Man muss gar nicht lange suchen in Rottach-Egern am Tegernsee, bis man sie findet: weiße Garagentore. Es gibt sie zu Dutzenden. Eines davon gehört Adolf Rosenschon, seines steht schon seit 24 Jahren. Erst kürzlich aber hat Rosenschon Post von der Gemeinde bekommen: Sein Garagentor entspreche nicht den Vorgaben der Ortsgestaltungs-Satzung, er müsse es entweder in Holz oder zumindest in Holz-Optik halten. Rosenschon versteht die Welt nicht mehr.
Holz für den Tourismus-Ort
Tatsächlich gilt die Ortsgestaltungs-Satzung seit Mitte der 80er Jahre, so der Rottach-Egerner Bürgermeister Christian Köck (CSU). Und in der steht ganz klar drin: Hauseingangstüren und Garagentore sind in Holz zu halten. Das soll den ländlichen Charakter bewahren und Rottach-Egern für den Tourismus attraktiv halten, so die Satzung.
Die Gemeinde hat deshalb eine Reihe von Hausbesitzern angeschrieben und um Änderung gebeten – auch Adolf Rosenschon.
Landratsamt: Kontrollen betreffen nicht Gestaltung
Rosenschon ist womöglich Opfer unterschiedlicher Zuständigkeiten der Behörden geworden. Er sagt, er habe das Haus damals schlüsselfertig vom Architekten gekauft. Gleich danach seien der Bürgermeister und Gemeinderäte bei ihm gewesen und hätten die Gestaltung des Hauses moniert – er habe eine Änderung abgelehnt.
Bürgermeister Köck wiederum berichtet, Rosenschon sei damals – noch von seinem Vorgänger – informiert worden, dass sein Haus nicht satzungskonform gestaltet sei. Aber die Zuständigkeit für die Kontrolle der Bauordnung sei damals ans Landratsamt übergegangen. Eine Sprecherin des Landratsamtes verweist wiederum darauf, dass bei der Begutachtung durch das Amt vor allem die Einhaltung der Bayerischen Bauordnung geprüft werde – also Abstände zum Nachbarn oder Bauhöhen. Lokale Gestaltungsvorschriften würden oft nicht berücksichtigt.
Auch nach Jahren noch rechtswidrig
Tatsächlich gibt es weiße Garagentore in Rottach-Egern wohl schon jahrzehntelang. Das aber, so die Sprecherin des Landratsamtes, verhindere nicht, dass das Weiß womöglich rechtswidrig sei. Bürgermeister Köck bietet immerhin an, dass die Garagentore nicht entfernt werden müssten – der Gemeinde reicht es, wenn sie mit Folie in Holzoptik überklebt werden.
Adolf Rosenschon will sich das nicht gefallen lassen: Er sagt, er werde nichts ändern, bis er per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen werde.
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