Nun fahren die Züge wieder. Mit Verspätungen und Ausfällen muss unter Umständen noch gerechnet werden.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Bei der Deutschen Bahn ging in der Nacht zeitweise nichts mehr: Der Verkehr wurde wegen einer Funkstörung bundesweit eingestellt, alle Züge wurden an Bahnhöfen zurückgehalten. Inzwischen ist die Störung laut Bahn behoben, erste Züge fahren wieder. Teilweise sollten die Probleme bis in den Berufsverkehr am Morgen anhalten. So teilte etwa DB Regio Mitte auf der Plattform X mit, dass bis zur vollständigen Normalisierung mindestens bis 6.00 Uhr mit hohen Folgeverspätungen und kurzfristigen Zugausfällen zu rechnen sei.

Nur geringe Verspätungen am Morgen in München

Am Münchner Hauptbahnhof stellte sich die Lage am Vormittag vergleichsweise ruhig dar, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Nach Angaben der Anzeigetafeln kamen zahlreiche Züge mit nur geringeren Verspätungen an. Vereinzelt fielen Verbindungen aus oder Züge wendeten früher.

Laut der Störungskarte der Deutschen Bahn (externer Link) waren in der Nacht auch Regionalzüge in Bayern betroffen. Zudem waren im Gesamtnetz der Münchner S-Bahn keine Zugfahrten möglich. Wegen der Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke kommt es aber zwischen dem 23. und 26. Juni zeitweilig ohnehin zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr in der Landeshauptstadt.

Güterverkehr: Die Hälfte der Züge steht noch still

Nach dem bundesweiten Ausfall des Zugverkehrs fährt laut dem Verband Die Güterbahnen zunächst nur etwa die Hälfte der Güterzüge wieder. Güterbahnen seien besonders betroffen, da sie vor allem nachts unterwegs seien, erklärte Verbandsgeschäftsführerin Neele Wesseln am Mittwochmorgen. Zwar rollten seit Mitternacht vereinzelt wieder Züge, rund die Hälfte stehe jedoch weiterhin im ganzen Land und an den Grenzen still. Die Lage sei weiterhin "extrem angespannt", da Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf die Weiterfahrt warteten. Der Abbau des entstandenen Logistikstaus werde voraussichtlich mehrere Tage dauern, so Wesseln.

Offenbar Störung der internen Kommunikationskanäle

Den Angaben des Bahn-Sprechers war der digitale Bahnfunk GSM-R gestört. GSM-R ist eine spezielle Mobilfunktechnik, die vor allem Steuerungsdaten übermittelt. Damit können Lokführer aber auch etwa mit den Stellwerken telefonieren. Das GSM-R-Netz existiert seit 1992 und zählt zur kritischen Infrastruktur wie zum Beispiel auch Stromnetzbetreiber.

Zuvor hatte die Bahn auf ihrer Webseite von technischen Problemen berichtet (externer Link): "Aufgrund einer bundesweiten IT-Störung, welche die internen Kommunikationskanäle betrifft, ist der Zugverkehr in Bayern nur stark eingeschränkt bis gar nicht möglich. Weitere Informationen folgen." Es komme zu Verspätungen und Ausfällen.

Bislang keine Hinweise auf Sabotage

Kurz nach Mitternacht teilte die Bahn mit, die Ursache sei identifiziert worden. Laut Informationen des rbb gehen Sicherheitsbehörden derzeit nicht von Sabotage aus. Vielmehr werde ein fehlerhaftes Update als mögliche Ursache geprüft.

Hotel- und Taxigutscheine für betroffene Passagiere

Die Bahn gab wegen der Störung Taxi- und Hotelgutscheine an die Reisenden aus. "Dort, wo es möglich ist, werden Aufenthaltszüge zur Verfügung gestellt", sagte der Bahn-Sprecher der dpa. "Die DB entschuldigt sich bei den Reisenden für die Situation." Reisende, die mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, sollen sich ein Taxi bzw. Hotel nehmen und die Kosten über die Fahrgastrechte einreichen (externer Link). Beträge bis 120 Euro sollen darüber erstattet werden. 

Deutsche Bahn stark in der Kritik

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder forderte eine umfassende Aufklärung. Sollte die Ursache in Hardware-Komponenten oder einem fehlerhaften Server-Update liegen, müsse die Bahn ihre Systeme so ausrichten, dass sich ein solcher Vorfall künftig nicht wiederhole, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sieht in der deutschlandweiten Störung des Bahnfunks ein deutliches Zeichen für mangelnde Krisenvorbereitung bei der Deutschen Bahn. "Technische Defekte wird man nie ganz vermeiden können. Aber bei einem Ausfall dieser Größenordnung erwarte ich im Interesse aller Fahrgäste und der Wirtschaft, dass die Deutsche Bahn ein tragfähiges Notfallkonzept parat hat. So kann es nicht weitergehen", sagte Bernreiter, der auch Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz von Bund und Ländern ist, in München.

Kritik kam auch von Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). "Dass wegen einer technischen Störung zwei Stunden lang alle Züge in Deutschland stehen, darf nicht passieren", sagte er dem WDR. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Armand Zorn forderte zudem schnelle und umfassende Maßnahmen, falls der Bahnverkehr großflächig beeinträchtigt werden könne.

Sind die veralteten Systeme am Totalausfall schuld?

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Tarek Al-Wazir (Grüne), forderte einen Zeitplan für die Modernisierung veralteter Systeme. Die nächtliche Störung zeige, dass die Bahnsysteme störanfällig und teilweise veraltet seien, sagte er vor einer Ausschusssitzung, an der auch Bahnchefin Evelyn Palla teilnimmt. Von Palla wolle er insbesondere erfahren, bis wann die Modernisierung vorgesehen sei. Das betroffene GSM-R-System verglich Al-Wazir dabei mit "2G", während sich die Telekommunikation bereits im Übergang von 5G zu 6G befinde.

Am Mittwochmorgen hat die Deutsche Bahn bekanntgegeben, dass sich die Inbetriebnahme des Bahnprojekts Stuttgart 21 um fünf Jahre verschiebt. Nach Angaben von Bahnvertretern im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages soll der neue Tiefbahnhof nun im Dezember 2031 eröffnet werden. Die zuvor für Ende 2026 geplante Teileröffnung war bereits abgesagt worden.

Mit Informationen von dpa und Reuters

Im Audio: Probleme mit dem Digitalfunk - Bundesweite Störungen bei der Bahn behoben

Ein Paar steht mit Koffern am Gleis.
Bildrechte: BR/Julia Müller
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Bei der Deutschen Bahn kommt es derzeit verstärkt zu Zugausfällen.

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