Saatkartoffeln sind die Grundlage jeder Kartoffelernte. Ohne sie gäbe es keine Pommes, keine Chips und keine Speisekartoffeln. Das Lager von Johannes Wittmann aus Haidlfing ist fast voll mit Saatkartoffeln – doch etwa 20 Prozent Erntemenge fehlen heuer wegen der Dürre. Die Knollen in den Gitterboxen sehen genauso aus wie Speisekartoffeln. Der Unterschied: Sie sind kleiner, haben zwischen 35 und 55 Millimetern Durchmesser, damit sie im nächsten Frühjahr in die Pflanzmaschinen der Landwirte passen.
Saatkartoffeln werden enger gepflanzt
Saatkartoffeln werden im Frühjahr enger gepflanzt als Kartoffeln für den Verkauf an Verbraucher. Dadurch ist die Konkurrenz unter ihnen groß und die Knollen bleiben klein. Sie werden auch weniger gedüngt. Im Juni kontrollieren Johannes Wittmann und sein Team jede Pflanze auf einer Fläche von insgesamt 50 Hektar in drei Durchgängen mehrmals. Denn sie müssen absolut gesund sein. Er sucht beispielsweise nach dem Blattrollvirus, dem Mosaikvirus oder der Bakterienkrankheit Schwarzbeinigkeit. Kranke Pflanzen entfernt er aus dem Feld, damit sie nicht ihre Nachbarinnen anstecken.
Wenige Saatkartoffelerzeuger in Bayern
Saatkartoffelerzeuger wie Johannes Wittmann gibt es unter Bayerns rund 100.000 Kartoffelerzeugern nur 260. Die vielen Krankheiten, die Kartoffeln haben können, sind der Hauptgrund dafür, warum es so wenige Saatkartoffelerzeuger in Bayern gibt. Deshalb gibt es viele Kontrollen. Und wo mehr untersucht wird, wird mehr gefunden, meint Wittmann. Die größte Katastrophe wäre, wenn die Krankheit Kartoffelkrebs festgestellt würde. Auf einem solchen Acker dürfen mindestens 20 Jahre keine Kartoffeln mehr angebaut werden. Wittmann sieht sich auf der sicheren Seite, weil auf seinem Betrieb hygienisch gearbeitet werde und er nur für eine einzige Pflanzenzuchtfirma arbeite. Er ist davon überzeugt, dass er deshalb immer nur gesundes Material bekommt.
Stärkegehalt wichtig
Ebenfalls im Juni kontrolliert Wittmann den Stärkegehalt. Der entscheidet über die Lagerfähigkeit und muss bei der Ernte mindestens zwölf Prozent betragen. Sobald der richtige Stärkegehalt erreicht ist, wird das Kraut abgetötet, damit die Kartoffeln nicht weiterwachsen. Dann kommt die Ernte – vom 7. bis 25. August war Familie Wittmann heuer im Hitzejahr damit beschäftigt, etwa eine Woche früher als sonst.
Vom Hänger laufen die Kartoffeln anschließend in einer Halle über eine riesige Maschine mit mehreren Förderbändern, einer Kamera und automatischen Fingern. Sie sortiert die zu kleinen und die zu großen Kartoffeln in eigene Behälter. Die werden als Speisekartoffeln verkauft, allerdings zu schlechteren Preisen als die Saatkartoffeln.
Leicht überdurchschnittlicher Ertrag
Die richtige Größe hatten heuer rund 75 bis 80 Prozent der geernteten Kartoffeln. Das sind Saatkartoffeln, zu denen man auch Pflanzkartoffeln sagt. Mit einem Anteil von 75 bis 80 Prozent Saatkartoffeln ist der Erzeuger sehr zufrieden, ebenso wie mit der Erntemenge insgesamt.
Auf den Flächen, die er bewässern konnte, war der Ertrag 2026 durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich. Auf den Flächen, die er nicht bewässern konnte, waren es 20 bis 30 Prozent weniger. Das hält der Landwirt für verkraftbar und hofft auf einen guten Preis. Der steht erst in einigen Wochen fest, wenn die Erntemengen für ganz Deutschland ermittelt sind. Und da es fast überall in Deutschland trocken war und die Mengen geringer als normal sein dürften, rechnet Johannes Wittmann mit einem guten Preis.
Spezielle Technik wichtig
Spezielle Technik setzt der Saatkartoffelerzeuger auch in der riesigen Lagerhalle ein. Die computergesteuerte, energieeffiziente, so genannte Wurflüftung wirft nachts von oben kalte Außenluft über die Kartoffeln und saugt unten die erwärmte Luft wieder hinaus ins Freie. Dadurch wird die Temperatur über mehrere Wochen langsam abgesenkt bis auf das Ziel von 3 bis 5 Grad. Gleich nach dem Einlagern trocknen große Ventilatoren die Knollen ab, damit Pilze auf der Haut keine Fäulnis verursachen können. Die ganze Halle ist in rotes Licht getaucht, das dafür sorgt, dass die Kartoffeln nicht grün werden.
Im Winter werden alle Kartoffeln nochmals aus dem Lager geholt und nachselektiert, um wirklich jede möglicherweise angeschnittene oder nicht ganz perfekte Knolle auszusortieren.
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