Viele Väter wünschen sich in Umfragen eine partnerschaftliche 50:50-Aufteilung von Job, Familienarbeit und Kinderbetreuung mit ihrer Partnerin. Laut Familienforscherin Anna Buschmeyer hat sich das Selbstbild der Väter deutlich verändert, besonders bei der Frage, wie viel Zeit sie mit ihren Kindern verbringen sollten, um ein "guter Vater" zu sein. Die Väterquote beim Elterngeldbezug ist seit 2006 auf rund 30 Prozent gestiegen. Heutige Väter verbringen wöchentlich mit ihren Kindern rund neun Stunden mehr als Väter vor 20 Jahren.
Neue Studie zum Wandel des Vaterbilds
Am Deutschen Jugendinstitut (DJI) (externer Link) in München wertet Buschmeyer die ersten Ergebnisse einer aktuellen Befragung zum Wandel des Vaterbilds aus. An ihren Interviews haben Männer aus zehn Familien teilgenommen, jeweils drei Vätergenerationen einer Familie.
"Gerade im Vergleich zu ihren Großvätern und den Urgroßvätern sind junge Väter heute eher bereit, mehr daheim zu machen, und sie wollen viel präsenter im Leben ihrer Kinder sein." Ziel ihrer Studie ist es, besser zu verstehen, wie der Einfluss vom Verhalten der eigenen Väter auf das spätere Selbstbild und das Rollenmodell ihrer Söhne prägt.
90 Prozent der Väter arbeiten Vollzeit
Im Väterreport 2023 des Bundesfamilienministeriums (externer Link) zeigt sich, weshalb viele Väter trotz guter Vorsätze im alten Rollenmodell steckenbleiben. Drei Gründe sind demnach ausschlaggebend, dass Väter oft für das Familieneinkommen und weniger für die Organisation im Familienalltag zuständig sind. Als wichtigsten Grund nennen Väter lange und starre Arbeitszeiten sowie eine Jobkultur, die Vollzeitpräsenz erwarte.
Bei längerer Abwesenheit, etwa mehr als zwei Vätermonate oder Teilzeit, befürchten sie einen Karriereknick. Dazu kommt: Auch flexible Arbeitszeitmodelle sind in klassischen Männerberufen bislang seltener als in Frauenjobs.
Einkommensschere erschwert neue Aufgabenverteilung
Der zweite Grund ist die finanzielle Herausforderung: Obwohl heute mehr Mütter als vor 20 Jahren erwerbstätig sind, haben in der Regel die Väter die besser bezahlten Jobs. Der sogenannte Gender-Pay-Gap liegt in Bayern bei rund 18 Prozent, etwas höher als im Bundesdurchschnitt.
Laut Väterreport überzeugt ein deutlicher Einkommensunterschied viele Paare, am traditionellen Rollenbild festzuhalten. Betreuungsmöglichkeiten sind ebenfalls entscheidend – unpassende Öffnungszeiten oder fehlende Plätze führen dazu, dass eher Mütter beruflich zurückstecken, um Einbußen für das Familienbudget zu verringern.
Kinderbetreuung gilt oft noch als Frauensache
Dazu kommen auch traditionelle Rollenbilder in der Gesellschaft: Viele Väter berichten, sie würden in Kitas, am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld nicht als gleichwertige Betreuungsperson für ihre Kinder wahrgenommen. Frauen und Müttern wird traditionell mehr Kompetenz für Fragen der Pflege, Erziehung oder im Haushalt zugesprochen.
Forscherin Buschmeyer betont aber: "Entscheidend ist nicht unbedingt die finanzielle Situation. Wenn die Eltern beispielsweise in Schichten arbeiten, werden pragmatische Lösungen gefunden, sich die Familienaufgaben zu teilen." Laut Forschung sei die Einstellung junger Väter und ihres Umfelds entscheidender: "Da sehen wir viel selbstverständlicher, dass sich Väter heute auch die Zeit nehmen möchten, ihre Kinder beim Aufwachsen zu begleiten." Junge Männer kümmerten sich heute in der Regel öfter auch ums Kochen, Wickeln oder helfen bei den Hausaufgaben als frühere Vätergenerationen.
Väter fühlen sich für das Familienleben verantwortlicher
Laut Forschung übernehmen junge Väter heute zunehmend mehr Aufgaben wie Arztbesuche oder den Einkauf von Geschenken für eine Geburtstagsparty ihrer Kinder. "Es gibt nicht eine eindeutige Entwicklung, Väter und ihre Rollenbilder sind mittlerweile sehr individuell und unterschiedlich", so Buschmeyer.
Ihre ersten Studienergebnisse belegen, dass sich schon in den 60er-Jahren das Rollenmuster vom modernen Vater entwickelt hat. "Aber den heutigen Großvätern fehlten damals passende Rahmenbedingungen wie Betreuungsplätze, das Elterngeld oder auch der Wunsch ihrer Partnerin, auch als Mutter berufstätig zu sein." Nur bei den Haushaltsaufgaben zeigten bislang Studien, dass sich wenig ändere und Väter weiterhin deutlich weniger als die Mütter einbringen.
Im Video: Vaterrolle im Wandel
Vater mit Baby
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