Ein Rekord jagt an den Tankstellen den Nächsten: "Ich tanke nicht mehr voll und hoffe, dass es vielleicht zwei Tage später preiswerter wird", sagt eine Autofahrerin am Dienstagvormittag im oberbayerischen Gilching. Diese Hoffnung wird schon am Mittag getrübt: Kostete Diesel noch vor einer Woche 2 Euro 29, sprang der Preis am Dienstag um 12 Uhr auf durchschnittlich 2,50 Euro. Bei Superbenzin zahlen Autofahrer aktuell 2,26 Euro, statt wie zuvor 2,13 Euro (Stand: 7.4.2026).
So funktioniert die Benzinpreisbremse
Preissprünge um 12 Uhr sind seit 1. April an deutschen Tankstellen zu beobachten. Die Bundesregierung hat die sogenannte Benzinpreisbremse eingesetzt, um Preisanstiege zu begrenzen. Die schreibt Mineralölkonzernen vor, dass sie die Spritpreise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr erhöhen dürfen. Senken dürfen sie die Preise jederzeit.
Kraftstoffpreise gehen weiter hoch
Statt nach unten ging der Preis jedoch in der vergangenen Woche weiter hoch: Jeweils um 12 Uhr hoben die Tankstellen die Preise an. Sieben Tage nach Einführung der neuen Regel sind die Preise für Diesel bayernweit um 20 Cent gestiegen. Für Super und E10 um 13 Cent.
Im Laufe des Tages schraubten sie sie zwar wieder herunter, im Durchschnitt steigt der Preis jedoch konstant an. Ein Trend, der sich auch an den Osterfeiertagen fortsetzte.
Tankstellenbetreiber: Beschaffungskosten und schwierige Kalkulation
Hat die Benzinpreisbremse also ihren Zweck verfehlt? Die Tankstellenbetreiber verweisen auf die schwierigen Rahmenbedingungen. Simone Thaysen, Sprecherin der mittelständischen Allguth GmbH, sagt im BR24-Interview, der Grund für die hohen Preise sei die Situation im Nahen Osten und damit die hohen Beschaffungskosten: "Die neue Regel ändert daran erst einmal nichts." Außerdem mache es die Kalkulation schwieriger, nur einmal am Tag den Preis erhöhen zu dürfen.
Zeitgleich mit der Einführung der Benzinpreisbremse stieg auch der Preis für Rohöl – eine Erklärung für den weiteren Anstieg der Spritpreise für Verbraucherinnen und Verbraucher. An Ostern hatten jedoch die Handelsplätze geschlossen. Der ADAC kritisiert, dass Preiserhöhungen am Osterwochenende deshalb nicht nachvollziehbar wären.
Forderung: Bundesregierung muss Energiesteuer senken
Der ADAC kritisiert die neue Regelung: Mineralölkonzerne würden die Preise überziehen, wenn sie nur noch einmal am Tag die Möglichkeit zur Preisanpassung nach oben hätten. Das sagt Katrin von Randenborgh, Sprecherin des Automobilclubs. Sie fordert, Mineralölkonzerne müssten sanktioniert werden und: "Die Bundesregierung muss jetzt die Energiesteuer senken und die Verbraucher entlasten." Die Energiesteuer mache rund die Hälfte des Spritpreises aus.
Tanken kurz vor Mittag am günstigsten
Einen Vorteil hat jedoch die neue Regelung: Die Preisentwicklungen sind für die Verbraucherinnen und Verbraucher transparent und berechenbar. Das bedeutet auch, entgegen der früheren Empfehlung, der günstigste Zeitpunkt zum Tanken ist nicht am Abend, sondern kurz vor Mittag.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
